Worauf achten Personalmanager bei Bewerbern wirklich? Selbstbewusstes Auftreten und gute Vorbereitung werden in Umfragen am häufigsten genannt. © dpa

"Ich mag es, wenn Bewerber im Gespräch selbstbewusst auftreten"

"Viele Kandidaten klammern sich an Bewerbungstipps. Sie sitzen vor mir und denken so viel darüber nach, wie sie ihre Hände halten und ob sie gerade lächeln sollten, dass sie sich gar nicht mehr auf das Gespräch konzentrieren können. Ich muss oft lange bohren, bis ich nicht einstudierte Antworten bekomme und die echte Person hinter der Fassade kennenlerne. Pro Stelle führen wir zwischen fünf und zehn Gespräche. Studienabschlüsse und Noten klopfen wir schon vorher in einem Onlineformular ab. Sind wir interessiert, aber noch nicht überzeugt, schalten wir zwischen Bewerbung und Vorstellungsgespräch ein Telefoninterview.

Häufig schicken wir Bewerbern eine Testaufgabe per E-Mail zu und lassen uns einen Code-Schnipsel schreiben oder ein Event konzipieren, um zu sehen, wie fit sie sind. Im Gespräch muss ein Bewerber mir klar vermitteln können, warum er für uns arbeiten möchte und welchen Input er uns liefern kann. Hat er beispielsweise eine Projektarbeit zum E-Commerce geschrieben, die uns weiterbringt?

Unsere Firma wächst zurzeit stark, wir expandieren ins Ausland. Da brauchen wir Mitarbeiter, die selbstständig denken und handeln. Deswegen macht es sich gut, wenn jemand schon praktische Erfahrungen gesammelt hat, etwa im Studium Geld mit Programmieren verdient oder sogar gegründet hat. Ich mag es, wenn Bewerber selbstbewusst auftreten, uns beispielsweise fragen, was wir ihnen bieten können, oder am Ende des Gesprächs um unsere Einschätzung bitten."

"Kandidaten sollten auch Telefoninterviews ernst nehmen"

"Mit Bewerbern führen wir zunächst ein Telefoninterview. Hier können wir herausfinden, wie jemand tickt: Hört er genau zu und antwortet auf den Punkt? Wirkt er sympathisch und offen, und kann er sich gut verkaufen? Einige nehmen ein Telefonat nicht so ernst wie ein persönliches Treffen. Es macht keinen konzentrierten und professionellen Eindruck, wenn man zum Beispiel aus dem Auto telefoniert. Wir wünschen uns natürlich, dass der Kandidat seine Chance wertschätzt. Dazu gehört, dass er zeitlich genug Luft einplant und sich auf das Gespräch fokussiert. Auch für ein Telefonat sollte man sich angemessen kleiden, denn darin drückt sich eine Haltung aus, die auf das Gespräch abfärbt.

Wir schätzen es, wenn jemand das Stellenprofil zur Hand hat und immer wieder darauf Bezug nimmt, während er seinen Lebenslauf darstellt. Um die fachlichen Qualifikationen geht es erst beim persönlichen Treffen, an dem auch die Fachabteilung teilnimmt. Auf kleine Fallstudien sollte man vorbereitet sein. Wir könnten zum Beispiel um Vorschläge für das Onlinemarketing eines fiktiven neuen Produktes bitten.

Als international tätiges Unternehmen legen wir außerdem viel Wert auf internationale Erfahrung, sei es durch ein Auslandssemester oder Auslandspraktikum. Positiv finden wir außerdem, wenn der Bewerber über aktuelle Entwicklungen der Firma informiert ist und eigene Ideen äußert. Fragen zum Team oder den Arbeitsabläufen sind auch gerne gesehen, denn sie zeugen von echtem Interesse."

"Ich möchte wissen, wie der Berufswunsch zustande kam"

"In unserer Branche, der Buchbranche, zählen Ausdrucksvermögen und sprachliche Gewandtheit. Darauf achte ich nicht nur beim Anschreiben. Im Gespräch ist es mir wichtig, dass der Kandidat angeregt und mit Substanz erzählt und auch selbst fragt. Nichts ist undankbarer als ein Gespräch mit jemandem, der am liebsten nur mit Ja oder Nein antwortet. Ich möchte ein Gefühl dafür bekommen, mit wem ich es zu tun habe.

Am meisten interessiert mich die Motivation: wie der Berufswunsch zustande kam, wofür derjenige brennt, aber auch, was ihn speziell an einem Verlagsbereich wie dem Marketing oder dem Lektorat reizt. Er sollte ausführen können, warum das, was er kann und was ihn interessiert, zu den Anforderungen der Stelle passt. Jemand könnte zum Beispiel argumentieren, dass er seine Abschlussarbeit über neue Distributionswege im Verlagswesen verfasst hat und sein Wissen jetzt gern im Vertrieb anwenden würde.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 1/2016

Auf der Frankfurter und der Leipziger Buchmesse caste ich Bewerber in Speedmeetings, bei denen man sich zehn Minuten lang gegenübersitzt. Da muss man punktgenau die Infos rüberbringen, die ein klares Bild von den eigenen Fähigkeiten vermitteln. Gut ist es auch, wenn jemand in verlagsbezogenen Netzwerken oder Gruppen aktiv ist, Artikel kommentiert und sich an fachlichen Diskussionen beteiligt. Ich schaue da regelmäßig hinein und bitte auch um Kontaktdaten, damit man im Dialog bleiben kann – auch so kommen Stellenbesetzungen zustande."

Protokolle: Katja Bosse