Warum die CDU? Wir sind konservativ, weil wir Werte bewahren wollen. Dank unserer Eltern wachsen wir fern Krieg und Verfolgung auf, in einer heilen Welt. Ihre Geschichte lehrt uns, dass wir mit harter Arbeit und Ehrgeiz alles erreichen können. Der Abgrund soll keine Chance mehr haben. Sie lehrt uns auch, wie wichtig familiärer Zusammenhalt ist und was die wahren Probleme sind inmitten von first world problems wie der Einführung von Unisexklos.

Weil wir keine Nikes im Restaurant trugen, sondern im Bus zu Aldi fuhren, schätzen wir Bodenständigkeit und Bescheidenheit.

Sind wir Bürger zweiter Klasse trotz erstklassiger Voraussetzungen?

Wir erinnern uns gut, wie lang und steinig der Weg zum Ziel war. Nichts von dem, was wir erreicht haben, wollen wir jemals missen. Im Gegenteil: Wir wollen dieses Leben festhalten und unserem Nachwuchs weitergeben. Ich spreche nicht vom materiellem Endergebnis oder von Statusdingen wie Bausparvertrag oder Eliteuni, sondern von eben den Werten, die uns auf dem Weg zum Ziel mitgegeben worden sind und ohne die wir nicht das wären, was wir heute sind.

Wir stehen der alten Elite des Landes in Bildung und Denken näher als gedacht.

Und da kommen wir zum dritten Punkt: Sind wir Bürger zweiter Klasse trotz erstklassiger Voraussetzungen? Wir stehen der alten Elite des Landes in Bildung und Denken näher als gedacht. Und doch unterscheidet uns einiges: Denn ob Chancengleichheit in unserem Land herrscht, das fragt sich Herr Schmidt aus Zehlendorf wohl seltener als Herr Celik aus Neukölln, der mit seinem dunklen Teint an der Edekakasse nicht gegrüßt wird, einen bösen Blick gratis gibt es aber immer dazu, und dessen Name dazu führt, dass seine Bewerbung in den Papierkorb wandert.

Konservativ bedeutet für uns jedoch Chancengleichheit für alle Schichten und Nationen, es bedeutet Toleranz gegenüber jeder Gruppe. Dass das notwendig ist, bekommen wir am meisten zu spüren in Zeiten des Rechtsrucks. Das betrifft aufsteigende Parteien wie der AfD ebenso wie ähnliche Tendenzen innerhalb der CSU.

Die meisten von uns kommen nicht aus privilegierten Familien. Wenn wir es nach oben schaffen, würde die Geschichte von heute lauten: Es war einmal Mohammed aus Wedding, der sich in der Oberschule zuerst mit voreingenommenen Lehrern herumschlug und sich später mit Tausenden Nebenjobs durch sein Ingenieursstudium kämpfte, um sich über Wasser zu halten. Währenddessen überlegte Heinrich, dessen Eltern beim Klassenlehrer zum Essen eingeladen waren, ob er lieber mit seinem eigenen Mercedes oder mit Papas Range Rover zum Golf fahren will. Später blieb dann noch die Frage, ob lieber Studienaufenthalt in den USA oder doch in Australien. Sowohl Mohammed als auch Heinrich schlossen ihr Studium hervorragend ab. 

Und am Ende lebten beide glücklich und zufrieden als Nachbarn und gönnten sich jeweils in ihren Wannseevillen einen Feierabenddrink bei Sonnenuntergang. Doch plötzlich fragte Heinrichs Frau ihren Mann mit einem Blick auf Mohammed über den Zaun, wann denn dieser endlich zu "Seinesgleichen" ziehen wird.

Eine Geschichte, die sich mit einem hoffentlich anderen Ende künftig häufig wiederholen wird.

Mein Vorschlag wäre:

(...) am Ende lebten beide, Mohammed und Heinrich, glücklich und zufrieden als Nachbarn und gönnten sich ihren Feierabend gemeinsam in ihren Wannseevillen bei Sonnenuntergang. Dabei erzählten sie sich Geschichten über den Islam, die bevorstehenden Bundestagswahlen, tranken ihr Bier und aßen Hummus.

Längst verändern wir das Bild der alten Generation und lösen zusammen mit ihr alte Denkmuster ab.

Das klingt naiv und kitschig, wird manch einer denken. Aber genau so einfach sollte es sein, in einer Gesellschaft, die sich gegenseitig inspiriert statt disqualifiziert. Die voneinander lernt, anstatt sich voneinander zu entfernen, und die sich letztlich ergänzt in ihren Unterschieden.

Wir sind die neue konservative Elite des Landes. Längst verändern wir das Bild der alten Generation und lösen zusammen mit ihr alte Denkmuster ab. Auch wenn das für manch einen unserer Mitbürger, Politiker eingeschlossen, nicht einfach wird. Denn wir haben nicht vor, uns abzuschotten oder gar zu verstecken. Wir werden, wie es sich für Intellektuelle gehört, hinterfragen, analysieren und kritisieren.

Ich bin jetzt 27, habe mein Studium erfolgreich beendet und einen Mietvertrag für einen schicken Neubau in Berlin-Mitte unterschrieben. Nächstes Jahr werde ich promovieren.

Mein neuer Nachbar, 68 Jahre, ist auch CDU-Wähler. Sein Blick, als ich ihm von meinem Werdegang erzählte? Erstaunt. Sehr erstaunt.