Ein Unternehmensberater über das berufsbegleitende Studium

ZEIT Campus: Herr Müller, Sie haben neben Ihrem Beruf als Unternehmensberater auch Management und Personalentwicklung studiert. Was sind die Vorteile von berufsbegleitenden Studiengängen?

Frank Müller: Sie sind vor allem für junge Menschen sinnvoll, die gleichzeitig lernen und Berufserfahrung sammeln wollen. Auch für Selbstständige bieten sie sich an, weil sie ihre Zeit flexibler einteilen können. Ebenso für diejenigen, die für eine Familie verantwortlich sind, da man für seine Kinder eher eine Betreuung findet, als wenn man jeden Tag studieren würde. Ein berufsbegleitender Master ist aber nicht für jeden das Richtige.

ZEIT Campus: Warum nicht?

Müller: Das Studium neben dem Job ist ein Balanceakt. Wer es auf sich nimmt, muss sich oft entscheiden, ob er sich stärker auf den Job konzentriert oder auf das Studium. Jemand, der sich das nicht zutraut und am Ende vielleicht beides nicht schafft, für den ist ein Vollzeitstudium besser. Das gilt auch, wenn man einen sehr spezialisierten Beruf hat, etwa ein Ingenieur, der an einem Projekt arbeitet und jeden Tag präsent sein muss.

ZEIT Campus: Wie bringt man Studium und Arbeit denn am besten unter einen Hut?

Müller: Es hilft, wenn man sich einen Wochenplan macht, in dem man Zeiten festlegt für Vorlesungen, Arbeit, Familie und auch für sich selbst. Dann kann man sehen: Wo sind Zeitfenster, in denen ich lernen kann? Im Zug, in der Mittagspause, frühmorgens oder abends? Und man sollte keinen übertriebenen Perfektionismus an den Tag legen. Es hat auch mit charakterlicher Reife zu tun, zu sagen, die Hausarbeit ist nicht perfekt, aber sie ist wenigstens fertig.

ZEIT Campus: Dann ist vor allem gutes Zeitmanagement gefragt?

Müller: Richtig. Das Studium kann sehr belastend sein, für Partner, Kinder, Freunde und auch für die Kollegen. Man kann es aber auch ein wenig strecken. Normalerweise dauert ein berufsbegleitender Master 18 bis 36 Monate. Eine etwas längere Studienzeit schadet jedoch nicht, wenn man sie denn gut begründen kann. Die Hochschulen versuchen außerdem, sich an das knappe Zeitbudget ihrer Studenten anzupassen.

ZEIT Campus: Inwiefern?

Müller: Sie bieten Fernstudiengänge an, darunter reine Online-Studiengänge oder eine Kombination aus Präsenz- und Fernstudium, das sogenannte Blended Learning. Bei manchen Programmen geht man nur abends und am Wochenende in die Uni. Sehr beliebt sind auch Blockveranstaltungen mit ein paar Wochen Abstand. Wer in Führungspositionen arbeitet und noch weniger Zeit hat, weiß das zu schätzen.

ZEIT Campus: Welche Lernform ist die beste? Und wie findet man das heraus?

Müller: Es kommt darauf an, was für ein Lerntyp man ist. Es gibt typische Autodidakten, für die bietet sich ein Fernstudiengang an. Da muss man aber sehr diszipliniert sein. Für diejenigen, die in Gruppen besser lernen können und gerne direkt Rückfragen stellen, wenn sie neuen Stoff hören, ist ein Kurs mit Präsenzphasen besser.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 2/2016

ZEIT Campus: Was sollte man neben den verschiedenen Studienmodellen bei der Auswahl eines Studiengangs noch beachten?

Müller: Man muss sich fragen, ob man im gleichen Job bleiben und sich rein fachlich weiterbilden will oder einen Karrierewechsel anstrebt. Für den ersten Fall ist ein rein fachlicher Studiengang das Beste. Für den zweiten könnte auch ein MBA, also ein Master of Business Administration, sinnvoll sein. Er ist nicht so stark auf Fachwissen ausgelegt, sondern vermittelt vor allem Managementfähigkeiten.

ZEIT Campus: Berufsbegleitende Master können bis zu 20.000 Euro kosten, MBAs sogar fast 60.000. Können Studierwillige bei solchen Gebühren auf die Unterstützung ihrer Arbeitgeber setzen?

Müller: Das ist eine Frage der Unternehmenskultur. Es gibt aber Studiengänge, die sehr gut zur momentanen Tätigkeit und damit auch zum Unternehmen passen. Die meisten Arbeitgeber wissen das zu schätzen und fördern es, indem sie sich an Studiengebühren oder an den zusätzlichen Kosten für Fahrten oder Bücher beteiligen.

ZEIT Campus: Bekommt man fürs Lernen auch freie Tage?

Müller: Unternehmensberatungen bieten oft von vornherein an, eine Auszeit zu nehmen. Für Prüfungen oder Blockveranstaltungen wird man meistens freigestellt. Manchmal kann man seine Arbeitsstunden reduzieren.

ZEIT Campus: Muss man dafür eine Gegenleistung erbringen?

Müller: Unternehmen haben die legitime Erwartung, für ihre Unterstützung auch etwas zurückzubekommen. Etwa, dass der Absolvent sich nach dem Abschluss für eine gewisse Zeit zum Bleiben verpflichtet und sein neues Wissen an Kollegen weitergibt. Einige Studenten nutzen den MBA gezielt für eine berufliche Neuorientierung. In diesem Fall sollte man sich gut überlegen, ob man den Arbeitgeber vorm Studium informiert. Denn verpflichtet ist man dazu nicht. Man muss nur dafür sorgen, dass man seine Arbeitsleistung während des Studiums trotzdem noch bringt.