Acht Monate waren Miriam und Mandy getrennt. An einem Wochenende kommen sie sich wieder nah.

Mandy

Es war an einem Freitag im November. Miriam war für ein Blockseminar in Heidelberg, und ich besuchte sie übers Wochenende in ihrer Airbnb-Wohnung. Im März hatten wir uns getrennt, seitdem aber täglich telefoniert. Mit der Zeit waren unsere Gespräche immer intensiver geworden. Jetzt wollten wir uns wiedersehen. Es war klar, dass ich bei Miriam übernachten würde. Aber ob was läuft? Da war ich mir vorher nicht sicher. Ich hatte mir trotzdem neue Unterwäsche gekauft, schwarze Spitze. Miriam hatte den roten Pulli an, den ich so gerne an ihr mag.

Miriam

Ich nenne Mandy manchmal "Grumpy Cat", weil sie beim Lächeln kaum die Mundwinkel verzieht. So lächelte sie auch, als sie an diesem Abend aus dem Auto stieg. Um mich zu überraschen, war sie drei Stunden zu früh angekommen. Ich holte sie vom Parkhaus ab und trug dabei noch meinen Kuschelpulli – ich hatte keine Zeit mehr, um mich für sie schön zu machen. Auch zu kochen, hatte ich nicht mehr geschafft. Also gingen wir zum Thai-Imbiss bei mir um die Ecke.

Mandy

Draußen war es kalt. Trotzdem saßen wir nach dem Essen noch lange vor dem Haus, haben geraucht und geredet, vor allem über Miriams Arbeit. Sie ist Köchin und studiert parallel Gastromanagement. Das war ein Grund, warum wir uns getrennt haben. Miriam hat fast 80 Stunden pro Woche gearbeitet. Sie war damals gestresst, sprach kaum über ihre Gefühle und wollte nicht mehr mit mir schlafen. Das hat mich verunsichert, wir waren damals noch nicht lange zusammen. Miriam war meine erste Freundin. Sie war schon seit sechs Jahren geoutet. Ich dachte, sie hat sehr hohe Erwartungen an mich, deshalb war ich gehemmt. Irgendwann hielt ich die Situation einfach nicht mehr aus.

Miriam

Mit mir zusammen zu sein ist, glaube ich, ziemlich anstrengend. Auch sexuell: Ich bin schwer zu stimulieren und wenn, dann nur klitoral. Es war nicht langweilig, mit Mandy zu schlafen. Ich weiß noch, dass sie mich oral auch mal befriedigt hat. Aber sie war ein bisschen unbeholfen dabei. Das hat mich eigentlich nicht gestört, aber irgendwie war im Bett die Stimmung zwischen uns angespannt.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 4/17.

Mandy

Ich könnte Miriam den ganzen Tag nackt sehen. Ihre Haut ist dunkel und makellos, ganz anders als meine. Als wir an dem Abend in Heidelberg in die Airbnb-Wohnung kamen, gingen wir zusammen unter die Dusche. Sie zeigte mir ihr neues Tattoo: ein Unendlichkeitszeichen am Schlüsselbein. Wir nahmen uns in den Arm, küssten uns, ganz vorsichtig. Später, im Bett, sind wir aber übereinander hergefallen. Ich glaube, ich war sehr fordernd, und Miriam schien das zu gefallen. Seit ein paar Monaten habe ich eine gute Freundin, die auch lesbisch ist. Mit ihr habe ich viel über Sex mit Frauen gesprochen. Das hat mich sicherer gemacht.

Miriam

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, Mandy hat vorher mit jemandem geübt. Sie war total hemmungslos, ganz anders als früher. Wir haben in der Nacht gleich fünf- oder sechsmal miteinander geschlafen und jedes Mal lange und intensiv. In dem Moment fühlte ich mich ihr wieder ganz nah. Ich glaube, an diesem Wochenende haben wir uns zum ersten Mal richtig aufeinander eingelassen. Im Bett, aber auch gefühlsmäßig.

Mandy

Das restliche Wochenende haben wir jeden Tag miteinander geschlafen. Am Montag musste ich schon um sechs Uhr wieder zurückfahren. Zum Abschied haben wir uns lange umarmt und geküsst. Bis ich Miriam gefragt habe, ob wir offiziell wieder ein Paar sein wollen, hat es noch ein paar Monate gedauert. Doch nach diesem Wochenende in Heidelberg war mir klar, dass ich wieder mit ihr zusammen sein will.

 Ein Moment, zwei Perspektiven: Laura Cwiertnia fragt zwei Menschen unabhängig voneinander nach einem gemeinsamen Erlebnis. Miriam und Mandy wollten offen über Gefühle sprechen, aber ihre Nachnamen für sich behalten. Auch was zu erzählen? Schreibt an: laura.cwiertnia@zeit.de