Worauf achten Arbeitgeber?

Für wen lohnt sich ein Masterstudium?

"Wer in seinem Berufsleben eine Führungsposition oder Managementverantwortung anstrebt, für den ist der Master oft die bessere Wahl", sagt Nicole May, die an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Hannover das Studiendekanat leitet. Im Masterstudium lerne man, wie man ein Projekt plant, es eigenständig umsetzt und die gesteckten Ziele in einem vorgeschriebenen Zeitraum erreicht. "Das lässt sich später auch auf das Arbeitsleben übertragen", sagt May. Allerdings haben sich die Entwicklungsperspektiven beider Abschlüsse angenähert. In der Staufenbiel-Studie "Job-Trends 2015" gaben 65 Prozent der Firmen an, der Abschluss habe keinen Einfluss auf die Aufstiegschancen, im Vorjahr waren es noch deutlich weniger. "Grundsätzlich sind bei uns die Einstiegsmöglichkeiten sowohl für Master- als auch für Bachelorabsolventen in den Wirtschaftswissenschaften gleich. Es hängt vor allem vom individuellen Gesamtprofil und nicht vom akademischen Grad der Bewerber ab, ob sie zu uns passen oder nicht", sagt auch Alexandra Büßer, Personaldirektorin beim Konsumgüterkonzern Unilever. Für Bachelorstudenten sind die Verdienstchancen nicht schlecht: Laut einer Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) verdienen 63 Prozent der Bachelorabsolventen zwischen 30.000 und 40.000 Euro jährlich beim Berufseinstieg. Für Masterabsolventen liegen die Einstiegsgehälter meist höher, doch das sollte nicht ausschlaggebend bei der Entscheidung für oder gegen das Masterstudium sein. "Wer sich im Bachelor schwergetan hat, insbesondere in Bezug Zeitmanagement und Selbstorganisation, für den wäre es vielleicht besser, nach dem Abschluss den Berufseinstieg zu wagen", sagt Nicole May von der Universität Hannover.

Soll ich sofort weiterstudieren?

Wer den Master direkt an den Bachelor anschließt, hat das Fachwissen noch präsent. "Der Master baut auf dem Bachelor auf, die Inhalte werden auf verschiedenen Ebenen weitergeführt und vertieft. Da ist es natürlich von Vorteil, wenn man das Wissen aus den vorigen Semestern leichter abrufen kann", sagt Nicole May von der Universität Hannover. Wer im Bachelor zum Beispiel viel zu den Themen Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung belegt habe, könne in Hannover den Schwerpunkt Accounting & Taxation wählen. "Das wäre ein klarer Weg", so May.

Es gibt jedoch auch Argumente für eine Pause vom Studium. Wer sich beispielsweise noch nicht sicher ist, was für einen Master er wählen möchte, oder noch kein klar umrissenes Berufsbild hat, sollte sich für diese Entscheidung ruhig Zeit nehmen. Eventuell bringt ein Praktikum dann mehr als eine vorschnelle Studienwahl. Hinzu kommt, dass Arbeitserfahrung immer wichtiger für einen erfolgreichen Berufseinstieg geworden ist. Auch dafür kann man eine Unterbrechung des Studiums nutzen. "Uns ist es wichtig, dass die Bewerber praktische Erfahrung mitbringen", sagt Alexandra Büßer von Unilever, "Wenn sie dafür ein oder zwei Semester länger studiert haben, stört uns das nicht weiter."

Soll ich mich spezialisieren?

Grundsätzlich gilt: Je sicherer man sich ist, in welchem Bereich man später arbeiten möchte, desto sinnvoller ist eine Spezialisierung. Das gilt beispielsweise für Studenten, die eine Karriere im Bereich Forschung und Entwicklung oder eine Promotion anstreben. Wenn man ins Personalwesen einsteigen will, lohnt sich etwa ein wirtschaftspsychologischer Master. Wer unbedingt ins Ausland gehen möchte, sollte Studiengänge wie International Business im Blick haben, die Praktika in den entsprechenden Wunschländern vorsehen. Hat man sich bereits einen spezialisierten Master ausgesucht, sollte man außerdem rechtzeitig bei den Unternehmen nachhören, ob der entsprechende Bedarf besteht. "Wir suchen vor allem für die Bereiche Marketing, Finance, Human Resource Management oder Supply Chain angehende Führungskräfte", sagt Alexandra Büßer von Unilever.

Auf der anderen Seite stünden sie jedoch auch allen Absolventen aufgeschlossen gegenüber, die so eine Spezialisierung eben nicht haben. Deshalb raten Experten den Betriebs- und Volkswirtschaftsstudenten eher dazu, einen breit angelegten Master zu machen. "Wer sich zu stark spezialisiert, ist später bei der Jobsuche eingeschränkter als seine Konkurrenten", sagt Nicole May von der Uni Hannover. "Außerdem bietet auch ein generalistischer Studiengang mehrere Vertiefungsmöglichkeiten. Merkt man dann, dass einem ein bestimmtes Thema doch nicht so liegt, fällt ein Wechsel viel leichter."

Worauf achten die Arbeitgeber?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 2/2016

Die Personalberatung Staufenbiel hat Unternehmen direkt gefragt. Das Ergebnis: 86 Prozent der Firmen erwarten, dass Absolventen einschlägige Praktika gemacht haben. 73 Prozent verlangen zudem Englischkenntnisse und 70 Prozent außeruniversitäre Erfahrung. Jede zweite Firma möchte zudem, dass die Berufsanfänger einige Zeit im Ausland verbracht haben. Neben Praktika sind soziale Kompetenzen für Wirtschaftswissenschaftler besonders wichtig. "Die meisten Arbeitgeber wollen sehen, dass die Bewerber team- oder kritikfähig sind und interkulturelle Erfahrung mitbringen. Außerdem sollten sie Kenntnisse in Projektarbeit oder Präsentationen besitzen", sagt Nicole May. Viele Universitäten haben Angebote, bei denen Studenten diese Fähigkeiten trainieren können.

Bestnoten in der Regelstudienzeit werden dagegen nicht immer erwartet. "Uns fallen Studenten auch positiv auf, wenn sie sich in Studentenkooperationen oder Vereinen engagieren. Die Persönlichkeit ist uns bisweilen wichtiger als der Notendurchschnitt", sagt Alexandra Büßer von Unilever. Wem noch die richtigen Wirtschaftskontakte fehlen, der kann seine Masterarbeit in einem Unternehmen schreiben. Dabei kann man sein Netzwerk erweitern und Theorie und Praxis sinnvoll verknüpfen. All das qualifiziert eventuell für eine Anstellung.