Der erste Auftrag für Stephan Kühr ging gründlich daneben: Sein 3-D-Modell des Hotelgebäudes hatte mit den Entwürfen, die er vom Architekten bekommen hatte, wenig zu tun. Die Wände waren eingeknickt und die Lamellen am Rollo überhaupt nicht zu sehen. "Ich hatte einfach die Daten genommen und versucht, das Hotel als verkleinertes Modell drucken zu lassen", erinnert sich Kühr. Zum damaligen Zeitpunkt war die Software seines Start-ups 3yourmind noch nicht ganz fertig, und er musste das Modell am Computer manuell nachbearbeiten.

Architekten, Designer, Ingenieurbüros oder Industrieunternehmen können über die Internetplattform 3yourmind die Datensätze ihrer Produkte so umrechnen lassen, dass problemlos dreidimensionale Modelle und Prototypen daraus gedruckt werden können.

"Auf die Idee kam ich, als ich mir einen 3-D-Drucker zum Selberbauen bestellt habe und merkte, dass es gar nicht so leicht ist, druckbare Daten zu erzeugen", sagt Kühr, der an der Universität Ulm Wirtschaftsphysik studiert hat. Damals nahm sich der heute 33-Jährige gerade eine Auszeit von seinem Job als Vertriebsleiter bei einer Windenergiefirma. Er reiste herum und besuchte Freunde auf der ganzen Welt, von denen einige schon gegründet hatten.

Kühr bekam selbst Lust, fand mit dem 3-D-Druck das passende Thema und Mitstreiter im Bekanntenkreis: Mit Aleksander Ciszek, den er auf einer seiner Reisen kennengelernt hat, teilt er sich die Geschäftsleitung. Kührs ehemaliger Mitbewohner, der Informatiker Tobias Wunner, regelt den reibungslosen Ablauf mit den Dienstleistern.

2013 legten die drei los. Inzwischen liegt der Umsatz im sechsstelligen Bereich, das Start-up beschäftigt in Berlin zehn feste Mitarbeiter und zehn Praktikanten. Es läuft gut für das Unternehmen und seine Gründer – wie haben sie das geschafft?

Wenn Stephan Kühr erzählt, taucht ein Motiv immer wieder auf: der Mut zum Rumprobieren. "Wir haben in der Anfangszeit drei Businesspläne geschrieben, keiner wurde genau so umgesetzt", sagt er. Denn ihre Ideen haben sich stetig weiterentwickelt. Am Anfang konnten die Kunden zum Beispiel nicht direkt bei 3yourmind bezahlen, sondern nur bei dem Druck-Dienstleister, der das 3-D-Modell anfertigte, nachdem der Kunde die Software genutzt hatte. Der Dienstleister zahlte wiederum eine Provision an das Start-up. Inzwischen läuft alles über die Plattform der drei Gründer. Auch wenn nichts genau so eintraf wie geplant, sei es wichtig gewesen, den jeweiligen Businessplan zu haben. "So wurden wir gezwungen, uns über unsere Ziele Gedanken zu machen." Erst so sehe man, welche Anpassungen nötig seien, damit das Unternehmen am Ende ein Erfolg werde. Das bedeutet aber auch: Man muss Mut zu Fehlern haben und zum Unfertigen. Kühr rät deshalb: "Auch wenn noch nicht alles steht: Geht raus und sprecht über eure Idee!"

"Auch wenn noch nicht alles steht: Geht raus und sprecht über eure Idee!"
Stephan Kühr, Gründer

Kühr und seine Mitstreiter haben ihre zum Beispiel in der Forschungs- und Innovationshalle auf der Cebit und bei der Hannover Messe präsentiert. Die Plattform stand damals noch gar nicht, Kontakte zu späteren Kunden wie Siemens, Daimler und Continental sind trotzdem entstanden. Manchmal kamen Firmen auf das Start-up zu, manchmal war es andersherum. "Mit Siemens hatten wir schon vorher ein Treffen auf der Messe vereinbart, das ging problemlos", sagt Kühr.

Was dem Start-up ebenfalls half, waren Förderprogramme und Preise, von denen es mittlerweile eine fast unüberschaubare Menge gibt. "Man sollte so viel wie möglich mitnehmen", rät Kühr. Sie selbst bekamen das Exist-Stipendium vom Bundeswirtschaftsministerium, außerdem eine Auszeichnung beim Gründerpreis IKT Innovativ, genauso wie beim Wettbewerb Land der Ideen und beim Start-up-Wettbewerb Idea Challenge. Nicht nur Geld kam so rein, sondern auch Aufmerksamkeit, Sachpreise, und Beratungsangebote. Durch das Exist-Stipendium durften sie zum Beispiel im Centre for Entrepreneurship der TU Berlin ein Jahr lang ein Büro kostenlos nutzen. Außerdem gab es eine Beratung zur Finanzierung und zum Geschäftsmodell sowie zahlreiche Veranstaltungen, bei denen sie auf Investoren und erfahrene Gründer trafen. "Sehr gelohnt hat sich für uns zum Beispiel der Produktpropeller", sagt Kühr. Dabei diskutieren Gründer in der Startphase ihr Geschäftsmodell einen Tag lang mit drei Branchenexperten. Bei dieser Gelegenheit lernten sie einen ihrer späteren Investoren kennen.

Verbiegen dürfe man sich aber nicht – weder für Preise noch für Förderprogramme, findet Kühr. Diese Erfahrung machten die Gründer von 3yourmind bei einem EU-Programm, das die Forschung am 3-D-Druck unterstützte. Sie hatten viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt und sich am Ende doch nicht beworben. "Wir haben einfach festgestellt, dass wir eben nicht forschen wollen, sondern eine Plattform betreiben." Ihre Ziele diesbezüglich sind hochgesteckt: "Wir wollen die Standardplattform für 3-D-Druck werden", sagt Kühr und träumt von einer Million Nutzer täglich. Ein Foto des Hotelmodells mit den eingeknickten Wänden hat es übrigens in die Kundenpräsentation geschafft – als schlechtes Beispiel.

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