Knöchel waren lange nackt. Diesen Sommer trägt man endlich wieder Socken.

Wenn es um Mode und Erotik geht, ist ein Kleidungsstück ungeliebt: die Socke. Anders als ihre Verwandten, die Strapse, gilt sie im Bett als Stimmungstöter. Auch in Langzeitbeziehungen ist sie unzuverlässig: Aus der Waschmaschine zieht man sie oft als Single raus.

In den letzten Jahren verschwanden die Socken deshalb immer mehr im Schuh. Sie wurden zu Füßlingen, deren Träger ihre Knöchel zu jeder Jahreszeit nackt präsentierten. Männliche Sneakerfans krempelten die Hosen hoch und zeigten Beinhaar oder Stoppeln. Selbst einige Banker gingen mit nackten Knöcheln zur Arbeit.

Damit ist jetzt Schluss. Die Socken sind zurück. Warum? Darum! In der Mode gilt schon immer: Je weniger Menschen das Outfit verstehen, desto besser ist es. Und dass Tennissocken plötzlich nicht mehr ein Zeichen für Käsemauken sind, sondern als Fashion-Statement gelten, das kapiert fast niemand.

Kombiniert werden Socken in diesem Sommer zu Sandalen, zum Rock, zur Krempeljeans und zu Shorts, am liebsten mit Logos. Die Auswahl reicht von Glitzersocken über Rüschensocken bis hin zu Modellen mit Schleifen, Pailletten, Mustern. Sprüche und Statements sind von der Brust auf den Fuß gewandert. "Girl Power" oder "Nerd" kann man am Knöchel lesen.

Nichts für Sparstrümpfe sind hingegen die neuen Modelle von Gucci (350 Euro für bestickte Varianten). Die italienische Luxusmarke bietet sogar Schuhe an, die wie Socken aussehen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 4/17.

Apropos Italien: Ursprünglich stammt das Wort "Socke" aus dem alten Rom, wo das lateinische "soccus" einen genähten Schlupfschuh bezeichnete. Die Ägypter strickten die Vorgänger der heutigen Wollsocke. Es dauerte bis ins 11. Jahrhundert, bis diese Technik auch in Europa Einzug hielt.

In den modischen Fokus rückte die Socke hierzulande erst in den 1960er Jahren: Die Röcke wurden kurz, Kniestrümpfe modern. In den Achtzigern erlangten weiße Socken dank Michael Jackson Kultstatus. Etwa zeitgleich bekamen die Red Hot Chili Peppers viel Aufmerksamkeit für ihr "Socks on Cocks"-Styling, bei dem die Bandmitglieder auf der Bühne nichts außer jeweils einer einzigen Socke trugen.

Dass Socken unsexy sind, ist inzwischen übrigens wissenschaftlich widerlegt: Eine niederländische Studie kam 2013 zu dem Ergebnis, dass Frauen besser zum Orgasmus kommen, wenn sie im Bett die Strümpfe anlassen.