Viele junge Mädchen nehmen die Pille, manchmal nur gegen Pickel. Jahre später kämpfen einige mit Folgen, von denen sie nichts wussten. Was zwei Frauen erlebten

Nach zehn Minuten konnte Leonie die Sprechstunde wieder verlassen. Nebenwirkungen für die Pille stünden alle in der Packungsbeilage, sagte ihr Arzt. Leonie hatte im Gesicht immer noch diese Pickelchen und rote Flecken. Wie eine 13-Jährige, fand sie. Dabei war sie doch schon 17. Hoffentlich würde die Haut jetzt schnell besser werden.

Den Beipackzettel sah sie sich kurz an, aber sie hatte noch nie davon gehört, dass irgendwer unter diesen Symptomen litt. Manche ihrer Freundinnen nahmen die Pille schon lange. Und depressive Verstimmungen, Libidoverlust oder Scheidentrockenheit hatte keine von ihnen. Vom Thromboserisiko hatte Leonie schon gehört. Weil ihre Mutter mal ein Blutgerinnsel hatte, hatte der Arzt vorher getestet, ob bei Leonie eine genetische Veranlagung vorlag. Das war nicht der Fall. Am ersten Tag ihrer nächsten Regel schluckte sie die erste Tablette.

Leonies Geschichte hat nicht mehr viel zu tun mit der Revolution von 1960, als die Pille auf den Markt kam und Frauen die Chance gab, endlich Sex zu haben, ohne die Angst, ungewollt schwanger zu werden.

Verhütungsmittel? Egal, Hauptsache die Frau kann es nicht vergessen.

Und während die Pille damals Frauen die Möglichkeit zur Selbstbestimmung gab, so ist es heute fast lästig, wenn sie die Pille nicht nehmen. Eine Umfrage des Männermagazins Men's Health ergab, dass es 55 Prozent der Befragten am liebsten ist, wenn die Frau mit der Pille verhütet. Neun Prozent sagten sogar, dass ihnen das Verhütungsmittel egal ist, solange es eins ist, das die Frau nicht vergessen kann. Nur rund ein Drittel benutzen Kondome, um der Frau die Verhütung nicht komplett zu überlassen.

Doch es formt sich eine Bewegung, die so nicht weitermachen will. In Dutzenden Artikeln beschreiben Frauen, warum sie die Pille abgesetzt haben. Neue Studienergebnisse, die auf mögliche Nebenwirkungen hinweisen, werden tausendfach in sozialen Netzwerken geteilt. In Foren schildern Frauen ihre Symptome: keine Lust auf Sex, Persönlichkeitsveränderungen, schlechte Laune, ein ausgetrockneter, schmerzender Intimbereich, bis hin zu Infektionen. Und sie fühlen sich damit nicht ernst genommen. Denn Mediziner sagen, die Studien seien nicht repräsentativ und es gebe keinen Grund zur Aufregung: Der Mehrheit Frauen gehe es schließlich gut mit der Pille.

Das mag sogar stimmen. Doch es gibt auch Frauen wie Carmen. Das erste Mal nahm sie die Pille vor 14 Jahren. Da war sie 17 und war gerade mit ihrem ersten Freund zusammengekommen. Zuerst lief alles gut, keine Nebenwirkungen. Nur während ihrer Regel – die unter der Pille eigentlich nur eine Hormonentzugsblutung ist – hatte sie immer noch die starken Unterleibsschmerzen, unter denen sie seit ihrer ersten Periode litt. Sie fragte ihren Arzt, ob sie dagegen nicht etwas tun könnte. Er verschrieb ihr eine neue Pille. Die sollte sie ohne Pause durchnehmen, um die Monatsblutung zu unterdrücken.

Mit Anfang 20 bekam Carmen ihre erste Mammografie

Als Erstes bemerkte Carmen, wie ihre Brüste größer wurden. Ein bisschen mehr Oberweite fand sie sogar ganz gut. Doch bald wurde ihre Scheide trocken, regelmäßig hatte sie schwere Pilzinfektionen und Blasenentzündungen. Ihre Brüste wuchsen weiter, bis die Haut sich so sehr spannte, dass Carmen nicht mehr auf dem Bauch liegen und kaum noch schlafen konnte.

Mit Anfang 20 bekam sie ihre erste Mammografie, weil ihr Arzt ihre Brust nicht mehr richtig abtasten konnte. Das Ergebnis: In den Brüsten fanden sich massive Wassereinlagerungen. Carmen musste die Pille sofort absetzen.

Unverträglichkeiten bedeuten nicht, dass eine Frau gar keine Pille verträgt

Die Probleme verschwanden nach wenigen Wochen. Trotz all der Beschwerden wollte Carmen weiter mit der Pille verhüten. Ihr Arzt bestärkte sie darin. Kein Einzelfall: Auch die 17-jährige Leonie hatte zunächst Probleme mit ihrer Pille. Der Unterleib schmerzte, sie bekam Zwischenblutungen. Solche Nebenwirkungen könnten vorkommen, sagte ihr Arzt. Sie sollte erst mal absetzen und ein paar Wochen später wiederkommen, dann bekäme sie eine andere Pille. Und tatsächlich: Die Schmerzen gingen weg und die Zwischenblutungen auch. Kurz danach stieg sie auf eine neue Pille um. Die Nebenwirkungen kamen nicht wieder. Stattdessen wurde ihre Haut besser.

Warum raten Ärzte auch nach Problemen weiter zur Pille?

"Weil Unverträglichkeiten mit einem bestimmten Präparat nicht gleich bedeuten, dass eine Frau gar keine Pille verträgt", sagt Melanie Henes. Sie leitet das Kinderwunschzentrum an der Universitätsfrauenklinik in Tübingen und begegnet vor allem Patientinnen, die die Pille nicht mehr nehmen, weil sie sich ein Kind wünschen. Sie kennt aber auch viele Frauen, die das Medikament absetzen, weil sie sich damit nicht mehr gut fühlen. "Wenn eine Frau die Pille nicht mehr nehmen möchte, sollte man sie keinesfalls dazu überreden", sagt sie. Dass Gynäkologen ihre Patientinnen darin unterstützen, mit der Pille zu verhüten, sei aber grundsätzlich keine falsche Entscheidung. "Die Pille ist ein sehr sicheres Verhütungsmittel, einfach anzuwenden und viele Frauen kommen gut damit klar."

Verträgt eine Frau eine Pille nicht, zeige sich das meist im ersten halben Jahr, sagt die Gynäkologin. Manchmal machen sich Unverträglichkeiten schon nach wenigen Tagen bemerkbar, andere könnten auch erst nach drei bis sechs Monaten auftreten. "Die müssen aber kein Anzeichen dafür sein, dass die Pille grundsätzlich nicht vertragen wird." Ein anderes Präparat zu verschreiben könne die Lösung sein, vor allem, wenn die Frau weiterhin mit der Pille verhüten möchte. "Frauenärzte müssen aber auch auf die Alternativen hinweisen – auf die hormonellen, aber auch auf die ohne Hormone", sagt Henes.

Am Ende bleibt Verhütung aber fast immer Frauensache. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat 2015 einen Bericht über Jugendsexualität herausgegeben, nach dem sich zwar in mehr als der Hälfte der Beziehungen von unter 14- bis 25-Jährigen beide Partner um die Verhütung kümmern. Häufig bedeutet das, dass mit Kondom verhütet wird oder der Mann bezahlt etwa die Pille mit. Mit den körperlichen Folgen muss trotzdem die Frau klarkommen. Denn egal ob Pille, Ring, Spirale, Monatsspritze oder Pflaster – diese Liste lässt sich noch erweitern – all das muss sie schlucken, sich einpflanzen, spritzen lassen oder auf die Haut kleben.

Künstliche Hormone bringen den weiblichen Körper durcheinander

Männer können Kondome benutzen. Oder sie können sich vasektomieren lassen. Dabei werden ihre Samenleiter in einer Operation durchtrennt – mit dem Risiko, dass sich der Eingriff nicht rückgängig machen lässt. Meist ist das erst möglich, wenn die Familienplanung schon abgeschlossen ist. Manche Paare verhüten durch den Koitus interruptus, das heißt, der Mann zieht raus, bevor er zum Orgasmus kommt. Experten raten davon ab, weil ein hohes Risiko besteht, schwanger zu werden. Wer nämlich nicht schnell genug unterbricht, kann es auch ganz sein lassen mit der Verhütung. Und schon der Lusttropfen kann bereits Spermien enthalten.

Die unkomplizierteste und zugleich sicherste Verhütungsmethode ist immer noch die Pille. Doch kann es gesund sein, wenn der weibliche Körper jahrelang von künstlichen Hormonen fremdbestimmt wird? Zumindest bringen die den weiblichen Körper ziemlich durcheinander.

Wie eine Pille wirkt, hängt unter anderem vom Gehalt der Gestagene und Östrogene ab. Beide Hormone produziert der Körper eigentlich selbst. In der Pille sind künstliche Varianten enthalten. Sie verändern die natürlichen Hormonlevel und verhindern so, dass sich der Körper mit jedem Zyklus neu auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Die Hormone können aber noch andere Effekte haben. Sie können die Produktion der natürlichen Hormone stören, zum Beispiel so sehr, dass der Körper kein eigenes Östrogen mehr herstellt. Enthält eine Pille dann nur Gestagene, kein Östrogen, kann es zum Mangel kommen.

So ist es möglich, dass die natürlich vorkommenden Bakterien in der Scheide nicht mehr ausreichend vor Infektionen schützen. Pilze können sich ausbreiten. Die Scheide ist ohne Östrogen außerdem nicht mehr in der Lage, sich selbst feucht zu halten. Die Folgen: Infektanfälligkeit, Juckreiz und Schmerzen beim Sex. Wie bei Carmen.

Ihre neue Pille nahm sie erneut ohne Pausen ein, um Regelschmerzen zu verhindern. Jahrelang kam sie gut damit zurecht, bis sie irgendwann keine Lust mehr auf Sex hatte. Und ständig Stimmungsschwankungen. Carmen hatte schlechte Laune, war unzufrieden, auf Streit aus. Ihre Wutausbrüche waren so heftig, dass sie Gegenstände durch die Wohnung warf. So kannte sie sich gar nicht. Ihre neue Beziehung litt immer mehr.

Ausgerechnet ein Verhütungsmittel mindert die Lust auf Sex?

Konnte die Pille dafür verantwortlich sein? Carmen machte den Test. Fortan hielt sie sich wieder an die Empfehlungen in der Packungsbeilage, legte Pausen ein. Anfangs tat das gut, nach ein paar Monaten kamen die alten Symptome zurück. Und zwar nur, wenn sie gerade die Pille nahm. In jeder Pillenpause verschwanden die Ausbrüche und die Lust kam kurz wieder.

Woran liegt das, dass ausgerechnet ein Verhütungsmittel die Lust am Sex hemmt? "Nimmt eine Patientin eine antiandrogene Pille, kann die Libido gemindert sein", sagt Melanie Henes. Androgene sind Sexualhormone, die Frauen für ihre sexuelle Lust brauchen. Manche künstlichen Gestagene in Pillen richten sich dagegen. Warum sie trotzdem gegeben werden? Wirken sie stark antiandrogen, haben sie gleichzeitig den Effekt, starker Körperbehaarung oder Akne entgegenzuwirken. Manche Frauen wünschen sich das.

Niemand sollte die Pille nehmen, um besser auszusehen

"Ich habe das Gefühl, dass diese antiandrogenbetonten Pillen früher häufiger verschrieben wurden", sagt Henes. Weil man den Frauen einen Gefallen tun und ihnen auch gleich zu schönerer Haut verhelfen wollte, vermutet sie. Ohne schwere Akne sei das aber unnötig. "Mittlerweile erfolgt die Auswahl individualisierter aufgrund der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Präparate. Je nach Beschwerden kann der Östrogenanteil und die Gestagenkomponente – also eher androgen, neutral oder antiandrogen – auf die Patientin abgestimmt werden."

Vor allem sei die Pille ein Verhütungsmittel und sollte nur in bestimmten Fällen zu anderen Zwecken verschrieben werden. Zum Beispiel, um Krankheiten wie Endometriose zu lindern – eine gutartige, aber oft schmerzhafte Wucherung von Gewebe in der Gebärmutterschleimhaut. Nur für schönere Haare, größere Brüste oder glatte Haut sollte kein Arzt die Pille verordnen. Die meisten Pillen sind nicht einmal zur Behandlung von Akne zugelassen.

Schadet die Pille nun mehr, als sie hilft?

Das Problem mit den Unverträglichkeiten ist, dass sie sich nie ganz klar mit dem Medikament verknüpfen lassen, wenn sie erst nach Jahren auftreten. Vermutlich kommen sie in einem komplexen Zusammenspiel mit anderen Einflüssen vor wie Stress in der Schule, im Job oder an der Uni, Streit mit der Familie oder Beziehungsproblemen, Drogenkonsum, Vorerkrankungen oder genetischer Veranlagung.

Depressionen von der Pille? Dafür fehlen Beweise.

Bis heute gibt es deshalb keine eindeutigen Beweise, dass die Pille allein für schlechte Stimmung oder sogar Depressionen verantwortlich ist. Obwohl es zahlreiche Studien gibt, die den Nebeneffekten des Medikamentes nachgehen. Viele davon sind wenig aussagekräftig, weil sie mit wenigen Teilnehmerinnen durchgeführt wurden. Die Ergebnisse lassen sich nicht einfach so auf die ganze Gesellschaft übertragen.

Andere Studien sind größer, aber trotzdem nicht bedeutend genug, um die Fachwelt zum Umdenken zu bringen. Wie diese repräsentative Untersuchung dänischer Forscher im November vergangenen Jahres: Unter mehr als einer Million Däninnen überprüften die Wissenschaftler, ob ein Zusammenhang zwischen hormoneller Verhütung und der Wahrscheinlichkeit besteht, an Depressionen zu erkranken (JAMA Psychiatry: Wessel Skovlund et al., 2016). Das hatten sie an zwei Faktoren überprüft: Wie viele Frauen nahmen Antidepressiva? Wie viele Frauen sind derzeit oder waren Patientinnen in einer psychiatrischen Klinik?

Ihr Ergebnis: Die Pillenanwenderinnen hatten ein erhöhtes Risiko, depressiv zu werden. Je jünger sie waren, desto anfälliger. Frauen zwischen 15 und 34, die die Pille nahmen, waren je nach Präparat 20 bis 30 Prozent gefährdeter, als die Gruppe derer, die die Pille nicht nahmen. Das Ergebnis schlug ein.

Doch die Studie hat Schwächen. Von rund 550.000 Pillenanwenderinnen, hatten etwa 75.000 schon einmal Antidepressiva bekommen. Von rund 475.000 Frauen, die die Pille nicht nahmen, hatten 50.000 schon einmal Antidepressiva bekommen. Gemessen an der Gesamtzahl der untersuchten Frauen sind die Gruppen der Antidepressiva-Konsumentinnen relativ klein und dadurch anfällig für statistische Fehler. Zumal die Forscher wichtige Faktoren wie Lebensumstände, verschiedene Vorerkrankungen oder genetische Veranlagung außer Acht ließen. Sie berücksichtigten ebenso wenig, dass Frauen regelmäßig für das Pillenrezept zum Arzt müssen. Und wer öfter beim Arzt ist, bei dem wird eine Krankheit wie eine Depression auch schneller diagnostiziert.

Frauenärzte müssen auf ihre Patientinnen achten

Alle Hinweise, die aus vielen Studien über Jahre hinweg zusammengekommen sind, sind aber zumindest überzeugend genug, um sie vorsichtshalber in den Beipackzettel zu schreiben. Frauenärzte sollten also darauf achten, wenn Patientinnen unter der Pille Probleme bekommen. Sie sollten notfalls erneut über Nebenwirkungen aufklären und Alternativen aufzeigen.

Dazu sind ausführliche Anamnesegespräche nötig, sagt Melanie Henes. Deshalb müsse eine Frau ja halbjährlich zur Kontrolle in die Praxis kommen, wenn sie die Pille nimmt. "Wir Frauenärzte haben dafür Checklisten, die wir durchgehen mit der Patientin und anhand derer wir Änderungen im Lebensstil nachverfolgen können", sagt Henes. Hat die Patientin angefangen zu rauchen oder neuerdings Migräne, hat sie keine Lust mehr auf Sex oder fühlt sie sich dauernd niedergeschlagen, sollte der Arzt reagieren. Dafür ist es aber auch erforderlich, dass die Patientin mit ihrem Arzt offen über Veränderungen spricht.

Nie wieder künstliche Hormone

Weil Carmen das Gefühl hatte, von ihrem Arzt nicht die nötigen Infos zu bekommen, machte sie sich online auf die Suche nach Frauen, denen es ähnlich ging – und fand viele. Auf Empfehlung einer Freundin wechselte sie den Frauenarzt. Mit der neuen Ärztin führte sie ein langes Gespräch, beschrieb ihr alle Faktoren, die sie belasteten. Am Ende sagte die Gynäkologin: "Hören Sie doch einfach mit der Pille auf. Ihr Körper schreit ja förmlich nach einem hormonfreien Dasein." Noch am gleichen Abend setzte Carmen ab.

Schon nach ein paar Tagen fühlte sie sich wacher, fitter und entspannter. Die Beziehung wurde besser. Die Libido kam zurück. Carmen sagt heute: Nie wieder künstliche Hormone.

Wie viele Frauen sich wie Carmen entscheiden, ob es wirklich einen Trend dazu gibt, die Pille abzusetzen, darüber gibt es keine Zahlen. Eine Untersuchung, die zeigt, wie viele Pillenanwenderinnen es nach Altersklassen gibt, ist etwas älter: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat 2011 erhoben, dass etwas weniger Frauen ab Mitte zwanzig die Pille nehmen, im Vergleich zu Jüngeren. Ob das an Unverträglichkeiten oder am in dem Alter wachsenden Kinderwunsch liegt oder an einer Mischung aus beidem, ist nicht bekannt. Und: Erst wenn 2018 der nächste Bericht der BZgA herauskommt, wird sich herausstellen, ob sich die Zahlen in den vergangenen Jahren verändert haben.

Viele haben keinen Sex und bekommen die Pille trotzdem

Carmen ist heute 31 und wünschte, sie wäre damals mit 17 besser aufgeklärt worden. Vielleicht hätte sie dann schon früher abgesetzt.

Für Melanie Henes sind die Erfahrungen, die Carmen mit ihrem Arzt gemacht hat, kein gutes Praxisbeispiel: "Ich habe viele Kollegen, auch in Praxen, die sich intensiv um ihre Patientinnen kümmern." Frauen würden lieber einmal mehr in die Klinik überwiesen, wenn ein Ergebnis uneindeutig geblieben sei. "Die neuesten Skandale um die Pille, wie die Gerichtsprozesse aufgrund des Thromboserisikos, haben das Bewusstsein für mögliche Komplikationen noch mehr geschärft."

In manchen Praxen sieht die Realität aber noch anders aus. In Leonies Freundeskreis haben viele die Pille problemlos bekommen, nicht zu Verhütung, sondern um damit die Haut besser zu machen oder größere Brüste zu bekommen. Leonie sagt, ihr ist bewusst, dass die Pille ein Medikament ist, das man nicht aus Spaß nehmen sollte. Wenn mit ihrem Körper etwas nicht stimmt, wird sie das aber schon merken – da ist sie sich sicher. Jetzt ist sie erst einmal glücklich, dass ihre Haut so gut aussieht. Seit sieben Monaten nimmt sie die Pille. Sex hatte sie bisher noch nicht.

Mitarbeit: Luisa Jacobs

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version des Textes waren die Risiken des Koitus interruptus knapper ausgeführt. Wir haben die Stelle nun mit Infos angereichert.