Jedes Jahr verbringen rund 40.000 deutsche Studenten ein oder mehr Semester im Ausland. Die meisten wollen nach Spanien, gefolgt von Frankreich, Großbritannien und Schweden. Das zeigt ein Bericht, den die Europäische Kommission im Januar veröffentlichte. Sprachen lernen, Leute kennenlernen, Abenteuer erleben: Gute Gründe, um ins Ausland zu gehen, finden wir. Ehe man die Koffer packt, sollten aber einige Dinge klar sein. Dieser Fragenkatalog hilft dabei, die Reise vorzubereiten.

1. Wie komme ich ins Ausland?

Die beliebteste Möglichkeit, ein oder zwei Semester an einer Hochschule im Ausland zu verbringen, ist das EU-geförderte Erasmus-Programm. Im Jahr 2015 nahmen fast 300.000 Studenten teil. Doch auch über die Erasmus-Partnerschaften hinaus pflegen viele Hochschulen Kooperationen mit Unis im Ausland. Die Studiengebühren werden an der Partner-Uni meist erlassen. Auch dass die Creditpoints aus dem Ausland zu Hause anerkannt werden, ist in der Regel gesichert. Man kann natürlich auch ohne Erasmus und Partner-Uni eine Hochschule im Ausland suchen. Der Organisationsaufwand ist dann aber sehr viel höher: Bewerbungsmodalitäten, Finanzierung oder die Anerkennung der Studienleistungen müssen geklärt werden. Eine weitere Möglichkeit, eine Zeit lang im Ausland zu studieren, sind binationale Bachelor oder Master. Dabei verbringt man die Hälfte des Studiums in Deutschland, die andere an der Partner-Uni. Den Abschluss erhält man von beiden Hochschulen. Der Haken: Es gibt vergleichsweise wenige dieser Studiengänge in Deutschland. Und es ist schwer, einen Platz zu bekommen, sehr gute Noten und Sprachkenntnisse werden vorausgesetzt. Man braucht Empfehlungen von Lehrern oder Profs und ein überzeugendes Motivationsschreiben.

2. Wo will ich hin?

Ob man einen Flug ans andere Ende der Welt oder ein Zugticket ins nächstgelegene Nachbarland bucht, hängt davon ab, was man aus seinem Auslandssemester mitnehmen möchte. Alle Motive sind legitim, entscheidend ist, dass man sie kennt und dementsprechend plant. Wer beispielsweise als Wirtschaftswissenschaftler starke Wachstumsmärkte kennenlernen will, könnte sich in China oder Brasilien nach Unis umschauen. Vielen geht es primär darum, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern und mit einer Zeile mehr im Lebenslauf heimzukehren. Dann gilt es, abzuwägen: Will ich Spanisch an einer kleinen spanischen Partner-Uni lernen – oder, mit höherem Aufwand, ein Semester in Lateinamerika organisieren? Manche legen Wert auf den Ruf der Gast-Uni – unabhängig davon, wie interessant das Leben drumherum ist. Das Land und seine Menschen, lokale Bars oder Folkloretänze kennenzulernen, steht für einige im Vordergrund. Wieder andere wollen Nieselwetter eintauschen gegen Palmenschatten nach der Uni oder Wochenendtrips zum Amazonas. Ihnen dürfte der Erlebnisfaktor wichtiger sein als das Hochschul-Ranking. Ziele mit Südsee-Feeling kann man übrigens auch unter den Erasmus-Partnern finden. Guadeloupe, Martinique, La Réunion oder Neukaledonien etwa sind Überseedepartements von Frankreich.

3. Wann und wie lange?

Die meisten Studenten gehen im vierten oder fünften Semester ihres Bachelorstudiums oder im dritten Semester des Masters ins Ausland. Das zeigt eine Studie des Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung von 2013. Manche Studiengänge schreiben einen Auslandsaufenthalt vor, oft sogar zu einem bestimmten Zeitpunkt und von bestimmter Länge.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert 36 Studiengänge in Deutschland mit seinem Programm Bachelor-Plus. Den Studenten wird dabei ein viertes Studienjahr finanziert, das für Auslandsaufenthalte genutzt werden muss. In jedem Fall sollte man sich die Studienordnung genau anschauen. Oft bauen Module an der Heimat-Uni zum Beispiel aufeinander auf. Verpasst man den Grundkurs und kann darum nicht an dem aufbauenden Kurs teilnehmen, muss man unter Umständen ein Semester warten und wäre besser gleich ein ganzes Jahr im Ausland geblieben. Möglich ist auch, mit dem Prüfungsamt zu verhandeln, ob man die Abschlussarbeit im Ausland schreiben oder dort sein Pflichtpraktikum dranhängen darf. Meistens profitiert man von längeren Aufenthalten: Es dauert, bis man sprachlich fit ist und Einheimische kennengelernt hat. Nach einem Semester hat man sich oft gerade erst eingelebt und muss schon wieder nach Hause.

4. Wie finde ich eine gute Uni?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 3/17.

Insgesamt kooperieren 280 deutsche Hochschulen mit 4.100 ausländischen Universitäten in 141 Staaten. Gar nicht so leicht, dabei das spannendste Angebot für sich herauszufinden. Dozenten und zurückgekehrte Studenten können helfen: Dozenten wissen unter Umständen, welche Unis in bestimmten Forschungsgebieten führend sind. Auslandserprobte Kommilitonen können berichten, wie gut das Kursangebot oder die persönliche Betreuung sind – und ob man mal blaumachen kann oder nicht. Auch das International Office der eigenen Hochschule weiß mehr: Wer hat die renommiertesten Professoren? Wo werden gerade vielversprechende Fachgebiete aufgebaut? In der eigenen Fachliteratur kann man schauen, von welcher Hochschule noch mal die spannende Studie war, die man letztens gelesen hat. Ein weiterer Hinweis: Gütesiegel, die ausländische Studiengänge und Hochschulen tragen. Das International Office verfügt über entsprechende Datenbanken. Gerade in den USA gibt es einige schwarze Schafe, die vielleicht großartige Marketingteams haben und darum bei der Google-Suche zuerst auftauchen, aber völlig überfüllte Kurse anbieten, eine mies bestückte Bibliothek oder schlechte Lehrpläne. Ist eine Uni mit einem Gütesiegel von AACSB International, EQUIS und AMBA ausgezeichnet, kann sie aber nicht verkehrt sein. Auf hochschulkompass.de lässt sich prüfen, ob ein Anbieter staatlich anerkannt ist – oder nur Zeugnisse gegen viel Geld ausstellt.

5. Wie bezahle ich das?

Ob man ins Ausland geht und wie lange ist auch eine Frage des Geldes. Wer als Erasmus-Student ins Ausland möchte, muss die anfallenden Studiengebühren an der Partner-Uni in der Regel nicht zahlen. Mit Erasmus kriegt man darüber hinaus einen "Mobilitätszuschuss" von bis zu 300 Euro im Monat, um einen Teil der Lebenshaltungskosten zu decken. Organisiert man sich den Aufenthalt selbst, kann es teuer werden. England gilt, was die Studiengebühren angeht, mit über 10.000 Euro jährlich als teuerstes Studienland in Europa. In den USA ist es oft sogar noch teurer. Gering sind die Studiengebühren dagegen in Skandinavien. In Polen, Uruguay oder Irland gibt es gar keine. Einen Antrag auf Auslands-Bafög sollte man in jedem Fall stellen: Das können auch Leute bekommen, die für herkömmliches Bafög zu viel gespart oder zu gut verdienende Eltern haben. Auch ein komplettes Studium innerhalb Europas kann so unterstützt werden. Außerhalb der EU und der Schweiz ist das maximal ein Jahr lang möglich. Einmalig gibt es dazu höchstens 4.600 Euro für Studiengebühren geschenkt und zum Beispiel Reisekostenzuschüsse. Diese Posten übernehmen auch manche Stipendien. Viele Förderprogramme von zahlreichen Stiftungen, Vereinen und Instituten werden online unter auslandsstipendien.de aufgelistet. Wer kein Stipendium bekommt, kann einen Bildungskredit aufnehmen. Das staatliche Darlehen ist auch in Kombination mit einem Stipendium möglich und kann zwischen 1.000 und 7.200 Euro betragen.