Wer im Studium schon auf Kostümdesigner, Innenarchitekten und Grafiker trifft, lernt mehr als in einem Marketingseminar. Und am Theater vielleicht mehr als im Master.

Für wen lohnt sich der Master?

Ein Universitätsabschluss hat in der Kreativwirtschaft eine geringere Bedeutung als in anderen Berufszweigen. Mit einer Ausnahme: Wer eine akademische Karriere anstrebt, für den ist der Master Pflicht. Ansonsten kann man mit viel praktischer Erfahrung bei Bewerbungen und vor allem in der Selbstständigkeit mehr punkten als mit einem Master.

Es gibt allerdings auch für Kreative gute Gründe, einen Master zu machen. "Viele Kreative haben ständig neue Ideen. Es ist aber wichtig, eine Idee auch in die Realität zu tragen", sagt Gunnar Spellmeyer, Professor für Industrial Design an der Hochschule Hannover. "Im Master lernt man daher, wie man durch gute Konzeption Ideen weiterentwickelt und andere davon überzeugt, anstatt ständig der nächsten neuen Idee hinterherzurennen." Denn im Arbeitsleben komme es nicht nur auf das schönste Design an, sondern auch darauf, wie gut man es vermittelt. An vielen Hochschulen kann man zudem teures Material wie Fotoleuchten und Videokameras umsonst nutzen und sich so weiter ausprobieren.

"Wer eine feste Stelle anstrebt, sollte bedenken, dass ein Masterabschluss auch der Reputation dient und den Einstieg deshalb erleichtern kann", sagt Dirk Kiefer, Leiter des Bayerischen Zentrums für Kultur- und Kreativwirtschaft. Ein weiterer Pluspunkt: Im öffentlichen Dienst, beispielsweise in einem staatlichen Museum, verdient man mit einem Masterabschluss mehr. Hinzu kommt, dass Masterstudenten sich noch etwas auf den Berufsalltag vorbereiten können. "In den meisten Fällen arbeitet man frei oder in sehr kleinen Unternehmen. Das bedeutet, man hat fast keine Eingewöhnungsphase und muss sofort liefern", sagt Dirk Kiefer. Dafür müsse man sich bereit fühlen. Ein Master kann dabei helfen, sei aber keine Pflicht. Praktika und Zusatzausbildungen könnten Kreative oft genauso gut darauf vorbereiten.

Worauf muss man im Studium achten?

Wer in der Kreativwirtschaft erfolgreich sein will, muss nicht nur künstlerisch begabt sein. "Zusätzlich sollte man auch in den Bereichen Kommunikation, Management und Technologie etwas draufhaben", sagt Dirk Kiefer. Zwar könne man später im Team arbeiten und so beispielsweise bei einer App-Entwicklung nur die kreative Konzeption übernehmen und Marketing und Programmieren anderen überlassen. "Besser ist es aber, wenn man selbst zumindest gewisse Kompetenzen in diesen Bereichen hat", so Kiefer. Deswegen sollte man bei der Masterwahl immer überlegen: Was kann man schon gut, und wo hapert es noch? Viele Hochschulen bieten Kurse an, in denen man an seinen Schwächen arbeiten und zum Beispiel besser Kommunizieren lernen kann.

Auch die Persönlichkeitsbildung sei für Kreative wichtig, sagt Gunnar Spellmeyer. An der Hochschule Hannover gibt es daher im Master Design und Medien zum Beispiel Seminare zum Thema "Umgang mit Unsicherheit". Kunst ist ein sehr persönliches Produkt, Kritik oder schlechte Verkaufszahlen können am Selbstwert nagen. Damit muss man umgehen lernen.

Wer einen Masterplatz sucht, sollte sich nicht nur den Studienplan genau anschauen, sondern auch die allgemeinen Angebote der Fakultät. So gibt es zum Beispiel in Oldenburg und Osnabrück Prototyp-Partys, bei denen man seine kreative Arbeit anderen Studenten vorstellt und Feedback bekommt. Wichtig ist außerdem, ob und wie gut die Hochschule mit möglichen Arbeitgebern vernetzt ist.

Wann ist ein fachfremder Master sinnvoll?

Die Kreativbranche lebt von ihrer Interdisziplinarität. Wer einen kreativen Masterstudiengang wie Design studiert, wird deshalb schon im Studium auf Kostümdesigner, Innenarchitekten oder Grafiker treffen. Das ist auch gewollt, denn verschiedene Denkansätze bereichern sich. Einen völlig fachfremden Masterstudiengang zu wählen, wie zum Beispiel Marketing, sollte man sich genau überlegen. "Solche Wirtschaftsmaster sind nie auf Kreative zugeschnitten", sagt Gunnar Spellmeyer. Er rät eher zu einem Kreativmaster mit Wirtschaftsseminaren.

Auch die Zulassungsvoraussetzungen zu fakultätsfremden Studiengängen sind für Kreative oft schwer zu erfüllen. Wer dennoch einen Wirtschaftsmaster anstrebt, sollte versuchen, sich für solche zu bewerben, die auch auf eine Geschäftsgründung vorbereiten, wie zum Beispiel den Master "Innovation Management and Entrepreneurship" an der TU Berlin. In Studiengängen zu "Kulturmanagement" lernt man die Organisation im Kultursektor.

Welche Alternativen zum Master gibt es?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 2/2016

Zunächst sollte man sich gut überlegen, ob man den Master direkt nach dem Bachelor absolvieren will. "Ich halte es für einen Vorteil, wenn man vor dem Master erst mal zwei oder drei Jahre gearbeitet hat", so Dirk Kiefer vom Bayerischen Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft. Das könne entweder freiberuflich sein oder fest angestellt in zeitlich begrenzten Projekten. "Mit dieser Erfahrung kann man viel besser einen geeigneten Master wählen, weil man dann eher weiß, was man will, und vom Studium am allermeisten profitiert", sagt Kiefer.

Wer sich doch fürs Weiterstudieren entscheidet, aber auf Anhieb keinen passenden Master findet, kann stattdessen auch einen zweiten Bachelor anstreben. "Zwei Bachelor versprechen Kenntnisse in zwei verschiedenen Bereichen. Diese interdisziplinäre Kompetenz kann einen auf jeden Fall voranbringen", sagt Dirk Kiefer. Im Kreativbereich sei eine breite Ausbildung hoch angesehen.

Wer dagegen ganz sicher nicht mehr wissenschaftlich arbeiten und sich stattdessen voll auf sein kreatives Schaffen konzentrieren möchte, kann sich zum Jobeinstieg nach Künstlerstipendien umsehen. Auch ein Auslandsaufenthalt, am besten verbunden mit einem Praktikum, kann helfen. "Es ist ideal, sich früh zu vernetzen, schließlich werden die Märkte auch im Kreativbereich immer internationaler", sagt Dirk Kiefer, "da bekommen Kreative viele Anregungen, weil Arbeitskollegen in anderen Ländern eine ganz andere Sicht auf die Dinge haben." Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) bietet dafür Künstler- und Musikerstipendien an.

Zwei Studentinnen erzählen

"Der Brief mit der Einladung zum Gespräch ist zuerst nicht bei mir angekommen"

"Nach meinem Bachelorabschluss habe ich ein halbes Jahr lang intensiv beim Tanztheater in Leipzig für ein neues Stück trainiert. Vorher habe ich auch schon im Ensemble getanzt und an einem Stück dramaturgisch mitgewirkt. Das habe ich irgendwie gebraucht, bevor ich wieder wissenschaftlich und theoretisch arbeiten konnte, denn wir beschäftigen uns im Studium zwar mit Performance, aber wir performen nicht selbst. Auf den Masterstudiengang hat mich eine Dozentin aufmerksam gemacht. Die Stadt Bayreuth war mir eigentlich zu klein, aber mittlerweile schätze ich die Vorteile: Man kann sich auf das Studium konzentrieren, und die kreative Szene ist eng zusammen.

Außerdem haben mich die Aufnahmeverfahren beim Master Dramaturgie in Hamburg und Frankfurt abgeschreckt. In Bayreuth musste ich nur ein Motivationsschreiben schicken und zu einem Auswahlgespräch kommen. Der Brief mit meiner Einladung ist zuerst nicht bei mir angekommen, da war ich schon aufgeregt, weil ich keinen Plan B hatte, aber zum Glück hat es noch geklappt. Ich finde es toll, dass hier so viele unterschiedliche Leute studieren: Musikwissenschaftler, Toningenieure, Pädagogen und Wirtschaftswissenschaftler. Jeder bringt immer wieder neue Perspektiven ein. Mittlerweile habe ich mich auch daran gewöhnt, dass ich viel mehr Hausarbeiten schreiben muss als in meinem praxisorientierten Bachelor. Vielleicht möchte ich später noch promovieren, aber direkt nach dem Master gehe ich erst einmal in die Theaterpraxis zurück: Ich möchte gern dramaturgisch arbeiten und vielleicht ein Volontariat am Theater machen."

"Wäre ich nicht genommen worden, hätte ich mich noch einmal beworben"

"Mein Bachelorstudium kam mir ziemlich kurz vor, deshalb war mir schnell klar, dass ich im Anschluss einen Master machen will. Da ich mein Fachgebiet noch erweitern wollte, habe ich mich für Kommunikations- und Produktdesign in Aachen beworben. Diesen interdisziplinären Studiengang gibt es so nur hier, deshalb habe ich mich ganz auf die eine Bewerbung konzentriert. Das Auswahlverfahren war sehr aufwendig. Ich musste eine Projektskizze abgeben. Dazu habe ich ein Ausstellungsdesignprojekt zum Thema Chronobiologie geschrieben, in dem didaktisch der Rhythmus des menschlichen Körpers erklärt wird. Das war wahnsinnig viel Recherchearbeit. Fast ein halbes Jahr vor der Abgabefrist habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen. 

Wäre ich nicht genommen worden, hätte ich wahrscheinlich ein halbes Jahr Praktika gemacht, zum Beispiel in der Raumgestaltung, und mich dann wieder beworben. Das Masterstudium verläuft jetzt schon anders als mein Bachelor; einfach weil mit Produktdesign ein ganz neuer Bereich dazugekommen ist. Aber auch die Art des Studierens ist anders: Im Bachelor waren wir 120 Leute im Semester, jetzt sind wir im Schnitt zu fünft. Da sind natürlich auch die Kontakte zu den Dozenten viel intensiver. Was ich danach machen will, weiß ich noch nicht genau. Aber gerade will ich auch gar nicht so weit denken, sondern mich voll auf meinen Abschluss konzentrieren. In meiner Masterarbeit will ich bald ein Wearable-Konzept entwickeln, das Körperdaten aufzeichnet und gesundheitsfördernde Verhaltenstipps nach Erkenntnissen der Chronobiologie gibt."

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