NoFapper wollen nicht mehr masturbieren, sie verweigern sich dem eigenen Penis. Ein weiteres Symptom der von Zahnpasta, Brötchen und Feminazis bedrohten Männlichkeit.

Der Mann ist bedroht und packt das Problem da an, wo es entsteht: am Schwanz. Die Anhänger der sogenannten NoFap-Bewegung verbieten sich Pornos und Masturbation. Denn Pornos führen zu Impotenz, Abhängigkeit und sozialem Versagen, glauben sie. Und wer nicht mehr wichst, wird männlicher: "Become an Alpha Male", versprechen die sich rasch vergrößernden Fangemeinden auf Reddit (inklusive NoFap-T-Shirts). Ganze Monate erklären sie zu wichsfreien Zeiträumen, 90 Tage gelten als vollständiger Reinigungszyklus. Das Mindset clearen, danach Beutefang. Und weil Pimmel immer zieht, wird natürlich auch berichtet.

Der junge Mann ist bedroht – und verweigert sich

Dabei ist das Phänomen gar nicht überraschend, sondern reiht sich prima ein in das Zeitalter prekärer Männlichkeit. Denn der moderne junge Mann ist umstellt von Gefahren: freilaufende Feminazis, Dinkelflocken und Male bashing – "Es hat in Deutschland die feministische Aufschrei-Debatte gegeben. Der Aufschrei der Männer ist wohl anders: Verweigerung", stand neulich sogar im Aufklärungsmedium FAZ. Jetzt wird eben der eigene Körper verweigert.

Und das geht so: Die Geschichte, die sich die NoFapper online tausendfach gegenseitig immer wieder erzählen: unscheinbarer Junge wird geschlechtsreif, masturbiert, beginnt, Pornos zu schauen. Soziale Anerkennung bleibt aus, Pornokonsum wird zum Ersatz, die Pornos immer härter, das Runterholen immer öfter. Aus einmal am Tag für zehn Minuten werden bei manchen zehn Stunden masturbieren am Tag.

Wer NoFap macht, braucht kein Koks mehr.

Dann der Turning Point: Der Süchtige entdeckt, dass es nicht nur ihm so geht. Es gibt andere, mit ihnen kann er sich austauschen. Er beginnt mit NoFap, wird "Fapstronaut". Um das bloße Fasten wird ein zeichenreicher Seelenkult errichtet, der die Leute bei der Stange (sorry, natürlich: von ihr weg) halten soll: Die Reddit-Foren muten demnach auch eher wie virtuelle Beichtstühle oder Gesprächskreise zur "Kritik und Selbstkritik" an. Der Rausch des Sektenkollektivs führt in bisher ungeahnte Höhen. Glaubt man den Jüngern, gilt: Wer NoFap macht, braucht kein Koks mehr. Geplagten in der "Flatline", eine nach einigen Wochen eintretende Lustlosigkeitsphase, werden ermutigt, nicht rückfällig zu werden. Die Gefängnispfarrer passen auf die Herde auf. Bloß nicht wichsen, bis zur Erleuchtung. Hallelujah!

Tatsächlich wird das Pornoproblem aber nicht überwunden, sondern nur ersetzt: Kraft durch Sperma, mehr Testosteron, Muskeln, tiefere Stimme, coolerer Auftritt, mehr Glück bei den Frauen – die Prophezeiungen der Bleigürtelfraktion funktionieren ähnlich wie die Geilheitsgelüste der Pornoplattformen. In beiden Fällen geht es um die Erlangung einer Männlichkeit, die als roh-körperliche inszeniert wird. Statt Taschentücher zu befruchten, trainieren die jungen Burschen nun im Wald den Body und Mind, werden zäh wie Zukunft. Wie ein Pick-up-Seminar, nur spiritueller, härter, krasser. Julia Engelmann in schwanzgesteuert: Endlich fang ich an zu leben. Die Männer beherrschen nun sogar das Unbeherrschbare, Unbewusste – das Begehren. Totale Kontrolle.

Bedroht von Susi, Karotten, und, jetzt neu: dem eigenen Penis

Und die brauchen sie auch, denn diese Alpha Males, sie sind ja wirklich bedroht, von, naja, einfach allem: Frauen mit Kopftuch, Frauen ohne Kopftuch, Männern mit Schnäuzer, Männern ohne Schnäuzer, Russland, den USA, Israel, dem Islam, Hackfleisch, Veganismus, "Gendermenschen", Homosexuellen, homophoben Migranten, Frauen, Juden, antisemitischen Migranten, Frauen, ihren Müttern, ihren Töchtern, den Freunden ihrer Töchter, prüden Frauen, promisken Frauen, der Angst um ihre Töchter, herabfallenden Wassermelonen, Asylbewerbern, Frauen, Fernsehen, viel Bildung, wenig Bildung, Susi, dem Fön aus der Badewanne, Frauen, Karotten, Karotten, Brötchen, dem Ölpreis, Helga Beimer, dem Alter, der Jugend, Umverteilung, Arbeitslosigkeit, Zahnpasta, Stiefmütterchen, der großen Pause, Paternostern, Frauen, Harnkrebs, Spargel, RTL und jetzt neu: ihrem Penis.

Opfer sein kommt immer gut. Wusste schon Hitler. Hand an die Hose: Männer, wir sind wieder wer. Und jetzt Schwanzvergleich.