Die Alten machen Rentenpolitik, den Jungen ist sie egal. Keine junge linke Parteiorganisation hat ein Rentenkonzept, keiner regt sich auf. Das darf doch nicht wahr sein.

Wenn die Junge Union mal uneingeschränkt recht hat, muss man sich wirklich Sorgen machen. Und bei der Rente hat sie recht. Bevor jetzt schon wieder alle vor dem Bildschirm einschlafen, weil Rentendebatte so spannend klingt wie Raufaserdebatte: Heute ist jeder fünfte Mensch in Deutschland über 65. Bis die heute Unter-30-Jährigen in Rente gehen, wird es jeder Dritte sein. Und wer muss bis dahin den ganzen Alten die Renten bezahlen? Wir, die Jungen. Ohne zu wissen, ob wir von unserer Rente leben werden können. Und ohne zu wissen, wie lange wir arbeiten werden müssen. Kleiner Spoiler: Mit 67 wird es wohl nichts. Paul Ziemiak, der Vorsitzende der Jungen Union, forderte deshalb schon vor einem Jahr einen Aufstand der Jungen gegen die Rentenpolitik der Bundesregierung. Passiert ist nichts.

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Die Bundesregierung hat derweil die Rente mit 63 umgesetzt, die gerade zum für die junge Generation ungerechtesten Gesetz dieser Legislaturperiode gewählt wurde. Die SPD fordert erstens das Rentenniveau bei 48 Prozent festzusetzen. Sie verspricht zweitens den Beitrag zur Rentenversicherung nicht über 22 Prozent steigen lassen zu wollen. Ach ja, und drittens soll das Renteneintrittsalter nicht steigen. Wem jetzt schon wieder im Sekundenschlaf fast das Handy aus der Hand gerutscht ist: Das ist, als würde man seinen Mitbewohner aus der WG schmeißen, das freie Zimmer in ein Wohnzimmer umbauen und allen versprechen, die Miete bleibe für alle gleich hoch. Denn wenn es immer mehr Rentner gibt, müssen die Beiträge steigen, wenn das Rentenniveau nicht fallen soll. Oder die Alten müssen länger arbeiten, damit sie länger einzahlen. Alle drei Sachen bewahren, das geht nicht. Deshalb will die SPD dafür Steuergeld hernehmen. Aber das muss auch irgendwo herkommen.

Und was sagen die Jusos zu den Forderungen ihrer älteren Genossen? Sie schreiben auf ihrer Webseite achtmal was #gerechtist (oder eher: sein soll), über die Rente schreiben sie nichts. Der Grund: Die Jusovorsitzende Johanna Uekermann findet die Rentenpläne der SPD größtenteils in Ordnung. Die Linksjugend hat zwar eine Position dazu, was mit dem Kapitalismus passieren soll (überwinden), aber was wir machen sollen, wenn wir zu alt und arm sind für die Revolution, schreiben sie nicht. Ihre Mutterpartei Die Linke will übrigens das Rentenniveau auf 53 Prozent anheben. Wer das bezahlen muss? Na, wir. Und die Grüne Jugend bedauert die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente, aber sonst findet sich bei ihnen nichts zu dem Thema.

Die Julis und die Junge Union als stärkste politische Lobby der jungen Generation in Deutschland. So schlimm ist es schon.

Bleiben die Jungen Liberalen, deren Rentenkonzept noch neoliberaler ist als Christian Lindner mit 18 in seinem gemieteten Benz bei Stern TV: Die staatliche Rente soll schrittweise auf ein Existenzminimum abgesenkt werden, alles darüber hinaus sollen Rentenempfänger durch private Vorsorge decken. Aber hey, wenigstens haben sie einen Plan. Die Julis und die Junge Union als stärkste politische Lobby der jungen Generation in Deutschland. So schlimm ist es schon.

Wer die Jungen vertreten will, muss hingehen, wo es weh tut

Wo bleibt der Aufschrei der jungen Linken? Es braucht eine junge Opposition, die innerhalb der Parteien junge Interessen vertritt. Paul Ziemiak, der Herr von der Jungen Union, hat bereits einen jungen Rentengipfel gefordert, an dem sich alle jungen Parteiorganisationen beteiligen sollten. Auch daraus wurde nichts.

Das Problem ist wohl, dass linke Politik – gerade junge, linke Politik – meist ein idealistischer Ruf nach mehr für alle ist. Aber bei der Rente funktioniert das nicht. Denn die Jungen bezahlen für die Alten. Und wenn die Alten mehr bekommen, müssen die Jungen mehr bezahlen. So einfach ist das.

Wer die Interessen der Jungen vertreten will, muss dahin gehen, wo es weh tut: Die Junge Union fordert, das Rentenalter zu erhöhen und kritisiert die Bundesregierung  für ihre Rentenpolitik. Die Julis wollen nur noch eine Grundsicherung staatlich finanzieren. Das kann man falsch finden, sich darüber aufregen und Alternativen anbieten. Aber was machen die jungen Linken? Wollen billig wohnen, mehr Bafög und endlich legal kiffen. Das ist schön. Und währenddessen machen die Alten Rentenpolitik für Alte.

Redaktion und Produktion Video: Hannes Schrader, Claudia Bracholdt