Laura: So habe ich das überhaupt nicht in Erinnerung. Eher, dass ich mich über meinen ersten Job beschwert habe, bei dem ich mich nicht ausbeuten lassen wollte. Das sehe ich immer noch so. Für mich hat Geldverdienen auch etwas mit Wertschätzung zu tun. Sich ausbeuten zu lassen, finde ich dumm. Und ich glaube, du lässt dich ausbeuten.

Stefanie: Das hast du mir nie gesagt, bis zu unserem Streit. Eskaliert ist es, als wir auf den Geburtstag einer gemeinsamen Freundin wollten. Wir haben uns bei mir getroffen und mussten uns noch ein Geschenk überlegen. Ich hatte vorgeschlagen, dass wir ihr ein Wochenende in einem Spa schenken. Das war dir zu teuer. Das hat mich vor allem so aufgeregt, weil du dir selbst jeden Luxus leistest. Diese riesige Wohnung, eine Spülmaschine, immer das neuste iPhone. Und dann waren dir 50 Euro für ein Geschenk zu viel.

Laura: Du hast mir ins Gesicht geschrien: Deine Geldgeilheit kotzt mich an. Ich war total sprachlos.

"Ja, mir ist es wichtig, viel Geld zu verdienen."
Laura

Stefanie: Das tat mir sofort leid, dass es so aus mir rausgeplatzt ist. Ich konnte mit niemandem darüber sprechen, deshalb hatte sich das irgendwie angestaut. Ich hätte es viel lieber in einem respektvollen Ton angesprochen. Reden konnten wir an dem Abend nicht mehr. Erst ein paar Wochen später.

Laura: Ja, mir ist es wichtig, viel Geld zu verdienen. Ich will mir etwas leisten können und dafür arbeite ich. Ich finde daran überhaupt nichts falsch. Mir ist es wichtig, in meiner freien Zeit ein Zuhause zu haben, in dem ich mich wohlfühle, meine Zeit nicht mit Spülen zu vergeuden oder damit, ständig mein kaputtes Handy austauschen zu müssen. Aber ich würde das nicht als Geldgeilheit bezeichnen, sondern als Unabhängigkeit. So wie du ein unbezahltes Praktikum nach dem anderen zu machen, das würde mich stören. Ich möchte meinen Eltern nicht auf der Tasche liegen.

Stefanie: Ich wünschte, ich könnte schon unabhängiger sein. Mir ist klar, dass das ein großer Luxus ist. Meine Eltern unterstützen mich und nur deshalb kann ich tun, was ich tun möchte. Aber es ist mir eben wichtig und ich glaube, dass ich damit langfristig einen größeren Wert schaffe.

Laura: Na ja, ich finde das viel egoistischer, als sich darum zu kümmern, gut für einen selbst sorgen zu können.

Stefanie: Dieses Argument kann ich jetzt gut nachvollziehen. Aber mir kam es eben so vor, als ginge es dir nur noch um mehr, mehr, mehr. Ich bin im Nachhinein echt froh, dass es so aus mir rausgeplatzt ist. Ich glaube, wir hätten uns sonst vielleicht heimlich still und leise auseinandergelebt.

Laura: Erst einmal war ich wütend und dachte: Mit diesem blöden Hippie muss ich eh nicht mehr befreundet sein. Ich dachte, du gönnst es mir einfach nicht. Oder bist neidisch. Für mich war das nicht so einfach. Jetzt kann ich zugeben, dass mich das ganz schön verletzt hat.

Stefanie: Ich habe viel über unsere Freundschaft nachgedacht, aber auch darüber, ob es völlig normal sein könnte, dass man sich mit manchen Freunden auseinanderlebt. Aber ich wollte gleichzeitig niemand sein, der sich wegen Geldsachen streitet. Gerade ich will ja Geld keine so große Bedeutung geben und dann hat es doch so einen Einfluss.

Laura: Ich glaube, das ist der Unterschied. Dich stresst Geld am Ende viel mehr als mich.

Stefanie: Das stimmt nicht, ich achte wirklich nicht aufs Geld, auch wenn mir jemand etwas schuldet. Aber ich muss noch lernen, dass es mir nicht zusteht, anderen vorzuschreiben, wie wichtig ihnen Geld ist.