Als Erstes bemerkte Carmen, wie ihre Brüste größer wurden. Ein bisschen mehr Oberweite fand sie sogar ganz gut. Doch bald wurde ihre Scheide trocken, regelmäßig hatte sie schwere Pilzinfektionen und Blasenentzündungen. Ihre Brüste wuchsen weiter, bis die Haut sich so sehr spannte, dass Carmen nicht mehr auf dem Bauch liegen und kaum noch schlafen konnte.

Mit Anfang 20 bekam sie ihre erste Mammografie, weil ihr Arzt ihre Brust nicht mehr richtig abtasten konnte. Das Ergebnis: In den Brüsten fanden sich massive Wassereinlagerungen. Carmen musste die Pille sofort absetzen.

Unverträglichkeiten bedeuten nicht, dass eine Frau gar keine Pille verträgt

Die Probleme verschwanden nach wenigen Wochen. Trotz all der Beschwerden wollte Carmen weiter mit der Pille verhüten. Ihr Arzt bestärkte sie darin. Kein Einzelfall: Auch die 17-jährige Leonie hatte zunächst Probleme mit ihrer Pille. Der Unterleib schmerzte, sie bekam Zwischenblutungen. Solche Nebenwirkungen könnten vorkommen, sagte ihr Arzt. Sie sollte erst mal absetzen und ein paar Wochen später wiederkommen, dann bekäme sie eine andere Pille. Und tatsächlich: Die Schmerzen gingen weg und die Zwischenblutungen auch. Kurz danach stieg sie auf eine neue Pille um. Die Nebenwirkungen kamen nicht wieder. Stattdessen wurde ihre Haut besser.

Warum raten Ärzte auch nach Problemen weiter zur Pille?

"Weil Unverträglichkeiten mit einem bestimmten Präparat nicht gleich bedeuten, dass eine Frau gar keine Pille verträgt", sagt Melanie Henes. Sie leitet das Kinderwunschzentrum an der Universitätsfrauenklinik in Tübingen und begegnet vor allem Patientinnen, die die Pille nicht mehr nehmen, weil sie sich ein Kind wünschen. Sie kennt aber auch viele Frauen, die das Medikament absetzen, weil sie sich damit nicht mehr gut fühlen. "Wenn eine Frau die Pille nicht mehr nehmen möchte, sollte man sie keinesfalls dazu überreden", sagt sie. Dass Gynäkologen ihre Patientinnen darin unterstützen, mit der Pille zu verhüten, sei aber grundsätzlich keine falsche Entscheidung. "Die Pille ist ein sehr sicheres Verhütungsmittel, einfach anzuwenden und viele Frauen kommen gut damit klar."

Verträgt eine Frau eine Pille nicht, zeige sich das meist im ersten halben Jahr, sagt die Gynäkologin. Manchmal machen sich Unverträglichkeiten schon nach wenigen Tagen bemerkbar, andere könnten auch erst nach drei bis sechs Monaten auftreten. "Die müssen aber kein Anzeichen dafür sein, dass die Pille grundsätzlich nicht vertragen wird." Ein anderes Präparat zu verschreiben könne die Lösung sein, vor allem, wenn die Frau weiterhin mit der Pille verhüten möchte. "Frauenärzte müssen aber auch auf die Alternativen hinweisen – auf die hormonellen, aber auch auf die ohne Hormone", sagt Henes.

Am Ende bleibt Verhütung aber fast immer Frauensache. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat 2015 einen Bericht über Jugendsexualität herausgegeben, nach dem sich zwar in mehr als der Hälfte der Beziehungen von unter 14- bis 25-Jährigen beide Partner um die Verhütung kümmern. Häufig bedeutet das, dass mit Kondom verhütet wird oder der Mann bezahlt etwa die Pille mit. Mit den körperlichen Folgen muss trotzdem die Frau klarkommen. Denn egal ob Pille, Ring, Spirale, Monatsspritze oder Pflaster – diese Liste lässt sich noch erweitern – all das muss sie schlucken, sich einpflanzen, spritzen lassen oder auf die Haut kleben.