Wirtschaftsprüfer werden gesucht. Denn die Branche altert, und der Nachwuchs ist knapp.

Was machen Wirtschaftsprüfer?

Die Hauptaufgabe ist, die gesetzlich vorgeschriebenen Jahresabschlüsse von Firmen zu erstellen. Für Berufseinsteiger gibt es zwei Möglichkeiten: einerseits die sogenannten Big Four (die Branchenriesen EY, PwC, KPMG und Deloitte), andererseits gibt es zahlreiche mittelständische Beratungen. Wer bei den Big Four arbeitet, ist meist inhaltlich spezialisiert und berät große Unternehmen, Behörden oder Firmen im Finanzwesen. Ist man in einer kleinen Beratung, übernimmt man oft mehrere unterschiedliche Projekte. Neben den Prüfungsaufgaben beraten Prüfungsgesellschaften ihre Kunden auch zu Steuerfragen, IT und anderen Themen.

Wo werde ich gebraucht?

Überall. So beschreibt es Klaus-Peter Feld vom Institut für Wirtschaftsprüfer: "Die Aufträge und der Bedarf sind da, doch der Nachwuchs ist knapp." Und: Die aktuelle Mitgliederstatistik der Wirtschaftsprüfungskammer zeigt, dass ein Drittel aller Beschäftigten in der Branche älter als 55 Jahre ist, viele gehen in den nächsten Jahren in Rente. Das sind gute Nachrichten für alle, die sich vorstellen können, als Wirtschaftsprüfer zu arbeiten.

Was muss ich mitbringen?

Spaß am Umgang mit Zahlen und analytisches Denken. Die meiste Zeit verbringen Wirtschaftsprüfer allein mit Akten. Klassischerweise haben sie zuvor BWL studiert mit Fokus auf Rechnungslegung, Wirtschaftsprüfung, Controlling, Steuern oder Recht. Wirtschafts- und Versicherungsmathematiker sind ebenfalls gefragt, und immer mehr Firmen stellen aufgrund der Digitalisierung zunehmend Ingenieure, Physiker und Informatiker ein. Überhaupt werden IT-Kenntnisse wichtiger, sagt der Branchenexperte Feld: "Bewerber sollten sich im Studium mit Statistik beschäftigen und lernen, Daten mit Softwareprogrammen zu analysieren."

Brauche ich sonst noch was?

Ja. Wer später als Wirtschaftsprüfer arbeiten will, kommt um das Wirtschaftsprüfungsexamen nicht herum. Das Examen ist die größte Hürde auf dem Weg in diesen Beruf und setzt voraus, dass man nach dem Studium drei bis vier Jahre Praxiserfahrung gesammelt hat. Neben der Arbeit muss man für die acht schriftlichen und eine mündliche Klausur lernen. Sieben deutsche Hochschulen bieten Masterstudiengänge nach Paragraf 8a der Wirtschaftsprüferordnung an, bei denen Studienleistungen für das Examen angerechnet werden können. Das spart Zeit und erhöht die Erfolgschancen. Denn das Examen ist hart: Etwa 700 Kandidaten treten pro Jahr an, nur die Hälfte schafft es im ersten Anlauf. Wer sich das nicht antun möchte, kann auch ohne Examen in einer Prüfungsgesellschaft arbeiten. Dann ist man meist beratend tätig und darf sich nicht Wirtschaftsprüfer nennen.

Wie mache ich Karriere?

"Wer bei den Big Four anfängt, bekommt dort gute Trainingsprogramme", sagt Mike Boetticher, der Geschäftsführer der match personalberatung. Außerdem arbeiten bei den Big Four viele Leute nur drei oder vier Jahre, ehe sie wechseln. Das erhöht die Aufstiegschancen für alle, die neu dazukommen. In kleinen Firmen bleiben manche bis zur Rente, was den Aufstieg für Neuankömmlinge erschwert. Auch gut an den Big Four: Falls man die Wirtschaftsprüfung nach einigen Jahren wieder verlassen und ins Controlling eines Konzerns wechseln will, helfen internationale Erfahrungen, die man bei den großen Prüfungsgesellschaften leichter sammeln kann als bei kleineren. Der Vorteil der Kleinen: "Die Lernkurve ist steiler, weil man gleich zupacken muss, die Leistung des Einzelnen ist sichtbarer, und man ist näher am Klienten", sagt Mike Boetticher. Zudem habe man durch die teilweise sehr unterschiedlichen Projekte bessere Chancen, sich später als Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer selbstständig zu machen.

Wie verändert sich die Branche?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 6/17.

Wegen der Digitalisierung stellen sich viele Firmen in der Industrie derzeit neu auf. Sie lassen sich dabei von ihren Wirtschaftsprüfern beraten, nicht nur zu steuerrechtlichen Fragen, sondern auch zum Datenschutz. Die Prüfer sollen dann zum Beispiel Tipps geben, wie man am besten in die IT investieren und grundsätzliche Strategien zur Umsetzung von Cloud-Computing entwickeln könnte. Bislang waren diese Aufgaben eher klassischen Unternehmensberatungen vorbehalten. Die neue Lünendonk-Studie Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften in Deutschland zeigt, dass die Grenze zwischen den Beratungen verschwimmt: Wirtschaftsprüfer verbringen weniger als ein Viertel ihrer Arbeit damit, Finanzen zu prüfen.

Wie digital sind die Big Four?

Sie werden immer digitaler! KPMG hat etwa eine strategische Partnerschaft mit IBM zur Entwicklung von künstlicher Intelligenz. "Diese wird künftig besonders zur Analyse von Standardverträgen genutzt werden, wenn man herausfinden will, welche Verträge von einer neuen Rechtsvorschrift betroffen sind", sagt Jens Wüstemann, Professor für Wirtschaftsprüfung an der Uni Mannheim. Die Hoffnung: Was früher stundenlange Fleißarbeit der Mitarbeiter war, erledigt dann eine Software binnen Sekunden. Bei der Beurteilung von Daten und Prozessen sei der Mensch aber nicht ersetzbar, sagt Wüstemann.

Was verdiene ich als Einsteiger?

Zahlen des wisu Berufsreports zeigen, dass Einsteiger zwischen 38.000 und 45.000 Euro brutto im Jahr verdienen. Die Big Four zahlen beim Einstieg tendenziell mehr als die anderen. "Als Faustregel gilt, dass sich das Einstiegsgehalt binnen sechs Jahren verdoppelt", sagt Klaus-Peter Feld. Zudem zahlen viele Gesellschaften Berufseinsteigern Boni in Höhe von bis zu zehn Prozent des Lohns.

Wo ist der Haken?

Vier Tage irgendwo in Deutschland beim Kunden, einen Tag Homeoffice: Das viele Reisen klingt anfangs vielleicht verlockend, ist aber irgendwann nur noch lästig. Die Unternehmen geben sich daher Mühe, ihre Mitarbeiter weniger auf Reisen zu schicken. Im Vergleich zu Unternehmensberatungen sind die Arbeitszeiten weniger extrem: "Kurz vor Abschluss großer Projekte passiert es schon mal, dass bis spät in die Nacht oder am Samstag gearbeitet werden muss", sagt Feld. Die Regel sei das aber nicht.