Donny Bonsink ist 24, schwul und fühlt sich nicht mehr sicher. Er will die Partei von Geert Wilders wählen. Die ist vor allem unter Jüngeren beliebt. Warum?

Es ist fast Sommer, als im vergangenen Jahr in den Niederlanden die Debatte um eine Weihnachtstradition eskaliert. Jedes Jahr am 6. Dezember verteilt der Nikolaus gemeinsam mit seinen Helfern, den Zwarten Pieten, Geschenke an Kinder. Für die einen ist es Tradition, für die anderen ein diskriminierendes Überbleibsel der Kolonialzeit: Die Pieten sind im Gesicht schwarz angemalt, haben dicke rote Lippen und eine Afroperücke.

Die Fernsehmoderatorin Sylvana Simons, geboren in der ehemaligen Kolonie Suriname, gehört zu den Kritikern der Tradition. Die sei ein "Symbol der Unterdrückung". Im Mai 2016 tritt sie der Migrantenpartei Denk bei und kündigt an, sich besonders auf die "Entkolonialisierung der Bildung" zu fokussieren. Der bis dahin unbekannte Wilders-Fan Donny Bonsink gründet aus Protest das Facebookevent Uitzwaaidag Sylvana Simons, was so viel heißt wie "Sylvana Simons zum Abschied winken". Bonsink findet: Wer die Zwarten Pieten nicht möge, solle weggehen. Er malt sich jedes Jahr das Gesicht schwarz an und verteilt Süßigkeiten. Mal bezahlt, mal freiwillig, aber hauptsächlich, weil es holländische Tradition ist.

Innerhalb von kurzer Zeit klickten über 40.000 Menschen auf  "teilnehmen" oder "interessiert", User bezeichnen Simons als "Affe" und "Heulneger" und fordern sie auf, in "ihr" Land zurückzukehren. Talkshows laden Bonsink ein, die Zeitungen berichten. Ministerpräsident Mark Rutte bezeichnet Bonsink als "Idioten". Nach einigen Tagen wird die Facebookseite geschlossen. Die Rheinische Post schreibt: "Wo ist die vielzitierte Toleranz geblieben?"

Von links: Donny Bonsink, Geert Wilders und die PVV-Abgeordnete Fleur Agema © Donny Bonsink

Wenn am 15. März in den Niederlanden gewählt wird, werden viele Niederländer ihre Stimme einem Politiker geben, der Marokkaner erst kürzlich als "Abschaum" bezeichnete und gegen Einwanderer polemisiert. Und die stärkste Gruppe sind die jüngsten Wähler, wie Donny Bonsink, der 24 Jahre alt ist und eine Ausbildung zum Koch macht. Laut einer Studie des Instituts I&O Research wollen 27 Prozent der Unter-25-Jährigen für Wilders stimmen, prozentual mehr als in jeder anderen Altersgruppe. Bei den Über-65-Jährigen sind es nur acht Prozent. 

Donny Bonsink sagt, Geert Wilders sei der einzige Politiker, der sich für die Niederländer einsetzt. "Ich bin schwul und ich fühle mich hier nicht mehr sicher", sagt er. Auf der Straße höre er Kommentare wie "Hau ab" und "Was willst du hier". Er sagt, die kämen von Migranten aus der Türkei oder Marokko. "Mit 17 hat er dann Geert Wilders das erste Mal im Fernsehen gesehen. "Schon damals hat er gesagt: ‘Stopp, es reicht!’ Wilders ist stark, das gefällt mir."

Niederlande
Geert Wilders und die Ängstlichen
In weniger als vier Wochen wählen die Niederländer ein neues Parlament. Der Rechtspopulist Geert Wilders könnte mit seiner Partei für die Freiheit stärkste Kraft werden. Wie denken die, die ihn unterstützen?