Laura und Stefanie waren mal beste Freundinnen und jobbten für 6,50 in der Eisdiele. Heute verdient Laura etwa vier Mal so viel wie Stefanie. Über Freundschaft und Geld

Stefanie, 26, macht gerade ein Praktikum in einer NGO. Danach will sie für ein halbes Jahr ins Ausland und hofft, nach ihrer Reise von der NGO übernommen zu werden. Momentan erhält sie ein Praktikumsgehalt, von dem sie nicht allein leben kann. Wie viel sie später mal verdienen wird, weiß sie nicht.

Laura, 26, hat erst ein Jahr bei einem Mittelständler gearbeitet und ist seit einem halben Jahr bei einer Unternehmensberatung. Sie verdient etwa 50.000 im Jahr. Beide sind zufrieden mit ihrer Stelle und möchten lieber nicht erkannt werden. Dass ihre Freundschaft beinahe an einem Streit über Geld zerbrochen wäre, sollen ihre Kollegen nicht wissen.  

Stefanie: Geld hat schon immer eine Rolle in unserer Freundschaft gespielt. Nur habe ich das früher nicht so wahrgenommen, aber immerhin haben wir zwei Jahre lang zusammen Geld verdient, 6,50 Euro die Stunde, hinter dem Tresen in der Eisdiele. Es war unser erstes eigenes Geld, für uns beide aufregend.

Laura: Früher konnten wir uns zusammen darüber freuen, wenn uns jemand besonders viel Trinkgeld gegeben hat. Im Prinzip ist das doch nichts anderes als ein Bonus. Heute findest du es scheiße, dass ich mich über Boni freue.

Stefanie: So habe ich das nie gesehen. Der Job war für mich damals etwas anderes, da ging es wirklich nur ums Geld verdienen. Und es hat Spaß gemacht, weil wir zusammen arbeiten und auf unsere gemeinsame Türkei-Reise sparen konnten. Aber die Berufswahl jetzt ist für mich nicht nur eine Frage des Geldverdienens, auf Dauer ist es für mich wichtiger zu wissen, dass ich mit meiner Arbeit etwas verändere. Aber da hat das gemeinsame Interesse dann aufgehört.

Laura: Ich habe gespürt, dass unser Kontakt seit der Unizeit weniger geworden ist, aber für mich hatte das überhaupt nichts mit Geld zu tun. Wir haben uns weniger gesehen im Studium, du warst dann auf einmal in München. Ich glaube, wir haben uns auch unabhängig vom Geld entfernt. Andere Freunde, neue Hobbys.

"Wir hatten plötzlich nichts mehr zu reden, weil du nur noch von deinem Job geredet hast."
Stefanie

Stefanie: Aber das Problem waren nie andere Freunde oder Hobbys. Du hast schon viel früher angefangen zu arbeiten als ich. Wir hatten plötzlich nichts mehr zu reden, weil du nur noch von deinem Job geredet hast. Nicht einmal von deinem Job, das hätte mich ja noch interessiert, sondern nur darüber, wie viel du verdienst. Oder verdienen willst.