Vier Thesen über den Master – und was Experten dazu sagen.

These 1: Mit einem Master findet man schneller einen Job

Das stimmt nur so halb. Tatsächlich macht der Abschluss bei der Dauer der Arbeitsplatzsuche keinen großen Unterschied. "Während Masterabsolventen im Schnitt 3,3 Monate nach einer Stelle suchen, bewerben sich Bachelorabsolventen nur wenige Tage länger", sagt Felix Weinhardt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Übrigens: Berufseinsteiger mit Bachelor unterschreiben statistisch gesehen häufiger einen unbefristeten Arbeitsvertrag. "Wahrscheinlich übernehmen sie eher Routinejobs bei Firmen, während Masterabsolventen zum Beispiel an Unis arbeiten, wo es mehr befristete Verträge gibt", so Weinhardt. Allerdings lohne sich der höhere Abschuss finanziell, sagt der Bildungsexperte: Im Schnitt bekommt man mit dem Master beim Jobeinstieg 27.700 Euro, das sind 4.200 Euro mehr pro Jahr als mit dem Bachelor.

These 2: Der Studienabbruch ist ein Makel im Lebenslauf

Das stimmt, wenn man dem Karrierecoach Walter Feichtner glaubt. Er sagt: Ein Studienabbruch wird in Deutschland oft als Misserfolg gedeutet. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass ein Abbruch im Masterstudium nach Angaben des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung hierzulande ziemlich selten ist. Falls man abbricht, sollte man im Bewerbungsgespräch offen damit umgehen und die Entscheidung selbstbewusst begründen können. "Nicht mit sich selbst hadern, das wirkt unsicher", sagt Feichtner. "Wenn der Personaler stichelt, sollte man das Gespräch auf das lenken, was man danach gemacht hat, und nicht zu lange über den Abbruch reden." Übrigens: Der Modedesigner Ralph Lauren und Spotify-Gründer Daniel Ek zeigen, dass man auch ohne abgeschlossenes Studium erfolgreich sein kann.

These 3: Ein fachfremder Master bringt einen nicht weiter

Das stimmt nicht. "Ob ein Fachwechsel sinnvoll ist, hängt von der eigenen Bildungsbiografie und den beruflichen Zielen ab", sagt Peter Zervakis von der Hochschulrektorenkonferenz. Denn grundsätzlich biete der Master zwei Möglichkeiten: "Wer nach dem Bachelor im Master weiterstudieren möchte, könne entweder die fachlichen Kenntnisse aus dem ersten Studium vertiefen oder sein Wissen durch einen Master einer anderen Fachrichtung ergänzen. Keine der beiden Optionen ist per se besser als die andere. "Wer eine wissenschaftliche Karriere anstrebt oder eine Führungsposition in technischen Bereichen, der braucht in der Regel den fachgebundenen Master", sagt Zervakis. Wer dagegen in einer Unternehmensberatung oder an der Schnittstelle von zwei Fachbereichen arbeiten möchte, für den kann der Wechsel in eine andere Fachrichtung genau das Richtige sein. Man sollte frühzeitig herausfinden, ob man bestimmte Module nachholen muss, um für den Master im neuen Fach zugelassen zu werden. Das betrifft besonders Studenten, die von der Fachhochschule an eine Uni wechseln. Zervakis’ Tipp: In kleinen Städten bewerben, oft gebe es dort keine Zulassungsbeschränkungen.

These 4: Wer promovieren will, muss an die Uni

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2017.

Das stimmte früher, ändert sich aber gerade. Theoretisches Forschen an der Uni, praktisches Lernen an der Fachhochschule, diese Zweiteilung ist bis heute in vielen Köpfen verankert. "Falsch ist sie trotzdem", sagt Karim Khakzar, Präsident der Hochschule Fulda: "Erst im Studium erfahren viele Studenten, dass sie auch an ihrer Hochschule für angewandte Wissenschaften einen Doktor machen können." Allerdings ist die Promotion an vielen Fachhochschulen noch ziemlich umständlich. In Deutschland haben nämlich fast ausschließlich Universitäten das Promotionsrecht. Viele FHs kooperieren deshalb mit Universitäten, die es ihren Studenten erlauben, Doktorarbeiten zu schreiben. Dafür müssen FH-Studenten einen Uni-Professor finden, der die Arbeit betreut. In der Praxis ist das nicht immer einfach. Viele Universitäten verlangen von FH-Absolventen zusätzliche Leistungsnachweise, um sie zur Promotion zuzulassen. Die HS Fulda hat es Ende 2016 geschafft, diese Hürde zu umgehen: Als erste deutsche Fachhochschule wurde ihr das Promotionsrecht im Bereich Sozialwissenschaften verliehen. Dort sind die Studenten nun nicht mehr auf die Gunst von Uni-Professoren angewiesen.