Die Jungen wählen fast wie der Durchschnitt. Aber kleine Unterschiede verändern das Ergebnis dann doch. Wie drei unsichere Jungwähler gewählt und den Abend erlebt haben

Vor der Wahl waren sie unsicher, und nach der Wahl? Geschockt vom Ergebnis der AfD? Unzufrieden mit der eigenen Entscheidung? Wir haben vor der Wahl mit drei jungen Wählern, die noch unentschieden waren, gesprochen. Und sie gestern, nach den ersten Prognosen, noch mal angerufen. Außerdem haben wir nachgesehen, wie die unter 30-Jährigen insgesamt abgestimmt haben:

Dort zeigt sich: Die Jungen haben relativ ähnlich zum Durchschnitt der Bevölkerung gewählt. Aber eben nur relativ, denn bei den unter 30-Jährigen ist die FDP drittstärkste Kraft, nicht die AfD. Auch die Grünen und Die Linke stehen besser da. Wie haben die drei jungen, unentschiedenen Wähler sich am Ende entschieden? Und wie erlebten sie den Wahlabend?

"Ich bin bis auf den AfD-Schock grundsätzlich zufrieden"

Manuel, 23, war vor der Wahl noch komplett unentschieden, nur eine weitere große Koalition wollte er auf keinen Fall.

Ich hatte befürchtet, dass es schlimmer werden würde. Dass die AfD mehr als 15 Prozent bekommen würde. Klar, es sind immer noch viel zu viele Menschen in Deutschland, die Hetze und Fremdenhass unterstützen. Es ist traurig, dass andere Parteien nicht geschafft haben, diese Menschen umzustimmen.

Aber es haben immerhin etwa 87 Prozent der Wähler nicht für die AfD gestimmt. Und statt der AfD wird die SPD Oppositionsführer. Die stärkste Regierungskritik wird damit von links und nicht von rechts kommen. Für die Sozialdemokraten ist das Ergebnis zwar eine deutliche Niederlage, aber so erhält sie die Chance, sich neu zu formieren. In einer erneuten großen Koalition wäre sie wieder untergegangen und hätte in vier Jahren ein noch schlechteres Ergebnis erzielt.

Das wollte ich unbedingt verhindern. Deswegen hatte ich vor der Wahl ausgeschlossen, für die SPD zu stimmen. Mein Problem: Von den anderen Parteien hatte mich auch keine überzeugt. Die FDP hat außer Christian Lindner nicht viele Argumente. Die Union hat eine Schwesterpartei, die man auch AfD-light nennen könnte. Die Linke kann utopische Forderungen ins Wahlprogramm schreiben, weil sie weiß, dass sie sowieso nicht regieren wird. Und die Grünen sind zwischen einem linken Flügel und einer Realo-Führung zerstritten.

Dass ich wählen wollte, wusste ich – nur wen? Je länger ich in der letzten Woche vor der Wahl den Wahlkampf verfolgte, desto mehr kristallisierten sich die zwei kleinsten Übel heraus: Links oder Grün. Links, weil die Partei im Gegensatz zur SPD noch glaubwürdig für soziale Gerechtigkeit kämpft. Spätestens seit der Agenda 2010 hat sich die SPD von klassisch sozialdemokratischer Politik verabschiedet. Die Linke will noch heute die ungerechten Hartz-Gesetze abschaffen.

Für die Grünen sprach, dass sie im Gegensatz zu den anderen Parteien den Klimawandel problematisieren. Der fiel im deutschen Wahlkampf höchstens durch seine Abwesenheit auf. Auf Twitter hatte ein offensichtlich mit der AfD sympathisierender Nutzer den Klimawandel geleugnet und mich beleidigt. In dem Moment spielte ich zum ersten Mal ernsthaft mit dem Gedanken, grün zu wählen.

Den Ausschlag gegeben hatte schließlich die Schlussrunde in der ARD, wenige Tage vor der Wahl. Bei diesem TV-Format diskutierte Katrin Göring-Eckardt von den Grünen mit Politikern der anderen großen Parteien. Sie sagte, dass die Grünen für ein Europa ohne Zäune stehen und eine einwanderungsfreundliche EU wollen. Auch dass ihrer Ansicht nach die anlasslose massenhafte Videoüberwachung nicht funktioniert, hat mich überzeugt.

"Ich bin bis auf den AfD-Schock grundsätzlich zufrieden mit dem Ergebnis."
Manuel

Ich glaube, mit den Grünen eine gute Wahl getroffen zu haben. Bei den Linken hat mir der Fokus auf dem Klimawandel gefehlt. Jetzt kommt es hoffentlich zu einer Jamaika-Koalition. Es wäre eine gute Mischung aus einer gemäßigten Union, die wegen der Grünen den Umweltschutz ernst nehmen muss und wegen der FDP nicht zu traditionalistisch werden kann.

Selbst damit, dass Angela Merkel noch mal Kanzlerin wird, kann ich mich anfreunden. Zwar bin ich gegen viele innenpolitische Forderungen der CDU, finde aber, dass Merkel international sehr erfolgreich und angesehen ist. Ich traue ihr zu, Deutschland auch vier weitere Jahre durch globale Krisen zu führen. Von daher bin ich bis auf den AfD-Schock grundsätzlich zufrieden mit dem Ergebnis. Vor allem bin ich froh, dass dieser anstrengende Wahlkampf nun endlich vorbei ist.