Es gibt Entscheidungen, da kommt man allein nicht weiter. Was dann noch geht: Die Geister befragen. Oder Mama. Oder weglaufen. Sechs Entscheidungshelfer mit Vor- und Nachteilen

Münze werfen

So funktioniert das: Jeweils eine Option für Kopf und Zahl bestimmen. Münze werfen. Auffangen. Was oben liegt, gewinnt. Bei sehr komplexen Sachverhalten mit mehr als zwei möglichen Entscheidungen kann man auch einen Würfel benutzen.

Stärke: Der absolute Klassiker! Und: Für die Entscheidung ist weder Denkleistung noch körperliche Anstrengung notwendig.

Schwäche: Wenn die Münze gefallen ist, merkt man möglicherweise, dass man sich über die Verliererseite mehr gefreut hätte. Dann hilft nur eins: schummeln und so tun, als wäre die Münze anders gefallen.

Befürworter: Die Uefa. Als beim Europapokalspiel am 24. März 1965 zwischen dem FC Liverpool und dem 1. FC Köln nach drei Unentschieden immer noch kein Sieger feststand, sollte die Münze entscheiden. Beim ersten Wurf blieb sie senkrecht im Boden stecken. Beim zweiten gewann Liverpool.

Pendel schwingen

So funktioniert das: Ellbogen auf den Tisch stützen. Das Pendel hängen lassen und dann befragen. Hoffen, dass Geister oder andere esoterische Mächte sich zu Wort melden. Normalerweise gilt: Kreist das Pendel im Uhrzeigersinn, sagen die Geister: "Ja". Kreist es gegen den Uhrzeigersinn: "Nein". Senkrechtes Schwingen: "Ja". Waagerechtes Schwingen: "Nein". Diagonale Bewegungen: "Vielleicht". Wer sich das nicht merken kann: Pendeltafel malen oder aus dem Internet herunterladen.

Stärke: Der Carpenter-Effekt: Die eigene Hand führt eine Bewegung aus, weil man sich insgeheim diese Antwort wünscht.

Schwäche: Dass das Pendel manchmal nach rechts kreist, gleichzeitig waagerecht schwingt und sich selbst partout nicht entscheiden kann.

Befürworter: Der Französische Physiker Léon Foucault. Er setzte 1851 ein 67 Meter langes Pendel ein, um die Erdrotation nachzuweisen. Und zwar ganz unesoterisch.

App laden

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 6/17.

So funktioniert das: Apps wie Choicemap, The Decision App, WhatsDo oder Decision Crafting machen Entscheidungen nach eigenen Angaben transparenter und nachvollziehbarer. Etwa indem man Entscheidungsfaktoren in Kategorien wie Wichtigkeit und Dringlichkeit sortiert. Auf dieser Grundlage ermittelt in den meisten Fällen ein Algorithmus die beste Entscheidung für den User. Bei The Decision App können auch Freunde mitdiskutieren.

Stärke: Rational und logisch. Emotionen werden ausgeblendet.

Schwäche: Rational und logisch. Emotionen werden ausgeblendet.

Befürworter: Die User im Google Play Store. Viele sind ganz entzückt von den Apps, am liebsten ist ihnen WhatsDo: Mit 4,9 von fünf Sternen ist das der Testsieger. Eine begeisterte Nutzerin schreibt: "Suuuuper coole nützliche App … hat mir schon so einige Entscheidungen erleichtert." Glückwunsch!

Weglaufen

So funktioniert das: Abhauen, verdrängen, jegliche Entscheidung verweigern.

Stärke: Manches löst sich irgendwann von allein. Umso besser, wenn man keine Energie darauf verschwendet hat. Anderes lässt sich vielleicht nie lösen. Umso besser, wenn man keine Energie darauf verschwendet.

Schwäche: Sich nie festlegen zu wollen verursacht unter Umständen versäumte Anmeldefristen, blaue Briefe oder dass die heimliche Liebe mit dem besten Freund zusammenkommt. Christopher McCandless starb sogar! Auf der Flucht vor Karriere und Familienproblemen mitten in der Wildnis an einer giftigen Pflanze (verfilmt in Into The Wild). Just saying.

Befürworter: Der Schriftsteller Dietmar Dath. Er schreibt: "Es gibt fast keine Schwierigkeiten, die man nicht mittels Davonlaufen erträglicher machen kann (Probleme löst man so natürlich nicht, aber auf Lösungen kommt es in der Praxis selten an)."

Coach holen

So funktioniert das: Ein Coach verdient sein Geld damit, anderen zu helfen, herauszufinden, was sie wollen. Dafür verwenden Coaches Techniken wie das Rubikon-Modell, das Handlungen in vier Phasen einteilt: Abwägen, Planen, Handeln, Bewerten. Seinen Namen verdankt das Modell Julius Caesar, der 49 v. Chr. nach langem Abwägen mit seinen Soldaten den Fluss Rubikon überquerte.

Stärke: Im besten Fall kann man dadurch lernen, Konsequenzen besser abzuschätzen, und fühlt sich wie ein Star (siehe unten).

Schwäche: Kostet Kohle. Und manche Coaches sind eher dubios. Tiergestützte Coachings mit Wölfen, Eseln oder Haien sind zum Beispiel nicht wissenschaftlich fundiert.

Befürworter: Ex-Präsident Bill Clinton, Boxer Mike Tyson, Tennisspielerin Serena Williams. Sie haben sich von Tony Robbins coachen lassen. Der sagt: "It is in your moments of decision that your destiny is shaped." Alles klar?

Mama fragen

So funktioniert das: Brief, Anruf, Skype, WhatsApp, Facebook. Die meisten modernen Mamas erreicht man über zahlreiche Kanäle. Dann: einfach losreden. Hysterisches Weinen und Stampfen ist erlaubt (manchmal sogar erwünscht). Aber Vorsicht in den Entscheidungsbereichen Sex und politischer Radikalismus. Alternativen zu Mama: Papa, Oma, Opa.

Stärke: In der Regel kennt man sich bereits seit der Geburt. Mamas haben die Pubertät mit einem durchgemacht und mögen einen trotzdem noch. Und: Niemand will einem so sehr mit einem Rat weiterhelfen wie sie.

Schwäche: Gerade weil sie nur unser Bestes will, rät diese Entscheidungshelferin häufiger zur vernünftigsten aller Optionen: Prüfung schreiben statt schieben. Zähne zusammenbeißen. Stark sein. Will man das hören? Eben.

Befürworter: Der Autor dieser Entscheidungstipps. Seine Mama sagt immer: "Hör einfach auf dein Herz." Das half schon oft.