Auf dem Bachelorstudium aufbauend oder ganz was Neues? Zu Hause oder im Ausland? An der FH oder an der Uni? Fünf Fragen zum Master, die man sich gestellt haben sollte

Jeder zweite Bachelorabsolvent macht weiter: 437.770 Masterstudenten waren im vergangenen Wintersemester in Deutschland eingeschrieben. Darunter besonders viele aus den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurstudiengängen und in Naturwissenschaften, zeigt der Studierendensurvey des Bundesbildungsministeriums. Deutsche Hochschulen bieten mehr als 8.000 Masterstudiengänge an, aber auch ein Master im Ausland kann sinnvoll sein. Welcher Master passt zu mir? Man muss sich darüber klar werden, was man vom Sudium erwartet. Diese fünf Fragen helfen dabei:

Uni oder FH?

Die Fachhochschule galt lange als kleine Schwester der Uni, die ihren Absolventen weniger Prestige und geringere Karrierechancen bietet. Doch es hat sich einiges getan: FH-Absolventen verdienen im Schnitt nur noch vier Prozent weniger als Uni-Abgänger, das geht aus einer aktuellen Studie der Online-Jobbörse Stepstone hervor. Die Unis sind dazu aufgerufen, berufsbezogener zu lehren und mehr Praktika zu integrieren; also das zu tun, was an der Fachhochschule Standard ist. Vor allem in technischen Branchen wie IT, Medizintechnik oder Feinmechanik wissen Arbeitgeber, dass die FH-Studenten bereits gelernt haben, ihr wissenschaftliches Können in der Praxis anzuwenden. Gleiches gilt für die Gesundheitsbranche, Touristik und Kultur. Fachhochschulen haben zudem oft gute Kontakte zu Unternehmen, was den Berufseinstieg erleichtern kann. Sie bieten meist kleine Lerngruppen und einen direkten Draht zum Dozenten. Laut dem Qualitätsmonitor des Hochschul-Informations-Systems (HIS) leidet an der FH nur jeder fünfte Student unter überfüllten Hörsälen. An der Uni ist es jeder zweite. Dafür ist dort die Auswahl an Master-Studiengängen größer, das Studium weniger verschult, und es wird mehr geforscht. Wer nach dem Master promovieren will, ist also an der Uni richtig. Neu ist: Seit Oktober 2016 darf auch die Hochschule Fulda, als erste deutsche FH, Doktortitel verleihen.

Großstadt oder Campusdorf?

"In Leipzig habe ich im Orchester gespielt und ging zum Kickboxen – die Freizeitangebote waren toll, aber an der Uni war ich nur eine Nummer. Ich saß mit 500 Leuten im Hörsaal, die Professoren kannten niemanden persönlich, und es interessierte keinen, ob ich zur Prüfung erschien oder nicht. Diese Freiheit hat mich gelehrt, für mich selbst Verantwortung zu übernehmen: zum Beispiel mich morgens zur Vorlesung aufzuraffen. Für den Master bin ich in die sächsische Kleinstadt Mittweida gezogen. Die hat halb so viele Einwohner wie die Uni Leipzig Studenten. In Mittweida fährt kein Nachtbus, es gibt keine Bars, keine kulturelle Szene und gerade mal einen Club. Dafür sind die Mieten günstig. Statt 500 habe ich nur noch zwölf Kommilitonen, aber zu allen eine enge Beziehung. In den Seminaren wird intensiv diskutiert. Wir können Vorschläge machen, welche Inhalte behandelt werden sollen. Vom Dozenten bekommen wir direkte, persönliche Rückmeldung; etwa die Begründung für eine Note. Für ein Gespräch mit ihm brauche ich keinen Termin. Ich gehe einfach hin. Aber: Wenn ich mehrmals hintereinander schwänzen würde, fiele das gleich auf."

Marianne Großmann, 25, studierte Kommunikations- und Medienwissenschaft in Leipzig. Für den Master in "Information and Communication Science" zog sie nach Mittweida

Zuhause oder Ausland?

9.200 deutsche Studenten haben 2015 einen Master im Ausland gemacht. Das hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Die Vorteile: Man studiert auf Englisch oder einer anderen Fremdsprache, lernt neue Kulturen kennen und kann den Charakter bilden. Will man mal in einem weltweit agierenden Konzern arbeiten, etwa als Wirtschaftswissenschaftler, macht sich ein Master aus dem Ausland gut. Deutsche Kommunikationswissenschaftler oder Psychologiestudenten bekommen zudem in den Nachbarländern Deutschlands mitunter leichter einen Studienplatz als zu Hause, wo es vielen der NC schwermacht. Die eigenen Fähigkeiten und Finanzen gut einzuschätzen ist in jedem Fall wichtig – egal, wie weit weg es geht. In England, Australien oder den USA zum Beispiel fallen fast immer Studiengebühren an, die schnell bei 5.000 Euro oder mehr pro Semester liegen. Außerdem werden Studienleistungen, die außerhalb Europas erbracht wurden, in Deutschland nicht unbedingt angerechnet. Angehende Juristen sollten besonders genau hinsehen: Sie sind auf die formale Anerkennung ihres Abschlusses angewiesen, um in Deutschland arbeiten zu dürfen. Ingenieure punkten bei der Bewerbung übrigens eher mit einer Spezialisierung als mit einem exotischen Studienort. Für sie ist ein Praktikum oder ein Gastsemester im Ausland sinnvoll.

Vollzeit oder nebenbei?

ZEIT Campus: Frau Fogolin, was unterscheidet den berufsbegleitenden Master von einem Vollzeit-Studium?

Angela Fogolin: Wer nebenberuflich studiert, ist zum Beispiel nach dem Bachelor in den Job eingestiegen und baut den Master nun um seine Berufstätigkeit herum: Man bewirbt sich für ein Studium, das als Fernstudium, in Teilzeit, am Abend oder am Wochenende möglich ist.

ZEIT Campus: Klingt anstrengend!

Fogolin: Ja, das klappt nicht locker nebenher: Es bedeutet im Schnitt 15 bis 20 Stunden zusätzlichen Arbeitsaufwand pro Woche. Man verzichtet meist auf Feiertage, opfert Zeit mit Freunden und lernt mitunter auch im Urlaub. Eine hohe Eigenmotivation ist notwendig sowie Disziplin und Ausdauer, um Beruf, Studium und Privatleben unter einen Hut zu bringen.

ZEIT Campus: Gibt es einen Kompromiss zwischen dem Studium in Vollzeit – und neben dem Beruf?

Fogolin: Als Alternative kommt ein Duales Studium infrage. Das wird auch für den Master angeboten. Hier hat man zwei Lernorte, ein Unternehmen, bei dem man studienbezogene Tätigkeiten wahrnimmt, und die Hochschule, an der man studiert. Die Studienphasen finden an bestimmten Tagen in der Woche oder mehrere Wochen am Stück statt. Ansonsten ist man im Unternehmen und nimmt dort auf den Studiengang abgestimmte Tätigkeiten wahr. Dafür wird man vom Unternehmen bezahlt, unabhängig davon, ob gerade eine Arbeitsphase im Unternehmen oder eine Studienphase an der Hochschule stattfindet.

ZEIT Campus: Wo ist der Haken?

Fogolin: In der Regel bindet man sich nach dem Studium für einen festgelegten Zeitraum an das Unternehmen. Man muss also mehrere Jahre dort arbeiten. Wer unbedingt vorher den Arbeitgeber wechseln will, ist unter Umständen dazu verpflichtet, die Studiengebühren an das Unternehmen zurückzuzahlen. Ein weiterer Haken sind eventuelle Promotionspläne: Man sollte prüfen, ob es möglich ist, nach dem jeweiligen dualen Master zu promovieren. Das ist nämlich eher die Ausnahme, da duale Masterstudiengänge in der Regel anwendungsorientiert und weniger forschungsorientiert ausgerichtet sind.