Beides! Beim Entscheiden sind Verstand und Intuition gleichermaßen wichtig.

Wer sich am Ende des Studiums auf die Suche nach einem passenden Masterprogramm oder dem ersten Job macht, muss wichtige Entscheidungen treffen: Soll ich für den Master ins Ausland gehen? Will ich bei einem namhaften Konzern ins Berufsleben starten oder bei der weniger bekannten Firma von nebenan? "Das will gut überlegt sein", sagen die einen. "Hör einfach auf deinen Bauch", raten die anderen. Und beide haben recht.

Besonders in komplexen Situationen hilft die Intuition weiter. "Intuition ist nichts Wundersames, Unerklärliches. Sie ist so etwas wie die Intelligenz des Unbewussten", sagt Gerd Gigerenzer, Entscheidungsforscher und Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Das, was wir als Bauchgefühl bezeichnen, beruht auf Erfahrungen, die wir früher in unserem Leben gemacht haben und die quasi in verdichteter Form in uns gespeichert sind. Darin steckt allerdings auch eine Einschränkung: "Die Intuition funktioniert dann besonders gut, wenn man viel Erfahrung in einem Bereich hat", sagt Gigerenzer.

Aber hat man das am Ende des Studiums? Vielleicht mehr, als man denkt. Man hat Praktika gemacht, vielleicht als Hiwi oder Werkstudent gejobbt. Und dabei ein Gespür dafür entwickelt, was einem im Berufsalltag wichtig ist. Will man selbstbestimmt arbeiten? Fühlt man sich nur in Jeans und T-Shirt wohl, oder sind Kostüm und Anzug auch in Ordnung?

Die Intuition kann also ein wertvoller Entscheidungshelfer sein. Doch ohne ausreichende Informationen führt das Bauchgefühl leicht in die Irre. Zum Beispiel kann der Gedanke an ein bestimmtes Unternehmen gute Gefühle auslösen, weil es ein Produkt herstellt, das man mag. Trotzdem kann es sein, dass der Umgangston dort unangenehm, die Perspektiven schlecht und Überstunden an der Tagesordnung sind.

Also muss man recherchieren, bevor man auf seinen Bauch hört. Mittlerweile gibt es dafür zahlreiche Möglichkeiten. Aus der Werbung und der Website der Unternehmen kann man ablesen, wie diese gern gesehen werden möchten. Das Gegengewicht bieten Bewertungsportale wie Kununu und Glassdoor, bei denen Mitarbeiter anonym Einblicke gewähren. Beides ist nicht objektiv, liefert aber Anhaltspunkte. Weitere Quellen sind Medienberichte, aber auch Karrieremessen, auf denen man sich im Gespräch mit Mitarbeitern der Unternehmen ein Bild machen kann. Nach einem Vorstellungsgespräch kann man bitten, den potenziellen Arbeitsplatz und die Kollegen zu sehen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 1/2016

Gibt es schon ein Stellenangebot, kann man die Informationen sortieren, zum Beispiel mithilfe einer Pro-Contra-Liste, wobei man die Kriterien auch gewichten kann. Dabei kristallisiert sich oft ein klares Gefühl heraus, Kopf und Bauch ergänzen einander. Wer dennoch zu keinem Entschluss kommt, für den hat der Entscheidungsforscher Gigerenzer einen Tipp: eine Münze werfen, Kopf steht für die eine Alternative, Zahl für die andere. "Auf das Ergebnis kommt es dabei gar nicht an", sagt Gigerenzer. Sondern darauf, sich Klarheit über seine eigenen Gefühle zu verschaffen. "Noch während die Münze in der Luft ist, werden Sie den Wunsch spüren, dass eine bestimmte Seite oben liegt. Sie haben schon entschieden."