Im ersten Job verdiente er 130.000 Euro im Jahr. Seitdem hat sich sein Jahreseinkommen fast vervierfacht. Ein Hedgefonds-Manager erzählt, warum er das für richtig hält.

Alter: 31

Aktuelles Gehalt: monatlich 11.000 Euro brutto + Bonus am Jahresende (nach aktuellem Wechselkurs)

Nach meinem Master in Wirtschaftswissenschaften hatte ich einen Plan: Ich wollte zwei Jahre lang als Investmentbanker arbeiten, viel Geld verdienen, um danach zurück in die Wissenschaft zu gehen. Den Plan habe ich nicht umgesetzt – unter anderem wegen meines guten Gehalts.

Nach dem Abi habe ich an zwei renommierten Eliteschulen in den USA und in Großbritannien Wirtschaftswissenschaften studiert. Eigentlich wollte ich Professor werden, davon träumte ich schon als Kind. Damals stellte ich mir vor, dass ich Physiker werde. Irgendwann änderten sich meine Interessen und ich schrieb mich an der Uni für Wirtschaftswissenschaften ein.

Unter Investmentbanking konnte ich mir zu Studienbeginn nicht viel vorstellen. Dann lernte ich in den ersten Wochen viele Kommilitonen kennen, die später unbedingt in der Finanzbranche arbeiten wollten. Die waren so überzeugt von ihrem Berufswunsch, dass ich neugierig wurde und Praktika bei amerikanischen Banken und Unternehmensberatungen machte. Meine Kollegen waren sehr ehrgeizig und wollten aufsteigen. Das Arbeitstempo war sehr schnell, das hat mich angespornt und mir gefallen. Bei einem anderen Praktikum in der Versicherungsbranche arbeiteten die Mitarbeiter viel langsamer. Da bin ich überhaupt nicht so aufgegangen, obwohl ich weniger arbeiten musste. Da stand für mich fest: Ich will in die Finanzwelt.

Nach dem Master bewarb ich mich bei einer Private-Equity-Firma und wurde genommen. Dort haben wir mit Hilfe von Fremdkapital Firmen aufgekauft und versucht, sie im Laufe von vier bis sechs Jahren profitabler zu machen. Danach haben wir sie weiterverkauft, häufig, indem wir sie an die Börse gebracht haben.

"In der Branche besteht man nur, wenn man psychisch extrem belastbar ist."

Ich arbeitete sehr viel: von neun Uhr bis elf Uhr nachts, oft auch am Wochenende. Wenn es sehr stressig wurde, saß ich manchmal bis vier Uhr morgens da und arbeitete mehr als 100 Stunden in der Woche. Irgendwann gewöhnte sich mein Körper daran, krank war ich eigentlich kaum. In der Branche besteht man nur, wenn man psychisch extrem belastbar ist. Der Rest wird ausgesiebt. Da passe ich gut rein, ich gebe nicht gerne auf. Zum Beispiel war ich nie ein guter Fußballspieler, aber wenn ich mal spiele, dann spiele ich, bis ich mich übergeben muss. Ich gebe alles.

Im ersten Jahr verdiente ich umgerechnet so 130.000 Euro brutto, inklusive Bonus. Nach ein paar Jahren gab ich den Plan auf, in die Wissenschaft zu gehen. Ich hatte so hart für meine Karriere in der Finanzbranche gearbeitet, um weit nach oben zu gelangen, das wollte ich nicht so ohne Weiteres aufgeben. Meine Ansprüche an mich selbst waren enorm gestiegen. Wenn ich aussteigen würde, dann nur, um Professor an einer der besten Unis der Welt zu werden. Weil das  natürlich sehr schwer ist, entschied ich mich für das Geld und die freie Wirtschaft.