Männer können Kondome benutzen. Oder sie können sich vasektomieren lassen. Dabei werden ihre Samenleiter in einer Operation durchtrennt – mit dem Risiko, dass sich der Eingriff nicht rückgängig machen lässt. Meist ist das erst möglich, wenn die Familienplanung schon abgeschlossen ist. Manche Paare verhüten durch den Koitus interruptus, das heißt, der Mann zieht raus, bevor er zum Orgasmus kommt. Experten raten davon ab, weil ein hohes Risiko besteht, schwanger zu werden. Wer nämlich nicht schnell genug unterbricht, kann es auch ganz sein lassen mit der Verhütung. Und schon der Lusttropfen kann bereits Spermien enthalten.

Die unkomplizierteste und zugleich sicherste Verhütungsmethode ist immer noch die Pille. Doch kann es gesund sein, wenn der weibliche Körper jahrelang von künstlichen Hormonen fremdbestimmt wird? Zumindest bringen die den weiblichen Körper ziemlich durcheinander.

Wie eine Pille wirkt, hängt unter anderem vom Gehalt der Gestagene und Östrogene ab. Beide Hormone produziert der Körper eigentlich selbst. In der Pille sind künstliche Varianten enthalten. Sie verändern die natürlichen Hormonlevel und verhindern so, dass sich der Körper mit jedem Zyklus neu auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Die Hormone können aber noch andere Effekte haben. Sie können die Produktion der natürlichen Hormone stören, zum Beispiel so sehr, dass der Körper kein eigenes Östrogen mehr herstellt. Enthält eine Pille dann nur Gestagene, kein Östrogen, kann es zum Mangel kommen.

So ist es möglich, dass die natürlich vorkommenden Bakterien in der Scheide nicht mehr ausreichend vor Infektionen schützen. Pilze können sich ausbreiten. Die Scheide ist ohne Östrogen außerdem nicht mehr in der Lage, sich selbst feucht zu halten. Die Folgen: Infektanfälligkeit, Juckreiz und Schmerzen beim Sex. Wie bei Carmen.

Ihre neue Pille nahm sie erneut ohne Pausen ein, um Regelschmerzen zu verhindern. Jahrelang kam sie gut damit zurecht, bis sie irgendwann keine Lust mehr auf Sex hatte. Und ständig Stimmungsschwankungen. Carmen hatte schlechte Laune, war unzufrieden, auf Streit aus. Ihre Wutausbrüche waren so heftig, dass sie Gegenstände durch die Wohnung warf. So kannte sie sich gar nicht. Ihre neue Beziehung litt immer mehr.

Ausgerechnet ein Verhütungsmittel mindert die Lust auf Sex?

Konnte die Pille dafür verantwortlich sein? Carmen machte den Test. Fortan hielt sie sich wieder an die Empfehlungen in der Packungsbeilage, legte Pausen ein. Anfangs tat das gut, nach ein paar Monaten kamen die alten Symptome zurück. Und zwar nur, wenn sie gerade die Pille nahm. In jeder Pillenpause verschwanden die Ausbrüche und die Lust kam kurz wieder.

Woran liegt das, dass ausgerechnet ein Verhütungsmittel die Lust am Sex hemmt? "Nimmt eine Patientin eine antiandrogene Pille, kann die Libido gemindert sein", sagt Melanie Henes. Androgene sind Sexualhormone, die Frauen für ihre sexuelle Lust brauchen. Manche künstlichen Gestagene in Pillen richten sich dagegen. Warum sie trotzdem gegeben werden? Wirken sie stark antiandrogen, haben sie gleichzeitig den Effekt, starker Körperbehaarung oder Akne entgegenzuwirken. Manche Frauen wünschen sich das.