Vier Möglichkeiten, um das Gap-Year sinnvoll zu nutzen

Berufserfahrung

Nach dem Bachelor weiß nicht jeder gleich, wie es weitergehen soll. Viele nehmen deshalb eine Auszeit, zum Beispiel für ein Praktikum. Wer noch unsicher ist, was und wo er später arbeiten möchte, kann so herausfinden, ob Job und Branche zu ihm passen. Ein Vorteil des Praktikums nach dem Bachelor ist die gesicherte Bezahlung. Wenn es nicht im Studium vorgeschrieben ist und länger als drei Monate dauert, bekommen Praktikanten den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Einige Arbeitgeber haben spezielle Angebote für die Lückenfüller, zum Beispiel das Gap-Year-Programm von McKinsey, Henkel und drei weiteren Unternehmen. Die Teilnehmer können zwei bis drei vergütete Praktika machen und an einem sozialen Projekt mitarbeiten. Ein ähnliches Angebot gibt es vom Stipendiennetzwerk E-Fellows. Zukünftige Arbeitgeber schätzen die dabei gewonnene Berufserfahrung. Wer ein Praktikum im Ausland anstrebt, findet beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und den Arbeitsagenturen Hilfe und manchmal auch finanzielle Unterstützung. Darüber hinaus gibt es Erasmus+ von der Europäischen Union oder das vom DAAD aufgelegte Carlo-Schmid-Programm, das Praktika in internationalen Organisationen und EU-Institutionen ermöglicht. Ein Blick auf die Praktikumsausschreibungen von Goethe-Instituten, deutschen Botschaften und Außenhandelskammern sowie der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) lohnt sich ebenfalls. Einen Überblick bietet die Broschüre "Wege ins Auslandspraktikum" des DAAD, zu finden unter bit.ly/campus_prak-aus.

Ehrenamt

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 2/2016

Engagement kann man zum Beispiel im Bundesfreiwilligendienst unter Beweis stellen. Kinderheime, Sportvereine oder ökologische Projekte stellen die sogenannten "Bufdis" ein. Der Dienst dauert in der Regel ein Jahr, als Lohn gibt es ein Taschengeld von maximal 372 Euro monatlich. Man bewirbt sich direkt bei der Einsatzstelle. Ähnlich funktionieren das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr (FSJ oder FÖJ). Die Teilnehmer dürfen aber höchstens 26 sein und müssen in Vollzeit arbeiten. In Deutschland werden derzeit besonders viele FSJler für die Flüchtlingshilfe gesucht. Die Dienste können aber auch im Ausland geleistet werden. Der Internationale Jugendfreiwilligendienst ist ein ähnliches Programm für Engagierte. Damit fördert das Bundesfamilienministerium Auslandseinsätze, die in der Regel ein Jahr dauern. Junge Leute zwischen 17 und 30 Jahren können sich auch im Europäischen Freiwilligendienst (EVS) engagieren. Sie arbeiten zwei Monate bis ein Jahr lang in Projekten in Europa, Nordafrika oder Zentralasien. Die EU und die beteiligten Organisationen übernehmen die Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Taschengeld, Versicherung, Sprachkurs, Vorbereitungsseminar und Fahrten vor Ort, außerdem einen Teil der Reisekosten. Die Teilnehmer arbeiten 30 bis 35 Stunden pro Woche. Das offizielle Portal für deutsche Interessenten findet man auf der Webseite bit.ly/campus_go4eu. Auf Bio-Bauernhöfen auf der ganzen Welt kann man mithilfe der Organisation WWOOF Arbeit finden. Manche Hochschulen bevorzugen Bewerber mit sozialem Engagement.

Reisen

Wer sich in der Fremde durchschlägt, beweist Durchhaltevermögen – das gefällt Arbeitgebern. Wer nur reisen will, muss vorher schon Geld sparen, um die Kosten zu decken. Eine Alternative sind Work-and-Travel-Programme, bei denen man sich das Reisebudget unterwegs verdient, zum Beispiel als Kellner, Skilehrer oder Erntehelfer. Australien, Kanada und Neuseeland vergeben für ein Jahr Working-Holiday-Visa für Menschen zwischen 18 und 30 Jahren (Kanada: bis 35 Jahre). Man muss ein Budget von etwa 1.600 bis 3.100 Euro sowie ausreichende Mittel für ein Rückflugticket nachweisen. Auch Chile, Japan, Südkorea, Hongkong und Taiwan bieten ähnliche Visa an. EU-Bürger dürfen ohnehin in jedem Land der Europäischen Union arbeiten. Mehr Informationen auf bit.ly/campus_wotra.

Sprache lernen

Wer eine Auszeit nimmt, kann eine Fremdsprache dort lernen, wo sie tatsächlich gesprochen wird: im Ausland. Neben Sprachreisen gibt es Gap-Year-Programme von bis zu neun Monaten. Sprachschulen in englischsprachigen Ländern bereiten oft auf internationale Tests vor, wie den TOEFL oder das IELTS. Wer bereits sehr gut Englisch spricht, kann an amerikanischen Hochschulen auch akademische Kurse belegen. Einen Überblick über die verschiedenen Angebote gibt es auf bit.ly/campus_vergl. Eine Alternative zum Sprachenlernen ist der Au-pair-Aufenthalt, bei dem man sechs bis zwölf Monate in einer Gastfamilie lebt und sie bei der Betreuung der Kinder und im Haushalt unterstützt. In dazugehörigen Sprachkursen, aber auch im Familienalltag lernt man so die Sprache.