Je intelligenter die Fabriken, desto überflüssiger der Mensch. Stimmt’s? Befürchtungen zur Industrie 4.0 im Fakten-Check

1. Nehmen Maschinen den Ingenieuren die Jobs weg?

Künftig werden mehr Roboter und intelligente Software in der Industrie eingesetzt. Das könnte dazu führen, dass in Deutschland rund 490.000 Jobs verloren gehen, vor allem für Menschen, die direkt an den Maschinen arbeiten. So prognostiziert es das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Das klingt dramatisch, ist aber für Berufseinsteiger kein Grund zur Panik. Denn gleichzeitig sollen durch die Digitalisierung 430.000 neue Arbeitsplätze, unter anderem für hoch qualifizierte Ingenieure, entstehen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 6/17.

"Der Mensch steht weiter im Mittelpunkt der Produktion, als Dirigent der Maschinen", sagt Thilo Weber vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Bereits heute seien in Deutschland etwa 189.400 Industrieroboter installiert. Parallel zur Anzahl der Roboter sei in diesen Firmen die Beschäftigung gestiegen, sagt Weber. Und: Noch nie hätten so viele Menschen wie heute im Maschinenbau gearbeitet.

Was sich jedoch verändert, sind die Ansprüche, die an Ingenieure gestellt werden. Sie müssen in der Lage sein, intelligente Maschinen zu bedienen. Matthias Nienhaus, Professor für Antriebstechnik an der Uni Saarland, sagt: "Kein Maschinenbauer schraubt nur noch an der Werkbank. Jeder muss sich mit Computersystemen auskennen und Daten interpretieren können." Um Informatik komme man deshalb nicht herum.

2. Werden in der Industrie 4.0 alle Mitarbeiter überwacht?

Intelligente Software, wie sie schon heute in manchen Unternehmen eingesetzt wird, kann messen, wie viele Stunden ein Mitarbeiter in Meetings verbringt. Sie erfasst, wie lange er an einer Maschine steht und wohin er mit dem Dienstauto fährt. Solche Software ist sogar in der Lage, sämtliche Tastaturanschläge zu speichern und auszuwerten.

Manche Chefs können in Echtzeit-Analyseprogrammen sehen, wie effektiv ihre Mitarbeiter sind. Barbara Thiel, Landesbeauftragte für den Datenschutz in Niedersachsen, sagt: "Das Risiko für den Arbeitnehmer, komplett gläsern vor dem Chef zu sein, wird größer."

Seit Jahren diskutieren Arbeitgeber und Gewerkschaften deshalb über ein Datenschutzgesetz für Arbeitnehmer. Bisher ohne Erfolg. Es fehlen zurzeit noch genaue Regeln, welche Daten für die Produktionsoptimierung gespeichert werden dürfen und wie sichergestellt wird, dass die Angestellten nicht überwacht und unter Druck gesetzt werden.

Thilo Weber vom VDMA sagt: "Wichtig ist, genau zu definieren, welche Daten eine Maschine in der Produktion erfassen und weitergeben soll."

3. Was passiert, wenn mal das WLAN ausfällt?

Jeder kennt es: Wenn das WLAN hakt, brechen Downloads ab und werden Skype-Gespräche unverständlich. Was passiert in der Industrie 4.0 bei Netzwerkaussetzern? Marco Dadomo vom Verein Deutscher Ingenieure sagt: "Unternehmen sichern sich heute IT-mäßig so gut ab, dass es nicht passiert, dass mal was ausfällt und dann gar nichts mehr läuft."

Ein besonderes Risiko seien aber Hackerangriffe. "Viele wissen nicht, dass sie gehackt werden", sagt Dadomo: "Besonders für kleine Unternehmen ist es ein finanzielles Problem, dies laufend zu prüfen und zu verhindern."