Wie kommen Jung und Alt zusammen, wie wird IT sicher? Und müssen alle Hipster nach Berlin? Bei Z2X17 suchten 800 junge Menschen Ideen zur Weltverbesserung.

Wie wollen wir lieben, leben, arbeiten? Bei der zweiten Ausgabe des Z2X-Festivals in Berlin suchten, diskutierten und gestalteten 800 Menschen zwischen 20 und 29 wieder ein Wochenende lang gemeinsam Antworten auf diese Fragen. Ein Workshop wollte mit Methoden der Psychotherapie politische Identitätskonflikte lösen, in einem anderen überlegten Teilnehmende, was man gegen sexistische Werbung tun kann. Der Satiriker Jan Böhmermann beantwortete die Fragen der Teilnehmenden über Provokation und Privatleben, Joe Huston von GiveDirectly.org sprach über die Effekte eines bedingungslosen Grundeinkommens in der Entwicklungshilfe. Die Violinistin Ji-Hae Park beschrieb ihren Weg aus der Überlastungsdepression, die Studentin Anna Madlener kritisierte die unnötige Verdichtung des Alltags der Generation 2X.   

Jan Böhmermann bei Z2X17
»Ich brauche die Aufmerksamkeit nicht«
Er zweifelt am Konsens und nennt sich selbst solide spießig: Jan Böhmermann spricht auf dem Z2X17-Festival über den Bundestagswahlkampf, die Rolle eines Künstlers und seine Steuererklärung.

Aus allen eingereichten Ideen und Workshops wählte die Jury für das Finale des Festivals zehn Projekte aus, die sich auf der großen Bühne des Radialsystem V allen Teilnehmenden präsentierten. Darunter waren ein Städte-Tinder, ein Generationen-Tinder, ein Meinungs-Tinder – und Tanzen für Grundschulkinder. Das Publikum stimmte mit Tischtennisbällen darüber ab, welche drei der zehn Finalisten ZEIT ONLINE, die Crowdfunding-Plattform Startnext und die Social Impact Labs künftig weiter verfolgen sollten. Ausgewählt wurden die Projekte Tante Inge, Internetwache.org und Insectus. Alle zehn Projekte im Überblick:

Tante Inge

Stell dir vor, du bist 80 und keiner besucht dich. Miriam Fehmann hat genau das gemacht und daraufhin in Heidelberg die Tante-Inge-Initiative mit initiiert. Ursprünglich kommt die Idee aus Berlin. Mit Tante Inge bringt Miriam Studierende der Uni Heidelberg mit Menschen Ü-60 zusammen. Ihr Team besteht aus zehn Leuten, Stück für Stück weiten sie ihr Angebot von Senioren-Initiativen auf Pflegeheime aus.

In Miriams Z2X-Workshop "Alte Säcke und junge Spunde" diskutierten dann auch sechs Seniorinnen und Senioren mit mehr als 30 2X-Jährigen über Digitalisierung, politische Teilhabe und Vergangenheitsbewältigung. Eine Forderung der Senioren: Gebt uns ein iPad!

Tante Inge möchte zwischen Ämtern und Einrichtungen vermitteln und Vorurteile abbauen über die Alten und die Jungen. Miriams größter Wunsch dafür: ein Tinder für Generationen. Das nächste Ziel für Tante Inge: Expansion in andere Städte. (Lena Fiedler)

Internetwache.org

Hacking ist eine Lebenseinstellung, sagt Tim Schäfers. Und eine Einstellungssache. Hacking müsse endlich ethischer werden. Tim ist ein guter Hacker: Er führt keine Cyberkriege, spioniert keine Unternehmen aus und kidnappt keine fremden Computer mit Software. Er will dafür sorgen, dass das Internet ein bisschen sicherer wird.

Tim studiert Wirtschaftsinformatik, hackt aber schon seit Schulzeiten. Mit 17 wies er Paypal auf eine Sicherheitslücke hin. Seitdem hat er bei diversen Unternehmen Lücken gefunden. Er meldet diese, damit sie gestopft werden können. Zuletzt fand er sogar heraus, dass viele deutsche Wasserwerke gehackt werden können, kritische Infrastruktur also.

Tim hat dafür, zusammen mit Sebastian Neef, die Plattform Internetwache.org gegründet. Sein Projekt soll zu einer zivilgesellschaftlichen Kraft werden, die sich um IT-Security kümmert. Denn das Thema Sicherheit ist viel zu wichtig, als dass sich nur Unternehmen und Geheimdienste darum kümmern. (Jakob Simmank)

Insectus

Diese Idee schmeckt nussig, ist vollgestopft mit Proteinen und holt den Hunger aus seinem Versteck. Weltweit leiden zwei Milliarden Menschen an Mangelernährung. Dem wenigen, was sie zu essen haben, fehlen wichtige Vitamine, Spurenelemente und Aminosäuren. Hidden Hunger nennen Experten das, versteckten Hunger. Das macht krank, besonders Kinder. Sie leiden an geschwächten Immunsystemen, ihre Körper wachsen nicht richtig oder sie kämpfen mit Behinderungen. Lea Bergmann sagt: "Hunger soll nicht hidden sein, sondern weg."

Wie das geht? Mit einer Delikatesse: den Larven der Soldatenfliege. Die sind nicht nur lecker, sondern auch ziemlich gesund. In ihnen steckt genug Eisen und Eiweiß, um die Mangelernährung ein gutes Stück weit zu bekämpfen. Und das kann einfach, günstig und langfristig funktionieren, sogar als Geschäftsmodell auf lokaler Ebene. In Sambia hat Lea zusammen mit Kommilitonen unter dem Projektnamen Insectus eine erste Insektenfarm aufgebaut. Hier wird die nährstoffreiche Nahrungsergänzung produziert, zu einem kleinen Preis.

Ziel ist es, Menschen vor Ort auszubilden, die mit ihrer eigenen Fliegenfarm sich selbst versorgen oder ein Geschäft starten. Hilfe zur Selbsthilfe. Larven gegen Hunger. Das klingt nach einem kleinen Projekt und ist es auch, aber es kann im großen Stil funktionieren. Und das macht die Welt für viele Menschen tatsächlich ein bisschen besser. (Sven Stockrahm)