Das Vorstellungsgespräch ist gut gelaufen, jetzt kommt der Arbeitsvertrag. Diese Fragen helfen, ihn richtig zu lesen.

Der Arbeitsvertrag ist da. Worauf muss ich achten?

Es ist wichtig, den Vertrag genau und komplett zu lesen. Steht alles drin, was vorher mündlich vereinbart wurde, zum Beispiel das Gehalt? Gibt es Punkte, die unklar sind? Bei Unstimmigkeiten sollte man sich nicht scheuen nachzufragen, entweder bei der Personalabteilung oder bei dem Vorgesetzten, mit dem der Vertrag ausgehandelt wurde. Was standardmäßig in einen Vertrag gehört, steht im sogenannten Nachweisgesetz (siehe dazu bit.ly/campus_ng). Dazu zählen unter anderem eine genaue Beschreibung der Tätigkeit, die Anzahl der Urlaubstage und die Kündigungsfristen. Fällt man unter einen Tarifvertrag, sind einige dieser Punkte dorthin ausgelagert.

Ein ganzes Jahr Probezeit – ist das in Ordnung?

Nein. Die Probezeit darf maximal sechs Monate dauern. "Wenn der Arbeitgeber eine längere Probezeit in den Vertrag aufgenommen hat, ist das irrelevant", sagt die Arbeitsrechtsanwältin Kara Preedy, Partnerin bei der Kanzlei Pusch Wahlig Legal. Ab dem siebten Monat gilt in jedem Fall das Kündigungsschutzgesetz. In der Probezeit kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis hingegen mit einer Frist von zwei Wochen kündigen – auch ohne dafür Gründe zu nennen.

Kann ich in der Probezeit leichter kündigen?

Ja. Die verkürzte Kündigungsfrist gilt auch für den Arbeitnehmer. Wenn man merkt, dass die Arbeitsbedingungen ganz anders sind als erwartet oder man mit den Kollegen nicht klarkommt, kann man das Unternehmen also ziemlich leicht wieder verlassen – ebenfalls ohne dass man Gründe nennen müsste. "Ich darf meinen Arbeitgeber genauso auf die Probe stellen wie er mich", sagt Preedy.

Worauf sollte man beim Gehalt achten?

Wenn der Arbeitgeber einem Urlaubs- und Weihnachtsgeld, vielleicht sogar Sonder- und Bonuszahlungen zugesichert hat, sollte dies auch in den Arbeitsvertrag geschrieben werden, und zwar so konkret wie möglich, zum Beispiel so: Wird das Umsatzziel X erreicht, gibt es einen Bonus von Y. Auch wenn man vorher vereinbart hat, dass sich das Gehalt nach der Probezeit erhöht, gehört diese Abmachung in den Vertrag. Wer nach dem Studium noch ein Praktikum macht, muss mindestens nach dem geltenden Mindestlohn bezahlt werden. Zurzeit sind dies 8,50 Euro pro Stunde. Ab 1. Januar 2017 beträgt der Mindestlohn 8,84 Euro pro Stunde.

Welche Regeln gelten bei befristeten Stellen?

Der Arbeitgeber darf einen Vertrag auf bis zu zwei Jahre befristen. Er kann die Befristung in dieser Zeit dreimal verlängern, solange er dabei den Zeitraum von insgesamt zwei Jahren nicht überschreitet. Es ist zum Beispiel möglich, einem Jahresvertrag zwei Halbjahresverträge folgen zu lassen oder einen Vertrag über eineinhalb Jahre mit einem weiteren Halbjahresvertrag zu kombinieren. Gibt es einen Sachgrund für die Befristung, wird jemand zum Beispiel als Vertretung für eine schwangere Kollegin eingesetzt oder für eine zeitlich begrenzte Projektarbeit engagiert, gilt die Zweijahresgrenze nicht. Eine Sonderregelung gibt es für Start-ups: Für sie ist eine Befristung von bis zu vier Jahren zulässig, auch weil in der frühen Gründungsphase der Personalbedarf oft noch nicht langfristig abzuschätzen ist.

Auf wie viele Urlaubstage habe ich Anspruch?

Jedem Arbeitnehmer stehen per Gesetz vier Wochen Jahresurlaub zu. Wer montags bis freitags arbeitet, hat Anspruch auf 20 freie Tage im Jahr, in denen das Gehalt weitergezahlt wird. In Tarifverträgen werden häufig mehr Urlaubstage vereinbart. Achtung: Den Urlaub muss man normalerweise im laufenden Kalenderjahr nehmen, sonst erlischt der Anspruch darauf. In bestimmten Fällen kann man die freien Tage auch noch in die ersten drei Monate des Folgejahres verschieben. "Ein zusätzliches Urlaubsgeld ist im Gesetz zwar nicht vorgeschrieben, kann aber vom Arbeitgeber gezahlt werden, wenn dies bei Vertragsschluss ausgehandelt wurde", sagt Helga Nielebock, Leiterin der Abteilung Recht beim Deutschen Gewerkschaftsbund. Sie empfiehlt, in jedem Fall danach zu fragen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Nr. 7/2017.

Muss man kostenlos Überstunden machen?

Nein, aber man kann nicht eigenmächtig seine Arbeitszeit verlängern und sagen: "Ich bleibe heute mal bis zehn Uhr abends, und dafür bekomme ich mehr Gehalt." Auch wer in stressigen Projekten erst mal reinhaut und davon ausgeht, dass sein Einsatz am Ende finanziell belohnt werden wird, kann leer ausgehen, wenn er das nicht entsprechend vorher abgesprochen hat. Wer Geld fürs Längerbleiben bekommen will, muss nämlich belegen können, dass der Arbeitgeber diese Extra-Arbeit angeordnet oder zumindest bewusst geduldet hat. Am besten mailt man dem Chef, wenn sich Mehrarbeit abzeichnet, und holt sich dessen Okay für die Überstunden. Überdies müsse man Überstunden detailliert nachweisen und innerhalb von drei Monaten geltend machen, sagt Kara Preedy.

Und wenn Überstunden laut Vertrag inklusive sind?

In manchen Arbeitsverträgen stehen Formulierungen wie "Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten". "In dieser Pauschalität geht das nicht ohne Weiteres", sagt Helga Nielebock vom DGB. Denn für den Mitarbeiter sei so völlig unklar, was für einen Stundenlohn er habe. Manche Arbeitgeber schrieben deshalb eine Stundenzahl in den Vertrag, bis zu deren Höhe Überstunden nicht vergütet würden. "Doch auch das ist höchst umstritten", sagt Nielebock.

Muss man abends noch E-Mails beantworten?

"Wenn im Arbeitsvertrag nicht ausdrücklich geregelt ist, dass außerhalb der Arbeitszeiten E-Mails beantwortet werden müssen, kann der Arbeitgeber auch nicht an einen herantreten und dies verlangen", so Helga Nielebock vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Kara Preedy empfiehlt dagegen einen pragmatischen Umgang mit der Frage. Eine rein rechtliche Betrachtung gehe bei vielen Tätigkeiten an der Realität vorbei. Dennoch sei es richtig, nicht permanent verfügbar zu sein.

Bei welchen Formulierungen sollte man stutzig werden?

Manche Unternehmen schreiben sogenannte Vertragsstrafen in ihre Verträge. Damit vereinbart man, dass man eine bestimmte Summe zahlen muss, wenn man eine Abmachung aus dem Vertrag verletzt, zum Beispiel Betriebsgeheimnisse verrät. "Ich persönlich bekomme einen schlechten Eindruck von einem Unternehmen, wenn jede Verpflichtung des Arbeitnehmers mit einer Vertragsstrafe abgedeckt ist", sagt die Anwältin Kara Preedy. Das könne Ausdruck einer von Misstrauen geprägten Unternehmenskultur sein. Im Einzelfall Probleme bereiten können auch sehr enge Ausschluss- und Verfallfristen. Beispielsweise hat man im Normalfall mehrere Jahre lang Anspruch auf vereinbarte Gehälter, Boni und Urlaubsgelder. In vielen Verträgen wird diese Frist aber stark verkürzt, sodass etwa nur wenig Zeit bleibt, um nicht pünktlich gezahltes Urlaubsgeld einzufordern.