Mit Laptop im Bett oder mit Kollegen im Büro? Was Räume für den Spaß bei der Arbeit bedeuten

ZEIT Campus: Herr Rambow, lange hieß es: In Zukunft werden immer mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten. Jetzt hat die Technikfirma IBM das Homeoffice abgeschafft, genauso wie Yahoo. Warum?

Riklef Rambow: Die Begründung der Unternehmen lautet, dass die physische Nähe der Mitarbeiter erforderlich sei, um Kreativität und Innovation zu steigern. Tatsächlich gibt es Studien, die das belegen.

ZEIT Campus: Ist das Homeoffice also tot?

Rambow: Nein. Viele arbeiten mit mobilen Geräten wie Tablets auch im Zug, auf Messen, im Hotel. Für Unternehmen hat es natürlich Vorteile, wenn Mitarbeiter ständig einsatzbereit sind und von überall aus arbeiten können. Man nennt das Mobile Office. Anders als das Homeoffice ersetzt es in der Regel nicht das klassische Büro, sondern ergänzt es. Und: Unternehmen wie Google und Apple investieren gewaltige Summen in Arbeitsplätze, die so attraktiv sind, dass die Mitarbeiter womöglich gar nicht mehr nach Hause gehen wollen.

ZEIT Campus: Sollte man sich also im Büro genauso wohlfühlen wie zu Hause, mit Hausschuhen und Hund unterm Schreibtisch?

Rambow: Auf keinen Fall. Natürlich sollte niemand in einem Büro arbeiten müssen, in dem er sich unwohl fühlt. Psychologisch gesehen ist es aber wichtig, sich im Büro anders zu verhalten und zu fühlen als daheim. Das fördert die Konzentration, ein professionelles Miteinander und mindert die Gefahr, dass sich Mitarbeiter für ihre Arbeit zu stark aufopfern.

ZEIT Campus: Hier in Deutschland sind viele Büros ziemlich hässlich: mit grauem Teppich, dörren Gummibäumen und Raufasertapeten. Woran liegt das?

Rambow: Viele Firmen wissen nicht, in welchem Maße es sich lohnt, in einen gut gestalteten Arbeitsplatz zu investieren. Das liegt daran, dass der Nutzen nicht offensichtlich ist: Wenn ich eine neue Maschine mit mehr Leistung kaufe, kann ich mir das Ergebnis ausrechnen. Bei einem neuen Büro nicht.

ZEIT Campus: Sie meinen, das Umdekorieren lohnt sich für die Unternehmen?

Rambow: Ja, insbesondere im Bereich IT, wo Fachkräfte knapp werden, muss man etwas ändern, um gute Mitarbeiter zu finden und zu halten. Da reicht es nicht, ein ordentliches Gehalt zu bieten. Also versuchen sich die Firmen anders von der Konkurrenz abzusetzen – etwa mit der Gestaltung der Büros.

ZEIT Campus: Im Silicon Valley gibt es Büros mit Swimmingpools oder Kletterwänden, an denen sich die Mitarbeiter austoben können. Werden wir künftig alle so arbeiten?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 4/17.

Rambow: Das glaube ich nicht. Im Gegenteil. Kaum ein Unternehmen kann sich einen Luxus wie zum Beispiel bei Apple leisten. Aber die Chefs müssen auch nicht gleich Millionen von Euro für einen Neubau ausgeben. Oft reichen schon gezielte kleinere Maßnahmen, um die Arbeitsatmosphäre zu verbessern.

ZEIT Campus: Ein Kickertisch?

Rambow: Ein Kickertisch wird in der Regel nur von einem Teil der Mitarbeiter in einer Firma genutzt. Die anderen sind genervt von dem Lärm. Man braucht Verbesserungen, die alle betreffen: bequeme Sitzgruppen in der Kantine oder eine andere Anordnung der Arbeitsplätze. Oft hilft es, eine Wand zu öffnen und so eine Sichtbeziehung zwischen zwei Kollegen zu schaffen. Viele ältere Bürogebäude sind unvorteilhaft gebaut, die Menschen sitzen dort voneinander abgeschottet.