Für wen lohnt sich der Master?

Um in kreativen Berufen zu arbeiten, etwa in der Mediengestaltung, braucht man den Master nicht unbedingt. In der Branche helfen eher praktische Erfahrungen und ein gutes Netzwerk, um an Jobs zu kommen. Trotzdem kann sich der zweite Abschluss lohnen: Wer an der Uni bleiben will, braucht ihn. Auch wer im Bereich Kulturmanagement arbeiten möchte, etwa in staatlichen Museen, sollte den Master machen. Damit verdient man im öffentlichen Dienst nämlich mehr Geld.

Kann man allen anderen raten, den Master wegzulassen und sich gleich in die Praxis zu stürzen? Nein, sagt Claudia Jericho. Sie leitet Creative.NRW, ein Netzwerk für Kreative in Nordrhein-Westfalen, und empfiehlt den Master ganz grundsätzlich. "Ich halte ihn für wichtig, um spezifische Kompetenzen und ein eigenes Profil zu entwickeln", sagt sie. Schließlich biete eine Hochschule den Freiraum, sich auszuprobieren und individuelle Fähigkeiten zu vertiefen. Das sei später im Job nicht ohne Weiteres möglich.

Worauf muss man im Master achten?

In vielen kreativen Masterstudiengängen werden kaum wirtschaftliche Kurse oder Seminare zu Soft Skills angeboten, die im Beruf wichtig sein können. "Gut Geige zu spielen reicht später allein nicht aus", sagt Simone Enge vom Career Service der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Wer also beruflich weiterkommen wolle, brauche meistens mehr als einen guten Abschluss, etwa persönliche Kompetenzen. Simone Enge empfiehlt, freiwillige Angebote der Uni zu nutzen, etwa Kurse des Career Service. Manche Hochschulen bieten auch Kooperationen mit Unternehmen an. Dabei könne man Kontakte knüpfen und praktische Erfahrungen sammeln.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2017.

Wer sich später selbstständig machen will, kann an vielen Unis Kurse besuchen, in denen man erfährt, wie man Kunden akquiriert, Rechnungen schreibt und sich gut organisiert. Am Karrierezentrum der Universität Kassel gibt es beispielsweise Workshops mit dem Titel Selbstständigkeit für Künstler und Designer. Auch die Gründernetzwerke an den Hochschulen sind hilfreich, um Ideen vorzustellen oder Hilfe zu bekommen. Beim Hochschulgründernetzwerk Smile in Leipzig gibt es kostenlose Veranstaltungen, die extra auf die Kreativbranche zugeschnitten sind.

Wann ist ein fachfremder Master sinnvoll?

In der Kreativbranche sind Quereginstiege üblich. Es gibt Architekten, die im Gamedesign arbeiten oder Musikwissenschaftler, die bei einer Fernsehproduktionsfirma angestellt sind. Nach dem Bachelor kann man sich auch oft für ein Studienfach fernab des Kreativbereichs entscheiden. Sollte man im Master Marketing studieren, um eine Geschäftsidee umzusetzen? Oder ein anderes Fach, das einem bei der kreativen Arbeit helfen kann? "Grundsätzlich ist das nicht verkehrt", sagt Claudia Jericho, "vor allem dann, wenn man damit ein klares Ziel verfolgt und von der Kombination überzeugt ist – nicht nur aus Sorge, dass eine kreative Ausbildung zu brotlos sein könnte." Irgendwas zu studieren, das wie ein sicheres zweites Standbein wirke, könne trügerisch sein.

In Deutschland ist es für Kreative nicht so einfach, für einen Wirtschaftsmaster zugelassen zu werden. Master in Kreativwirtschaft werden eher im Ausland angeboten. Wer es trotzdem versuchen will, sollte nach Masterprogrammen schauen, die einen kreativen Ansatz haben. So zum Beispiel der Master Innovation Management and Entrepreneurship an der TU Berlin.

Welche Alternativen gibt es zum Master?

Kreative sollten nach dem Bachelor ehrlich zu sich sein. Die Konkurrenz in dem Feld ist groß, Festanstellungen sind umkämpft, Aufträge für junge Selbstständige oft nicht sehr gut bezahlt. Wie sehr hängt man an der Kreativbranche? Wie gut ist man in seinem Fachgebiet? Wer zweifelt, kann sich nach einem weiteren Bachelor in einem anderen Fach umsehen. Das ist nicht unüblich. Breiter aufgestellt zu sein kann auch in der Kreativ- und Medienbranche hilfreich sein.

Diejenigen, die einen kreativen Master anpeilen, sollten nach dem Bachelor über eine Pause nachdenken und die Zeit sinnvoll nutzen. "Wer bei Praktika Erfahrungen sammelt, kann manchmal direkt in den Arbeitsmarkt einsteigen. Oder man merkt dabei, in welchem Bereich man sich weiterbilden will und vielleicht auch muss", sagt Claudia Jericho.

Wer nicht mehr studieren will und direkt in das Berufsleben einsteigt, kann sich bei einem Kompetenzzentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft über regionale Förderprogramme informieren. Die kostenlosen Beratungsstellen haben unterschiedliche Namen, etwa Hamburg Kreativ Gesellschaft oder Kreativ Kultur Berlin, doch es gibt sie in fast allen Großstädten. Sie helfen zum Beispiel bei der Finanzplanung, beim Networking und bieten häufig Workshops an.

"Im Master kann ich mich voll auf die große Idee konzentrieren"

"Im Master wollte ich etwas Neues lernen, in einer anderen Stadt. Nach Kommunikationsdesign im Bachelor war ich noch ein halbes Jahr lang an meiner alten Hochschule eingeschrieben, um Kurse in Produktdesign zu besuchen. Ich wollte testen, ob mir das Fach gefällt – und fand es total spannend! Parallel habe ich die Masterbewerbung für die Hochschule in Aachen vorbereitet. Dafür sollte ich ein Projekt vorstellen, mit dem ich mich später im Studium beschäftigen will. Es hieß 'Schule, Zukunft, Lernen'. Das kam gut an, ich wurde genommen. Jetzt entwerfe ich neue Schultische. Im Master kann ich mich voll auf diese große Idee konzentrieren, im Bachelor waren es mehrere kleinere Arbeiten."

"Mein zweiter Bachelor hat mich musikalisch und als Musiklehrer weitergebracht"

"Ich habe zwei Bachelorabschlüsse: einen in Instrumentalpädagogik, den zweiten in Musik und Kreativität. Meine Familie hat mir empfohlen, gleich nach dem ersten Abschluss einen Master zu machen. Ich wollte mein Klavierspiel verbessern und habe mich stattdessen für einen zweiten Bachelor entschieden. Der hat mich musikalisch und als Musiklehrer weitergebracht. Mittlerweile bin ich im Master, ich wollte mein Wissen vertiefen. An drei Nachmittagen in der Woche unterrichte ich an einer Musikschule. Das ist manchmal stressig, aber ergänzt das Studium gut. Nach dem Abschluss will ich weiterstudieren. Vielleicht mache ich einen Master in Kammermusik – oder eine Promotion."