Alt versus Jung? – Nicht mit Martin Schulz. Was der SPD-Kanzlerkandidat für die junge Generation tun will – bei ZEIT Campus ONLINE hat er eure Fragen beantwortet.

"Die Fragen sind mir manchmal zu forsch." So klingt das, wenn ein Kanzlerkandidat auf die Fragen der jungen Wähler trifft. Martin Schulz hat live auf Facebook auf die Fragen unseres Autors Hannes Schrader geantwortet, die dieser ihm kurz nach der Kanzlerkandidatur gestellt hat. Und auf die der jungen Leser. Das ganze Interview hier noch mal im Video zum Nachschauen.

Martin Schulz
Was der SPD-Kanzlerkandidat für die junge Generation tun will
Martin Schulz hat auf die Fragen unseres Autors Hannes Schrader geantwortet, die der ihm kurz nach der Kanzlerkandidatur gestellt hatte. Das ganze Interview hier nochmal im Video zum Nachschauen.

Keine Kopfhörer dabei? 13 Antworten im Schnelldurchlauf zum Nachlesen:

1. Willst du meine Stimme überhaupt?

Na klar. Ich will an die nächste Generation weitergeben, was ich genießen durfte: Frieden, eine Freundschaft von Nationen über Grenzen hinweg und eine Umwelt, die nicht vergiftet ist.

2. Willst du das Bafög erhöhen?

Ja.  

3. Werden Lesben und Schwule heiraten dürfen?

Eindeutig ja. Ich bin für die Ehe für alle mit allen Rechten, auch für Adoption.

4. Wirst du Cannabis legalisieren?

Das kann ich nicht beantworten. Medizinisch ist das auf jeden Fall sinnvoll, aber ich hab keine abschließende Meinung dazu.

5. Warum soll ich mal deine Rente zahlen?

Das ist ganz einfach. Ich zahle auch die Renten der heutigen Rentner. Du hast nach Bafög gefragt, das zahlen die heutigen Steuerzahler, die morgen Rentner sind, auch. Aber wir brauchen einen neuen Generationenvertrag und müssen die Rente reformieren. Wir brauchen andere Einnahmen, das können zum Beispiel Steuereinnahmen sein oder Rentenbeiträge von Personen, die heute noch keine Beiträge zahlen.

6. Ich kenne keine andere Kanzlerin als Angela Merkel und die hat das Land im Griff. Warum sollte ich dir vertrauen?

Die Problematik, dass ihr keine andere Kanzlerin kennengelernt habt, soll ja nicht zur Langeweile führen. Deswegen haben wir jetzt einen Wettbewerb. Ich kandidiere für mich und nicht als jemand, der Angela Merkel jetzt hier kritisieren will. Ich bekenne mich klar gegen rechts, für Europa, kämpfe gegen diejenigen, die wie eine Abrissbirne durch unsere Werteordnung laufen à la Trump, à la Erdoğan, à la Orbán, à la Putin.

7. Was machst du für meine arbeitslosen Freunde in Europa?

Ich kann für die direkt nichts tun. Ich habe mich in der Zeit als Präsident des Europaparlaments für einen Investitionspakt stark gemacht. Aus Töpfen der Europäischen Union sollte Unternehmen, die junge Leute einstellen, ein Zuschlag gezahlt oder eine steuerliche Privilegierung gewährt werden. Das hat nicht geklappt. Aber dafür würde ich mich auch als Bundeskanzler stark machen.

8. Wirst du etwas dagegen tun, dass die Generation um die 30 sich gut ausgebildet nicht den Lebensstandard leisten kann wie die Generation zuvor?

Wir brauchen mehr Wohnungen und die Einkommen müssen steigen. Es kann nicht sein, dass wir Unternehmensgewinne haben, die exorbitant gestiegen sind in den letzten Jahren, aber die Lohnrate nicht in dem Maße gestiegen ist.

9. Welches politische und welches unpolitische Buch kannst du als Buchhändler einem Mitte-20-Jährigen empfehlen?

Politisch: Eric Hobsbawm, Das Zeitalter der Extreme. Unpolitisch: Christine Nöstlinger, Geschichten vom Franz. Eigentlich ein Kinderbuch, aber wenn man sich mal richtig amüsieren will, sollte man das lesen.

10. Viele gehen heute davon aus, dass man nur noch etwas mit Studium erreichen kann. Wirst du etwas gegen die Abwertung von Ausbildung im Vergleich zum Studium unternehmen?

Ob einer Realschüler ist, Hauptschüler ist, sagt nichts über den Wert des Menschen aus. Die Zeiten, dass in Deutschland Menschen nach ihrer formalen Qualifikation beurteilt werden, sollten vorbei sein. Ich bin stolz darauf, dass ich auch ohne Abitur meinen Lebensweg gehen konnte. Ich setze schon ein Signal.

11. Soll das Wahlalter bundesweit auf 16 gesenkt werden?

Ja.

12. Wohin sollte sich die EU hinbewegen?

Es gibt in Europa nicht nur Le Pen und Wilders, es gibt in Europa auch Leute wie dich, deine ganze Generation. Merk ich doch. Es gibt ganz viele junge Leute, die jetzt plötzlich nach dem Brexit sagen, "wir lassen nicht zu, dass das, was erreicht worden ist, nämlich dass wir über Grenzen hinweg eine mögliche Art des Zusammenlebens entwickelt haben, in Europa plötzlich in die Tonne gekloppt wird von diesen Ultranationalisten, die für alles einen Sündenbock haben."

13. Aber die Jungen entscheiden doch nicht die Wahl. Das machen die Alten.

Es gibt zu viele Alte und wir Jungen sind die Opfer, mit solchen Sätzen kommen wir nicht weiter. Die Alten müssen begreifen, dass sie nicht auf Kosten der Jungen leben können. Aber die Jungen müssen auch begreifen, dass das, was sie haben, auch von den sogenannten Alten geschaffen wurde.