Glaubt echt irgendjemand, dass Andrea Nahles "Frieden" ablehnt? Dass Angela Merkel Arbeitslose egal sind? Oder Horst Seehofer gegen "Armutsbekämpfung" ist? Sind sie natürlich nicht. Ein Großteil der in Deutschland politisch Engagierten sind Demokraten, die sich darüber streiten, wie sie dieses Land besser machen können. Wobei sie für ihre Version davon kämpfen, was besser heißt. Das Ding ist: Sie haben richtig viel Ahnung.

Und wer gegen die Seehofers und Merkels, die Wagenknechts und Nahles' ankommen will, um die eigene Idee von besser durchzusetzen, braucht keine pathostriefenden Manifeste, sondern Plan. Ist es gerecht gegenüber künftigen Generationen, wenn eine Untergrenze für das Rentenniveau gesetzlich festgeschrieben wird, wie die SPD das fordert und behauptet? Ja, bei so Fragen kocht das "Puh, keine Ahnung …" hoch, da werden die Lider schwer und wenn in der Kneipe so eine Frage aufkommt, wird schon mal gefragt, ob jemand noch ein Bier will.

So einfach ist es leider nicht

Sollen Flüchtlingen, die sich Integrationsmaßnahmen widersetzen, die Leistungen gekürzt werden dürfen? Und was ist eigentlich Netzneutralität; ist sie wünschenswert? Ist ein Maximalpreis für Mieten in Innenstadtbereichen die Lösung für das Wohnproblem? Oder sind es zu niedrige Löhne? Oder zu wenige Sozialwohnungen?

Deutschland ist eine ausgewachsene Demokratie und das heißt, sich mit Siebensilbennomen streiten zu können.

Die kürzeste Antwort auf solche Fragen ist meistens leider kein Ja oder Nein, sondern "kommt drauf an" oder "so einfach ist es leider nicht". Denn Deutschland ist eine ausgewachsene Demokratie und das heißt, sich mit Siebensilbennomen zu streiten und zu wissen, was eine Musterfeststellungsklage ist. Das ist ein Privileg, dem ausgewachsene Demokraten gerecht werden müssen. Nicht indem sie irgendwelche Manifeste schreiben oder unterschreiben, sondern indem sie sich weiterbilden, einmischen und dort mitmachen, wo es zählt. Nicht in Einmensch- und Einforderungsparteien, die sich wie das Bündnis Grundeinkommen sogar die Blöße geben, sich auflösen zu wollen, wenn sie mit ihrer Forderung Erfolg haben sollten. Sondern in Parteien und Institutionen, die nach der Bundestagswahl nicht alle wieder vergessen haben.

Wer will, dass sich was ändert, sollte da hingehen, wo er was verändern kann. Wie wär's denn mal hiermit: Die beiden größten Parteien Deutschlands, SPD und CDU, haben jeweils etwa 430.000 Mitglieder. Es gibt in Deutschland knapp zehn Millionen Wahlberechtigte unter 30. Wenn davon nur jeder Zehnte eintreten würde, wären das eine Million Menschen. Plötzlich wären die Volksparteien die Parteien der Jungen. Viel Spaß beim Regieren, Leute.