3 Städte, 500 junge Menschen, 1 bessere Welt: Eingeladen von ZEIT ONLINE trafen sich 2X-Jährige, um mit Algen den Mars zu besiedeln – oder sich endlich einzumischen.

Mona will Europa retten, Bijan mehr Menschen mit Besonderheiten im Fernsehen sehen und Tobi will nur, dass sich Menschen seiner Generation endlich mal entscheiden. Egal wofür. Drei Visionen von drei jungen Menschen, die am vergangenen Wochenende bei Z2Xhoch3 sprachen, einer Veranstaltungsreihe des von ZEIT ONLINE initiierten Festivals der jungen Visionäre, Z2X. In Leipzig, Stuttgart und Essen kamen von Freitag bis Sonntag insgesamt knapp 500 Teilnehmende zusammen, um in fünfminütigen "Blitzvorträgen", Workshops und "Frag mich alles"-Runden Projekte anzustoßen, Ideen auszutauschen und sich zu vernetzen.

"Was ist deine Idee für eine bessere Welt – oder zur Verbesserung deines eigenen Lebens?" Diese Frage stellen wir allen, die sich für eines der Z2X-Festivals bewerben. Teilnehmen können Menschen im Alter von "2X", also von 20 bis 29. Zum ersten Mal fand Z2X anlässlich des 20. Geburtstages von ZEIT ONLINE im September 2016 in Berlin statt. Auf Initiative der Teilnehmenden entstand dort die Idee, lokale Veranstaltungen des Festivals in weiteren deutschen Städten auszurichten. Die drei Z2X³ genannten Festivals in Leipzig, Stuttgart und Essen fanden in Zusammenarbeit mit der Robert-Bosch-Stiftung, der Crowdfunding-Plattform Startnext und dem Inkubator Social Impact Labs statt.

Ausgewählte Blitzvorträge und zehn der besten Ideen, die bei Z2X³ diskutiert wurden, stellen wir hier vor. Das nächste große Festival der jungen Visionäre findet am 2. und 3. September wieder in Berlin statt.

Diana Kinnert
"Kurz gesagt: Partei-Apparat"
Diana Kinnert spricht in ihrem Blitz-Vortrag in Essen von der schwierigen Beziehung zu ihrer Liebe CDU. Was muss passieren, damit Menschen sich wieder in Parteien engagieren?

Lieben lernen

Aufklärungsunterricht in Schulen beschränkt sich häufig auf anatomische Zeichnungen und Verhütungslehre. Wenn überhaupt, dürfen Schüler in der Klasse ein Kondom über eine Banane rollen. Wann aber wird über Schamgefühl geredet? Über Zustimmung zum Sex? Oder verschiedene Spielarten? Und was brauchen wir eigentlich, um offen über diese Themen sprechen zu können?

Mit Schnick-Schnack-Schnuck, Diskomusik und Rollenspielen brachten Luisa Mell und Jenni Schnarr ihre Workshopteilnehmer auf dem Z2X in Leipzig dazu, sich gegenseitig intime Fragen zu beantworten und alte Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen. Wann erzählt man schon mal in einer Runde von 28 Menschen, wie man zu Intimrasur steht? Oder welche Begriffe man benutzt, wenn man über Geschlechtsteile redet?

Die beiden Theaterpädagoginnen waren schon auf dem ersten Z2X-Festival in Berlin dabei. Ein Theaterstück, das Luisa und Jenni in der Zwischenzeit entwickelt haben, feiert im Juni Premiere in Berlin. Ihr Ziel ist es, dass junge Menschen nicht mehr über ihre eigenen Bedürfnisse stolpern, sondern lernen mit ihnen umzugehen. (Elisabeth Rank)

Die erste auf Mandarin rappende Hip-Hop Crew

Geht es um China, fallen oft nur wenige Stichwörter: Menschenrechte, Zensur, Kommunismus. "Das ist doch schade, oder?", sagt Arseny Knaifel. China hat 1,3 Milliarden Einwohner und ist einer der größten Kulturräume der Welt, doch chinesische Popstars oder Essensbräuche sind nahezu unbekannt. Arseny klärt auf. Er bloggt über China, sein Magazin Sinonerds hat mehr als 70 Autoren und ist Nachrichtenseite, Kontaktportal und Foodblog in einem. "Deutschland und China haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede, es weiß nur fast keiner." China floriert, die Start-up-Szene ist größer, schneller und wilder als irgendwo anders, nirgends hat Arseny mehr Freiheit erlebt.

Arseny studierte Chinastudien, lebte ein Jahr in Peking und wurde dort zum Star. Mit Freunden gründete er die Rap-Kombo Feichang Fresh und rappte in der Küche seiner WG. Mittlerweile wurden die Videos über 20 Millionen Mal geklickt. Warum bloß? "Die Chinesen sind begeistert, dass Ausländer ihre Sprache lernen. Jahrzehntelang war das ja andersherum." Zur 20-jährigen Städtepartnerschaft Berlin-Peking wurden sie von der Berliner Regierung mit einem Song beauftragt. Chinesische Fernsehsender flogen Feichang Fresh in entlegene Ecken des Landes, um aufzutreten. Die ARD fing an zu berichten, und weil seine Texte im simplen Mandarin geschrieben sind, lernen heute weltweit Sprachschüler die Texte von Feisang Fresh. Mittlerweile lebt Arseny wieder in Berlin, am nächsten Song arbeitet er aber schon. (Fabian Scheler)

Leif Randt – und das PDF zum Download

Bereits im Alter von 2X wurde der Journalist und Autor Leif Randt vielfach für sein Schreiben ausgezeichnet, spätestens seit der Veröffentlichung seiner beiden Romane Schimmernder Dunst über CobyCounty und Planet Magnon gilt er als eine der prägnantesten Stimmen der deutschsprachigen Literatur. In seinem Blitzvortrag bei Z2Xhoch3 in Leipzig stellte Leif Randt sein jüngstes Projekt vor: Tegel Media, eine Internetplattform für Text- und Videodateien zur freien Ansicht sowie Merchandise zum Kauf. Gestartet im Januar 2017 werden er und andere Autoren dort monatlich genau einen Text veröffentlichen, als PDF zum Download. Bei Z2X zitierte Randt einen Freund mit den Worten: "Tegel Media ist ein Hundesohn – es verstört mich und macht mir ungute Gefühle". Das könnte daran liegen, dass sich Tegel Media der auf kurze Aufmerksamkeitsspannen und häufige Interaktion getrimmten Ästhetik der Interfaces etwa von Facebook, Instagram und Twitter verweigert. Stattdessen will Tegel Media einen geschützten Raum schaffen zur "narrativen Entspannung der Webwelt" und für immer neue Texte, Traumtagebücher, Reisetagebücher, SMS, E-Mails – und Schlafbrillen. (Maria Exner)