Konstantin Steinitz, 27, war neun Monate lang bei der AfD. Heute ist er Fan von Merkels Flüchtlingspolitik. Stationen einer politischen Reise

Dieser Text ist Teil unserer Serie Jung und konservativ. Bis zur Bundestagswahl gehen wir in Porträts, Leserartikeln, Essays und Interviews der Frage nach, was es heute heißt, jung und konservativ zu sein. Die Serie ist Teil unseres neuen Ressorts #D17, das Deutschland vor der Wahl porträtiert.

Am Anfang Sozi

Wenn mich etwas stört, dann kann ich mich darüber am Tresen aufregen oder aber am Stammtisch einer Partei. Am Stammtisch erzählt es vielleicht jemand weiter. Ich engagiere mich bei Parteien, weil ich daran glaube, so etwas verändern zu können.

Mit 15 bin ich in die SPD eingetreten. Ich fand Schröders "Nein" zum Irak-Krieg gut und auch seine Annäherung an Russland und China. Als Schüler habe ich selbst ein Jahr in China gelebt. Seitdem finde ich den Fokus der deutschen Politik auf die USA ziemlich einseitig. China ist ja eine große Wirtschaftsmacht, ein wichtiges Rad in der Globalisierung, das wird oft vernachlässigt.

Weitere Informationen über das Projekt #D17.

Mit Beginn des Studiums habe ich angefangen, mich stärker für Wirtschaftsfragen zu interessieren. Globalisierung, transnationale Vernetzung, mehr Eigenverantwortung, diese Themen finde ich bei FDP wieder. Überzeugt hat mich aber erst die Enthaltung von Westerwelle bei der Libyen-Intervention. Die finde ich bis heute stark.

Mit 21 Jahren bin ich zur FDP gewechselt. Ich war Pressesprecher und stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Liberalen. Liberal sein verstehe ich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich. Ich habe beispielsweise viele Freunde, die homosexuell sind und ich bin einige Male mit ihnen auf den Christopher Street Day gegangen. 

Dass ich mich zu der Zeit so stark engagiert habe, lag auch daran, dass mein Studium mich nicht besonders gefordert hat. Erst als ich das Studienfach gewechselt habe und dafür nach Erfurt gezogen bin, habe ich mich ein bisschen aus der Politik zurückgezogen. Plötzlich hat mir mein Studium Spaß gemacht und ich wurde Tutor für chinesische Austauschstudenten. So habe ich meine heutige Frau kennengelernt. Sie ist Pianistin und kam als Austauschstudentin aus Xi'an.