Meist gibt es wegen unkonkreten Formulierungen im Arbeitsvertrag später Streit – vor allem bei einer Trennung. © dpa

ZEIT Campus: Worauf sollte man bei einem Arbeitsvertrag achten?

Sandra Flämig: Zunächst einmal sollte man ihn von Anfang bis Ende genau lesen. Alle Formulierungen, die einem schwammig vorkommen, sollte man hinterfragen. Über sie könnte nämlich später Streit entstehen. Um sie aufzuspüren, braucht man kein Jurist zu sein, da genügt der gesunde Menschenverstand.

ZEIT Campus: Ein Beispiel, bitte.

Flämig: Wenn es etwa um einen Bonus geht, sollte exakt drinstehen, ab wann es diesen gibt und wie hoch er ist. Zum Beispiel so: Wenn das Unternehmen das Umsatzziel X erreicht, gibt es einen Bonus in Höhe von Y. Immer, wenn man über etwas stolpert, darf man sich nicht scheuen, nachzufragen, was damit gemeint ist.

ZEIT Campus: Wen fragt man denn?

Flämig: Die Person, von der man den Vertrag erhalten hat. Häufig ist das jemand aus der Personalabteilung, es kann aber auch der zukünftige Vorgesetzte sein.

ZEIT Campus: Was darf im Vertrag nicht fehlen?

Flämig: Da gibt es zehn Punkte, die im sogenannten Nachweisgesetz aufgeführt sind. Dazu zählen unter anderem die Arbeitszeit, die Dauer des Urlaubs, das Gehalt mit allen Zulagen und Sonderzahlungen sowie eine kurze Beschreibung der Tätigkeit. Wenn ein Tarifvertrag vereinbart wurde, sind viele Regelungen ausgelagert. Oft stehen die interessanten Punkte dann im Tarifvertrag. Damit man sich auch wirklich den richtigen anschaut, fragt man am besten in der Personalabteilung nach, ob sie ihn ausliegen haben oder den Link dazu schicken können.

ZEIT Campus: Bei welchen Formulierungen sollte man aufpassen?

Flämig: Bei Ausschlussfristen oder auch Verfallfristen. Das ist eine dieser "fiesen" Sachen, die immer ganz hinten stehen, aber absolut üblich und legal sind. Zum Beispiel besteht normalerweise drei Jahre lang ein Anspruch auf bestimmte Zahlungen wie das Gehalt, Urlaubsgeld oder Boni. In den meisten Arbeitsverträgen wird diese Frist jedoch stark abgekürzt. Der Anspruch auf das Geld verjährt dann zum Beispiel nach drei Monaten. Wenn man etwa sein Urlaubsgeld nicht bekommen hat, bleiben in diesem Fall drei Monate, um Einspruch zu erheben. Das ist wenig Zeit.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 1/2016

ZEIT Campus: Viele starten mit befristeten Verträgen. Worauf sollten sie achten?

Flämig: Gibt es keinen Sachgrund – wie etwa eine Schwangerschaftsvertretung –, darf die Befristung maximal zwei Jahre gehen. Innerhalb dieser zwei Jahre darf der Vertrag höchstens dreimal verlängert werden. Es sollte drinstehen, dass regulär gekündigt werden kann, zum Beispiel mit einer Frist zum Monats- oder Quartalsende. Sonst kommt man nur schwer raus, falls es ein besseres Angebot gibt.

ZEIT Campus: Was gilt für die Probezeit?

Flämig: Sie darf maximal sechs Monate dauern. Die Kündigungsfrist ist gesetzlich auf zwei Wochen verkürzt, außer wenn im Tarif- oder Arbeitsvertrag etwas anderes vereinbart wurde. Gekündigt werden kann übrigens bis zum letzten Tag der Probezeit.