Mit dem Master ins Berufsleben oder doch promovieren? Zehn Tipps für Mint-Absolventen

Wo kann ich als Lebensmitteltechnologe arbeiten?

Überall da, wo es um Essen geht. "Lebensmitteltechnologen sind Vernetzer. Sie verstehen das Produkt und können Maschinen entwerfen", sagt Jan Schneider, der stellvertretende Leiter des Instituts für Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Lebensmitteltechnologen arbeiten in der Entwicklungsabteilung von Unternehmen, wo sie neue Produkte erfinden, im Anlagenbau oder im Labor, wo die Produktqualität analysiert wird. Manche kümmern sich um die Kläranlage von Brauereien, andere sind zum Beispiel Referenten für Lobbyverbände oder arbeiten als Patentprüfer. Man kann sich auch selbstständig machen: "Es sind derzeit gute Zeiten für Start-ups, auch in der Lebensmittelbranche", sagt Bianca Burmester, Geschäftsführerin des Branchenportals foodjobs.de.

Wie stehen die Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden?

Seit 2013 trinkt kaum jemand mehr Bubble-Tea, dieses süße Getränk mit den bunten Kügelchen, das man vor einigen Jahren plötzlich an jeder Straßenecke kaufen konnte. Der Hype ist so schnell verflogen, wie er gekommen ist. Gut für Lebensmitteltechnologen: "Der Bedarf an Produktentwicklern ist hoch, weil die Lebenszeit von Produkten immer kürzer wird", sagt Jan Schneider. Auf foodjobs.de suchen 20 Prozent der Firmen Lebensmitteltechnologen für die Forschung und Entwicklung, nur im Qualitätsmanagement sind sie noch gefragter.

Bianca Burmester hat das Stellenangebot ausgewertet: Besonders im Handel werden Leute gesucht, die neue Rezepturen verkaufen und Kunden betreuen können. Für Lebensmitteltechnologen waren nach Angaben der Agentur für Arbeit im vergangenen Jahr nur 190 Stellen ausgeschrieben. " Das ist wenig, viel mehr werden in Online-Jobbörsen ausgeschrieben. Und: 92 Prozent aller Lebensmitteltechnologen finden spätestens sechs Monate nach dem Studium einen Job", sagt Burmester. Grundsätzlich gibt es in der Mint-Branche in den nächsten Jahren weiterhin einen hohen Bedarf an Arbeitskräften. Bis 2019 werden jährlich 53.700 Mint-Absolventen gebraucht, danach sogar 59.000. Das hat der aktuelle Mint-Herbstreport des Instituts der deutschen Wirtschaft ergeben. Laut Job-Trends 2016, einer Studie des Staufenbiel Instituts, suchen Unternehmen vor allem Informatiker und Wirtschaftsingenieure mit Master.

Hilft es zu promovieren, um einen Job zu bekommen?

Nach dem Master reizt es viele Naturwissenschaftler, sich ein paar Jahre lang noch tiefer mit ihrem Fach zu beschäftigen. So haben beispielsweise rund 80 Prozent der Chemieabsolventen im Jahr 2016 eine Promotion begonnen, das hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker ermittelt. Das Interesse am Fach ist dafür nicht der einzige Grund: Für Naturwissenschaftler ist der Berufseinstieg meist nur mit Doktortitel möglich. In der Lebensmitteltechnologie ist das anders. "Die meisten finden bereits mit einem Master gute Jobs", sagt Roman Werner, der an der TU München am Standort Freising in Brau- und Getränketechnologie promoviert und Studenten zur Promotion berät.

Auch beim Konsumgüterkonzern Unilever, zu dem unter anderem die Lebensmittelmarken Ben & Jerry’s und Knorr gehören, sei keine Promotion nötig, sagt Julia Schneider, die für Unilever Nachwuchskräfte einstellt. Lebensmitteltechnologen starten bei Unilever vorrangig in einem Management-Nachwuchsprogramm, in den Bereichen Forschung und Entwicklung oder Optimierung der Liefer- und Wertschöpfungskette. Auch auf foodjobs.de verlangen nur sechs von 120 Stellenanzeigen für Lebensmitteltechnologen eine abgeschlossene Promotion. Eine Ausnahme gibt es: Wer in der Wissenschaft bleiben will, braucht den Doktortitel.

Welche Vorteile und Nachteile hat eine Promotion?

Für Lebensmitteltechnologen gelten hier die gleichen Regeln wie für Absolventen anderer Fächer. Arbeitgeber schätzen an Promovierten, dass sie über lange Zeit hartnäckig an einer Forschungsfrage arbeiten können und dabei nicht die Motivation verlieren. Das zahlt sich aus: Zwar bekommt man während der Promotion in den meisten Fällen nur ein vergleichsweise niedriges Gehalt als wissenschaftlicher Mitarbeiter – dafür sind die Löhne mit einem Doktortitel höher als mit einem Master. Der gute Ruf des Titels macht sich manchmal auch bei der Stellenbesetzung bemerkbar. Das gilt ebenfalls für die Absolventen anderer Mint-Fächer. "Große Maschinenbauunternehmen achten öfter auch auf einen Doktortitel, wenn sie Führungspositionen besetzen", sagt Roman Werner. Masterabsolventen, die direkt einsteigen, haben hingegen anfangs einen Gehaltsvorsprung und können wichtige Arbeitserfahrung sammeln.

Wo mache ich die Promotion am besten?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 4/17.

Wo man promoviert, kann man sich selbst aussuchen: an der Uni, in einem wissenschaftlichen Institut oder Labor, das unabhängig von Hochschulen ist, oder im Unternehmen. Für Ersteres haben sich im Jahr 2014 fast drei Viertel der Doktoranden in den Naturwissenschaften entschieden. Das ergab die Promoviertenbefragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. Wer an der Uni seine Dissertation schreibt, ist dort in der Regel angestellt und muss meistens zusätzlich Seminare für Studenten halten oder den Professoren assistieren.

Bei der Promotion im Unternehmen sind die Themen stärker auf die jeweiligen Produkte der Firma ausgerichtet, außerdem ist es wahrscheinlich, danach eingestellt zu werden. Aber nur wenige Firmen bieten diesen Weg überhaupt an. Einen Mittelweg geht Tanja Bantleon. Die Lebensmitteltechnologin promoviert weder an der Uni noch im Unternehmen, sondern forscht am Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte in Berlin daran, wie man aus dem Getreide Amarant glutenfreie Nahrungsmittel herstellen kann. Aber sie sagt: "Ich kann mich hier nicht zu hundert Prozent auf meine Promotion konzentrieren, da ich auch bei anderen Forschungsprojekten am Institut mitarbeite."