Denn es heißt, Verantwortung zu übernehmen. "Das hasse ich", sagt die Schauspielerin im Interview.

Knutschen, koksen, kotzen: Der Skandalroman "Axolotl Roadkill" von der als Wunderkind gefeierten Schriftstellerin Helene Hegemann kommt am 29. Juni in die Kinos. "Axolotl Overkill" heißt die Verfilmung. Jasna Fritzi Bauer, 28, spielt die Hauptrolle: die 16-jährige Mifti. Als Teenager wollte Jasna Musicalstar werden, bewarb sich dann aber an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin. Während des Studiums drehte sie Kinofilme, gewann Nachwuchspreise und spielte Theater. Zum Interview in der Mensa kommt sie mit Bente, ihrem Jack-Russell-Terrier. "Er muss jetzt in die Bibliothek, wie früher", sagt sie.

ZEIT Campus: In dem Kinofilm Axolotl Overkill knutschst du mit der schizophrenen Ophelia. Die wird von Mavie Hörbiger gespielt, deiner besten Freundin. Wie war das?

Jasna Fritzi Bauer: Dem Film hat es gutgetan, dass Mavie und ich uns so lange kennen. Wir koksen und tanzen, liegen uns in manchen Szenen in den Armen. Mit einer fremden Frau wäre vielleicht nicht so viel Nähe entstanden. Aber das Knutschen war unangenehm. Wir wollen das nicht wieder tun.

ZEIT Campus: So schlimm?

Jasna: Vor ein paar Jahren haben Mavie und ich mit diesem Haftbefehlwitz angefangen. Wir nennen uns gegenseitig Brudi, haben beide Brudiletten und einen Brudipulli. Aber: Brudis küsst man nicht, oder?

ZEIT Campus: Auch mit Helene Hegemann, die das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat, verbindet dich eine Freundschaft. Wie ist es, mit Freundinnen zu arbeiten?

Jasna: Großartig! Wir konnten ganz offen miteinander umgehen. Man muss nur versuchen, Arbeit und Freundschaft zu trennen.Wenn wir uns morgens am Set treffen, bin ich Jasna, die Schauspielerin, und Helene ist die Regisseurin. Sie war bei den Dreharbeiten erst 23, und ich war sehr beeindruckt von ihrer Professionalität. Sie wusste genau, was sie wollte, und hat ihr Ziel vor allen verteidigt. Abends gingen wir als Freundinnen essen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 4/17.

ZEIT Campus: Du spielst die 16-jährige Mifti. Was ist das für ein Mädchen?

Jasna: Mifti ist kindlich, wenn sie morgens nicht aufstehen will, aber total abgeklärt, wenn es um die Liebe geht. Sie hat eine Affäre mit einer sehr viel älteren Frau, die sie aber nicht richtig will. Mifti leidet deshalb den ganzen Film über unter schlimmem Liebeskummer. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater vergnügt sich mit einer neuen Frau und ist nicht für sie da. Mifti hat Sex mit einem Taxifahrer, feiert drei Tage durch, schließlich schmeißt die Direktorin sie von der Schule.

ZEIT Campus: Es ist eine typische Rolle für dich. In fast allen deiner Filme spielst du Teenager, die nicht auf ihr Leben klarkommen – in Ein Tick anders, in Scherbenpark, in About a Girl. Bist du gerne die ewige 16-Jährige?

Jasna: Nein, es langweilt mich. Ich möchte nicht noch zehn Jahre lang Jugendliche spielen. Inzwischen sieht man hier um die Augen und um den Mund auch Falten, wenn die Kamera vor meinem Gesicht ist. Aber ich kann mir die Rollen nicht aussuchen, und wenn mir das Drehbuch gefällt, sage ich zum Regisseur: "Ich bin mehr als zehn Jahre älter als die Figur, aber wenn du meinst, kriegen wir das hin."

ZEIT Campus: Fühlst du dich erwachsen?

Jasna: Erwachsensein heißt, Verantwortung zu übernehmen, das hasse ich. Ich will mich nicht drum kümmern, dass ich versichert bin und Geld auf dem Konto habe. Ich denke auch nicht ans Kinderkriegen. Fuck it! Erwachsensein ist voll anstrengend. Vielleicht sind wir deshalb alle Schauspieler geworden. Wir wollen nicht erwachsen werden.

ZEIT Campus: Ist das Eskapismus?

Jasna: In unserer Spielwelt ist alles möglich. Ich kann Krankenschwester sein, Ärztin oder Mörderin. Um das alles zu spielen, musst du das Kind in dir bewahren.

ZEIT Campus: Wirst du nach deinem Ausweis gefragt, wenn du Kippen kaufst?

Jasna: Mein Aussehen bringt das leider mit sich. Auch wenn ich nach einer Vorstellung in der Theaterkantine einen Wein trinke. Es gibt Leute, die mich dann erzürnt anschauen und meine Kollegen fragen, was das soll. Ich werde nicht ernst genommen. Die Leute wollen mich beschützen und nehmen nicht wahr, dass ich eine Meinung habe und selbst entscheide. Wenn die anderen mit mir umgehen, als wäre ich ein Kind, verhalte ich mich eben so, als wäre ich fünf. Dann bin ich bockig.

ZEIT Campus: Hast du gezögert, die Rolle in Axolotl Overkill anzunehmen und wieder ein 16-jähriges Mädchen zu spielen?

Jasna: Nein. Ich habe Helene Hegemann vor sechs Jahren auf einer Party in Berlin kennengelernt. Danach hörte ich zwei Jahre nichts von ihr, und dann schickte sie mir bei Facebook das Drehbuch. Ich schrieb zurück, dass ich jetzt erst mal Vorstellungen am Theater hätte und nicht versprechen könne, wann ich es lesen würde. Aber dann habe ich angefangen und noch nachts geantwortet, dass ich dabei bin. Das Drehbuch ist total anders als alles, was man kennt.

ZEIT Campus: Hast du auch den Roman von Helene Hegemann gelesen?