Er flog von der Schule, schmiss sein Studium, verdiente als Kunstfälscher Millionen und landete im Knast. Wolfgang Beltracchi über Drogen und wie man einen Picasso malt.

Wolfgang Beltracchi war Kunstfälscher. 25 Jahre lang malte er Bilder im Stil von modernen Künstlern wie Max Ernst, Heinrich Campendonk oder Max Pechstein, fälschte Stempel der Galerien und ließ sich von Kunsthistorikern Gutachten ausstellen. Auktionshäuser in New York, Paris und London verkauften seine Gemälde als Originale. Der heute 67-jährige Beltracchi verdiente Millionen. Im Jahr 2010 flog der Schwindel auf. Wolfgang Beltracchi und seine Ehefrau Helene wurden zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Heute leben sie in Montpellier. Bei einem Besuch in Aachen trafen wir ihn in seiner ehemaligen Studentenkneipe. Wolfgang Beltracchi sprach über die Pornohefte seiner Jugend, LSD-Trips und das Mittagessen von Claude Monet.

ZEIT CAMPUS: Sie begannen bereits mit 17 Jahren an der Werkkunstschule Illustration und Grafik zu studieren. Sind Sie freiwillig vom Gymnasium gegangen?

Wolfgang Beltracchi: Ich bin geflogen, weil ich in den Pausen Pornohefte verkauft hatte. Das war Ende der Sechziger, da lag in Deutschland noch kein Playboy am Kiosk. Die Bademode im Quelle-Katalog war für viele das Schärfste, was sie zu sehen bekamen. Ich habe neben der Schule als Kellner in einem Nachtclub gearbeitet, die Pornos waren nur mein Nebengeschäft. Meine Mutter bestimmte: "Junge, du gehst an die Werkkunstschule."

ZEIT CAMPUS: Brauchte man da kein Abi?

Beltracchi: Das Bewerbungsverfahren war ähnlich wie heute: Man musste eine Mappe einreichen und drei Tage in einem Atelier arbeiten. Ich habe Bilder und Zeichnungen der vergangenen zwei, drei Jahre in meine Mappe gepackt. Es hatten sich etwa 700 Leute auf knapp 40 Plätze beworben. Verrückt war, dass ein Thema damals zum ersten Mal aufkam: Die Prüfer glaubten, die eingereichten Bilder wären gefälscht.

Mein Vater wollte nicht öffentlich mit mir gesehen werden.

ZEIT CAMPUS: Stimmte das?

Beltracchi: Nein, meine Arbeiten waren handwerklich bereits so gut. Die Prüfer vermuteten, dass ein Absolvent die Bilder gemalt habe. Damit sie mir glaubten, musste mein ehemaliger Kunstlehrer bezeugen, dass sie wirklich von mir waren.

ZEIT CAMPUS: Wir sitzen im Domkeller, wo Sie als Student viele Abende verbrachten. Wie kann man sich Ihr Studentenleben vorstellen?

Beltracchi: Wir haben viel Wein getrunken, gequatscht und gekifft. Dazu lief Musik, die jetzt auch gerade läuft, Pink Floyd. Sie müssen wissen, viele Künstler waren damals seriöse Leute. Ich hatte lange Haare, trug Lederjacke und fuhr eine Harley-Davidson. Ich bin zu Beuys gepilgert. Ich war der Freak, der Außenseiter. Mein eigener Vater wollte nicht öffentlich mit mir gesehen werden.

ZEIT CAMPUS: Nach sechs Semestern haben Sie das Studium geschmissen. Warum?

Beltracchi: Malen konnte ich längst. Ich bin nur hingegangen, weil ich Zeichnen lernen wollte. Mich hat der Abschluss nicht interessiert. Ich habe auch erst später gemerkt, dass man überhaupt Scheine bekommen musste. Dann kam der Brief mit der Exmatrikulation.