Wer heute ohne Social-Media-Strategie in den Urlaub fährt, kann gleich zu Hause bleiben. Aber keine Sorge. Mit dieser Anleitung wird jeder Nichtinfluencer zum Traveler

Es soll ja Menschen geben, die sich extra vor dem Urlaub ein neues Handy mit besserer Kamera kaufen, nur um schönere Bilder für Instagram und Facebook machen zu können. Recht haben sie! Denn ohne eine vernünftige Social-Media-Strategie glaubt einem inzwischen eh niemand mehr, dass man überhaupt weg war. Natürlich ist Urlaub Entspannung und fremde Kulturen, jaja, aber inzwischen auch einfach für jeden persönlich ein Marketing-Muss. Denn gerade für Nichtinfluencer ist er die wichtigste Möglichkeit, die eigene Social-Media-Präsenz aufzupolieren. 

Nirgendwo sonst laufen einem die spektakulären Fotomotive wie der Eiffelturm oder eine Waffel Eis einfach so vor die Linse. Denen keinen Platz in der eigenen Instagram-Galerie zu gewähren, wäre ein grober Fehler. Für Anfänger und alle, die wirklich noch denken, sie könnten einfach so in den Urlaub fahren (echt jetzt?), hier eine kleine Anleitung, um die nächste Reise, ähh, #vacation, richtig in Szene zu setzen. 

Zwei Wochen vor Abflug: Warmposten

Zu Beginn eine einfache Aufwärmübung, ohne Foto, aber mit großer Wirkung: "Last-Minute-Tickets gebucht: Lissabon, wir kommen!! :) Wer war schon mal dort und hat Tipps?" Natürlich wird keiner dieser Ratschläge tatsächlich Eingang in die Reiseplanung findet. Trotzdem ist der Post wichtig. Denn vor allem für Selbstdarstellungsneulinge ist er ein einfacher Weg, sich in wenigen Worten als weltoffen (weil Ausland), individuell (weil Facebook-Tipps), spontan (weil Last-Minute) und trendy (weil Lissabon) zu inszenieren. Fortgeschrittene können zusätzlich auf Twitter zur #followerpower aufrufen.

Drei Tage vor Abflug: Ich packe meinen Koffer für Instagram

Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, um die eigene Instagram-Community auf die Reise vorzubereiten: Koffer aufklappen und die schönsten T-Shirts, Reisepass (egal ob wirklich benötigt oder nicht), Sonnenbrille und -hut drapieren. Anschließend senkrecht von oben ablichten und darauf achten, keine Schatten zu werfen. Tatsächlich gepackt wird natürlich erst in letzter Minute. Dann kommen auch Unterhosen, Kontaktlinsenflüssigkeit, Kondome und Mückenschutz rein.

Abflugtag: der Facebook-Reminder

Die Facebook-Freunde haben mittlerweile erfolgreich verdrängt, dass sie im Büro oder der Bibliothek schwitzen, während man selbst Urlaub macht. Spätestens am Flughafen sollten sie mit dem "Travelling to"-Status daran erinnert werden. "Viel Spaß"-Kommentare sind ein gutes Zeichen: Einige der 569 Kontakte sind tatsächlich wahre Freunde. Gar keine Reaktion? Keine Sorge. Die sind nur neidisch, und das noch vor dem ersten Strandfoto. Jetzt nicht aufgeben! 

Wer vorausschauend eingecheckt hat, sitzt im Flieger am Fenster und schießt ein Über-den-Wolken-Foto, dessen poetisches Blau-Weiß nur durch die hineinragende Flugzeugtragfläche gestört wird. Sobald man wieder festen Boden unter den Füßen und, vor allem, Internet hat: posten.