Drei Schritte auf dem Weg zur Entscheidung

Möglichkeiten ausloten

Zurzeit sind mehr als 8.000 Masterstudiengänge beim Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz gelistet. Wer da nicht den Überblick verlieren will, sollte systematisch vorgehen. Am Anfang steht immer die Frage: Was will ich eigentlich? Kenntnisse aus dem Bachelorstudium vertiefen oder eine neue Richtung einschlagen? Meinen wissenschaftlichen Interessen folgen oder auf ein bestimmtes Ziel hinstudieren? Hat man einen Berufswunsch, hilft es zu wissen, was man dafür können muss. "Man sollte zunächst Stellenangebote lesen, schauen, welche Anforderungen dort aufgelistet werden, und dann überprüfen, ob der Studiengang diese Kenntnisse vermittelt", sagt Michael Hümmer, Berufseinstiegsbegleiter der Arbeitsagentur an der Uni Erlangen-Nürnberg. Sinnvoll ist auch, mit jemandem zu sprechen, der schon im Wunschberuf arbeitet. Um Rat fragen kann man auch Kommilitonen oder Professoren. Oder man lässt sich auf Messen wie der Master and More die Vorzüge einzelner Hochschulen erklären. Im Netz gibt es ebenfalls Hilfe. Bei ZEIT ONLINE kann man Studiengänge zum Beispiel nach Kriterien wie Ort oder Studiendauer durchsuchen; das Projekt Masterwiki zeigt dagegen an, welche Wege andere Absolventen mit demselben Bachelorabschluss eingeschlagen haben. Bei Bewertungsportalen im Netz ist Vorsicht geboten. "Viele Absolventen bewerten ihre Hochschule im Nachhinein als gut, um den eigenen Abschluss nicht zu schwächen", sagt Milan Klesper, der mehrere Studiengangsdatenbanken betreibt.

Favoriten wählen

Wenn man eine Vorauswahl getroffen hat, die man weiter einschränken möchte, hilft ein Blick in die Studienordnung und das Modulhandbuch der jeweiligen Studiengänge. Dort erfährt man mehr über die Zulassungsvoraussetzungen. Viele Hochschulen verlangen einen bestimmten Bachelor oder eine gewisse Zahl an Leistungspunkten, dazu kommen Sprachnachweise oder spezielle Tests. Wie lange die Regelstudienzeit ist und ob Zeit für Praktikum oder Auslandssemester bleibt, steht im Studienverlaufsplan. Im Master können Studenten ihre Fächer meist etwas freier wählen als im Bachelor. Aber egal, ob man einen besonders vielseitigen Studiengang oder einen hoch spezialisierten sucht, das Vorlesungsverzeichnis erklärt ganz konkret, welche Fächer belegt werden können und was man dabei lernt. Eine große Hochschule verspricht dabei nicht zwangsläufig eine größere Auswahl, stattdessen kommt es auf den Fachbereich an, auf die Zahl der Institute und Dozenten. Die Forschungsschwerpunkte eines Professors geben zudem Hinweise darauf, über welche Themen er sprechen wird. Berater Michael Hümmer von der Arbeitsagentur empfiehlt außerdem, auf den Internetseiten des Fachbereichs nachzusehen, ob und welche Unternehmen und Arbeitgeber dort genannt werden. "Daran sieht man, wie gut die Fachbereiche in der Wirtschaft vernetzt sind, und kann abschätzen, bei welchen Unternehmen Praktika, Abschlussarbeiten oder gar der Berufseinstieg möglich sind", sagt Hümmer. Auch der Career-Service vieler Fachbereiche könne helfen, die Jobchancen einzuordnen.

Universität besuchen

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 2/2016

Den besten Eindruck bekommt man von einer Uni, wenn man einmal selbst über den Campus spaziert ist. Viele Hochschulen bieten deshalb Besuchertage, einen Tag der offenen Tür, regelmäßige Campusführungen oder Vorträge für Studieninteressierte an. Dabei kann man sich nicht nur die Institute genauer anschauen, die den Masterstudiengang anbieten. Idealerweise können sich die Gäste auch probehalber in eine Vorlesung setzen und kommen danach mit Dozenten und Studenten ins Gespräch. Von den zukünftigen Kommilitonen bekommt man oft die besten Geheimtipps: Bei welchem Professor sind die Vorlesungen interessant und die Prüfungen fair? Wie ist die Betreuung? Und wo gibt es den besten Kaffee? Wenn es nicht möglich ist, eine Veranstaltung zu besuchen, können die Institute ebenfalls Kontakte zu Studenten oder Alumni vermitteln. Direkte Eindrücke von Studenten gibt es zudem in Facebook-Gruppen der Masterprogramme oder in Onlineforen der Uni. Ungeschönte Informationen aus Studentensicht liefern meist auch die Fachschaften. Hier kennt man die alltäglichen Probleme der Studenten aus erster Hand. Die offizielle Studienfachberatung der Hochschule kann dagegen bei organisatorischen Fragen helfen, etwa wie eine mögliche Bewerbung fürs Auslandssemester funktioniert oder ob man auch wirklich die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt. Nicht zuletzt kann man vor Ort auch den Studentenalltag testen. Denn wenn man schon die nächsten zwei Jahre dort verbringen will, muss auch das Drumherum stimmen. Wie schmeckt’s also in der Mensa? Wie weit sind die Wege auf dem Campus, und wie steht es mit dem öffentlichen Nahverkehr? Wie ist die Atmosphäre – anonym oder familiär? Und wie wichtig ist mir das? Welche Aktivitäten gibt es außerhalb des Studiums, und wo kann man gut ausgehen? "Man sollte sich auch gut überlegen, ob man es an einer ländlichen Hochschule mit wenig Studentenleben aushält oder ob man eine Großstadt braucht", sagt Milan Klesper. Großstädte haben den Vorteil, dass es häufiger mehr Jobs für Studenten gibt. Damit hat man auch gleich bei lokalen Unternehmen einen Fuß in der Tür.