Seine Freunde wollen Rapper oder Instagrammodel werden. Unser Autor, 17 Jahre, hat auch First-World-Problems, aber seit er die NPD im Landtag sah, will er Politik machen.

Dieser Text ist Teil unserer Serie Jung und konservativ. Bis zur Bundestagswahl (und darüber hinaus) wollen wir in Porträts, Leserartikeln, Essays und Interviews der Frage nachgehen, was es heute heißt, jung und konservativ zu sein. Die Serie ist Teil des Projekts #D17, das Deutschland vor der Wahl porträtiert.

Weitere Informationen über #D17

Zum Konservativen wurde ich mit elf, in den Sommerferien, vor dem Fernseher. Es war der 4. September 2011, Mecklenburg-Vorpommern hatte gewählt und ich schaute die 18-Uhr-Hochrechnungen in der ARD. Die Wahl stellte mit knapp 50 Prozent Wahlbeteiligung einen damals absoluten Negativrekord. Die NPD zog wieder in den Landtag ein.

Als ich den braunen Balken in der Hochrechnung immer weiter wachsen sah, der erst bei sechs Prozent zum stehen kam, wusste ich, dass ich mich politisch engagieren wollte. Auch wenn ich damals nicht mal den Unterschied zwischen Bundestag und Landtag kannte.

"CSU, du triffst da doch immer die Merkel und so, ne?" Heute bin ich 17, besuche die zehnte Klasse einer Realschule in Nürnberg, wurde dort zweimal zum Schülersprecher gewählt, sitze im Nürnberger Stadtvorstand der Jungen Union, bin stellvertretender Kreisvorsitzender der Schüler Union Nürnberg, in der CSU und das sind so Fragen, die ich eben so höre. Und nein, Merkel habe ich noch nie getroffen.

Meine Geschichte, also die von einem kleinen Jungen mit Migrationshintergrund, der früher gerne auf dem Bolzplatz Fußball gespielt und davon geträumt hat, eines Tages gegen Lionel Messi zu spielen, aber dann wenige Jahre später in eine Partei eintritt, weil ihm der Glaube an Demokratie und konservative Ideen mehr gepackt hat, als der Traum von der Champions League, könnte auch die Geschichte eines anderen jungen Menschen sein.

Es mag naiv klingen, aber jeder Jugendliche, ja wirklich jeder, der lieber als Rapper die Charts stürmen will oder im nächsten YouTube-Schminktutorial zu sehen ist, könnte eigentlich auch der Bundesminister von morgen sein. Viele 13-, 14-Jährige träumen aber eben lieber von einer Blitzkarriere als Rapper, YouTube-Star oder Instagrammodel, was völlig legitim, aber dennoch sehr schade ist, wenn man sich bewusst ist, wie viel Potenzial tatsächlich in jedem Jugendlichen von heute stecken kann, dem die Welt und das Internet offenstehen.

Viele meiner Altersgenossen, Schulkameraden können es nicht fassen, dass ich meine Freizeit nicht nur damit verbringe, ins Stadion zu gehen oder mit Freunden in der Disco zu feiern, sondern auch gelegentlich auf Parteiveranstaltungen gehe und versuche, mit Abgeordneten ins Gespräch zu kommen.

Gleichzeitig, ja, wirklich, bin ich auch einfach nur ein Schüler mit durchwachsenen Noten, der lieber beim 1. FC Nürnberg in der Nordkurve steht als im Matheunterricht sitzt. Und auch ich rege mich über die First-World-Problems unserer Zeit auf, wie zum Beispiel die Frage, warum sich WhatsApp zunehmend zu Snapchat 2.0 entwickeln muss.

Ich weiß, in meinem Alter gibt es pubertierende Möchtegern-Gangster, die gerade die neuesten Tracks der 187 Strassenbande abfeiern. Oder vegane Hipster, die mit dem Apple-Notebook im Arm gerade auf dem Weg zum nächsten Starbucks sind. Und ja, mit solchen Menschen bin ich befreundet. Aber zähle ich mich deswegen auch zu den Gangstern und Hipstern unserer Zeit?

Nein, wahrscheinlich nicht.

Gehöre ich aber dann zu den Jugendlichen, die ihre Freizeit und Jugend sinnlos verschwenden, da manche sagen: "Parteien ändern doch nichts"?

Nein, auch so einer bin ich nicht.

Mein politisches Engagement ist auch eine Trotzreaktion gegenüber dem vermeintlichen Zeitgeist der Politikverdrossenheit, in dem immer mehr Menschen das Vertrauen in Parteien und "das System" verlieren und sich den Protestparteien zuwenden. Gerade jetzt ist es erst recht wichtig, Haltung zu zeigen, auch wenn konstruktive Diskussionen zunehmend der Gefahr ausgesetzt sind, auf postfaktischer Ebene ausgetragen zu werden.

"Was machst du in der CSU?" Auch so eine Frage. Meine Eltern stammen beide aus Vietnam, sie kamen nach dem Vietnamkrieg hierher. Es ist für viele ein Widerspruch, dass ich, ein 17-Jähriger mit Migrationshintergrund, eine Partei unterstütze, deren Mitglieder durchschnittlich knapp 60 sind und deren Vorsitzender die Kanzlerin in regelmäßigen Abständen mit der Einführung einer Zuwanderungsobergrenze zur Weißglut treibt.

Warum ich aber dennoch eingetreten bin?

Stets der Jüngste

Ich erinnere mich noch an einen Moment in der siebten Klasse, als ich das erste Mal politisch "Haltung" zeigte. Zum damaligen Zeitpunkt war ich bereits zwei Jahre Mitglied der Schüler Union, der Schülerorganisation der CDU/CSU. Als angehender Jungkonservativer hat mir schon damals die konstruktive Atmosphäre auf den SU-Veranstaltungen im Kreisverband gefallen. Was mich aber schon gestört hat, war tatsächlich, dass ich stets der Jüngste auf den Veranstaltungen war. Irgendwann kam mir deswegen die Idee, selber mal zu zeigen, dass Politik mehr ist, als nur langweilige Reden zu schwingen oder nur ein Ding der "Erwachsenen", für das junge Menschen sich nicht interessieren sollten, weil sie "eh nichts davon verstehen".

So passierte es, dass ich eines Tages spontan mitten in der Mittagspause auf den Pausenhof gegangen bin und auf meinem vollgekritzelten Schulblock Schülerunterschriften sammelte, um mich für mehr Mitspracherechte für Schüler einzusetzen. Zu meiner Überraschung fanden sich viele Schüler und sogar Lehrer, denen mein Einsatz für meine Schulkameraden gefiel, und die meine Aktion unterstützten.

Wieso ich aber wenige Monate später in die JU eingetreten bin? Es waren nicht nur meine Kollegen in der SU, die ich vor allem im Bundestagswahlkampf 2013 kennengelernt hatte, die mich dazu ermutigt haben, in die Junge Union einzutreten. Es waren auch die Schüler auf dem Pausenhof, die mir mit ihrer Begeisterung für meine Ideen gezeigt hatten, dass auch so ein kleiner, schmächtiger Siebtklässler wie ich damals die Chance verdient hat, von der Politik gehört zu werden. Ich bin froh, dass ich in Bayern lebe und auch irgendwie stolz darauf, dass ich bei der CSU und vor allem bei der Jungen Union gelandet bin, in der ich viele tolle Menschen mit klaren Überzeugungen kennenlernen durfte.