Förderungen gibt’s nicht nur für Jahrgangsbeste. Einige Tipps

Welches Stipendium passt zu mir?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil es so viele unterschiedliche Stipendien gibt. Allein auf stipendienlotse.de, einer Datenbank des Bundesbildungsministeriums, lassen sich 1.400 Förderprogramme finden. Um die Suche einzugrenzen, sollte man wissen, aus welchem Grund man Stipendiat werden möchte. Geht es um die rein finanzielle Förderung? Braucht man das Geld regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg? Oder nur für eine bestimmte Phase, zum Beispiel einen Auslandsaufenthalt oder eine Forschungsreise? Kann man Fragen wie diese klar beantworten, kann man in der Suchmaske der Datenbank gezielt nach bestimmten Kriterien filtern – zum Beispiel nach Fachrichtung oder Studienabschnitten. Liebäugelt man im Anschluss an den Master mit einer Promotion, kann man hier auch gezielt nach Stiftungen Ausschau halten, die Doktoranden unterstützen. Oft lohnt es sich, bei dem Studienberater der eigenen Uni nachzufragen: Kleinere Programme und regionale Angebote lassen sich im Internet häufig schwer finden. Bei unbekannteren Stipendien haben Studenten ohne Bestnoten oft eine gute Chancen, genommen zu werden. Dort ist die Zahl der Mitbewerber meistens gering.

Wer vergibt überhaupt Stipendien?

Viele kennen die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) oder die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Sie zählen zu den großen Begabtenförderungswerken, die oft mit Parteien, Gewerkschaften oder Kirchen verbunden sind (die KAS etwa mit der CDU, die FES mit der SPD). Sie fördern aber nicht nur Parteimitglieder, sondern legen neben einer grundsätzlichen inhaltlichen Nähe zu den Stiftungszielen viel Wert auf sehr gute Studienleistungen und soziales Engagement außerhalb der Uni. Außerdem gibt es das Deutschlandstipendium, ein Förderprogramm von Staat und Wirtschaft. Der Staat zahlt 150 Euro pro Monat an die Stipendiaten, mindestens dieselbe Summe wird zusätzlich von einem privaten Sponsor dazugelegt. Verteilt werden die Stipendien von Hochschulen, bisher wird allerdings nur knapp ein Prozent aller Studenten durch ein Deutschlandstipendium gefördert. Daneben bieten einige große Unternehmen oder Verbände Stipendien an, um Nachwuchs aus bestimmten Fachrichtungen früh an sich zu binden. Und viele kleine Stiftungen engagieren sich ebenfalls in der Studentenförderung: einige spezialisieren sich auf bestimmte Fachrichtungen (wie der Hartmannbund für Medizinstudenten), andere auf Hochschulen (wie das Ariadne-Stipendium für Studentinnen der Uni Trier) oder auf besondere Merkmale der Stipendiaten (wie das Graeme-Clark-Stipendium für Studenten mit Hörgeräten).

Was bekommt man als Stipendiat?

Fast immer: Geld. Beim Deutschlandstipendium kann man mit 300 Euro pro Monat rechnen, bei den Begabtenförderungswerken hängt es vom Einkommen der Eltern ab, ob man mit dem Höchstbetrag von 735 Euro pro Monat gefördert wird. Zusätzlich erhält man hier monatlich einen Zuschlag für die Kranken- und Pflegeversicherung, dazu kommt noch ein elternunabhängiges Büchergeld von 300 Euro (ob man das wirklich nur für Bücher ausgibt, wird nicht kontrolliert). Solange das Stipendium der Deckung von Studien- und Lebenshaltungskosten gilt, muss es nicht versteuert werden. Abgesehen vom Geld: Man sollte den Wert der Netzwerke durch Stipendiengeber nicht unterschätzen. Viele Stiftungen pflegen den Kontakt zu ehemaligen Stipendiaten. Bei Alumni-Treffen werden auch Jungstipendiaten eingeladen. Diese Kontakte können den Einstieg in den Beruf erleichtern.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2017.

Wie läuft die Bewerbung ab?

In einige Programme kommt man nur rein, wenn ein Professor ein Gutachten schreibt. Ansonsten sieht der Weg zum Stipendium ähnlich aus wie der zu einem Praktikum oder zu der ersten Anstellung: Man bewirbt sich mit Motivationsschreiben, Lebenslauf und einer Übersicht seiner Noten. Dazu können Auswahltests oder Vorstellungsgespräche kommen. Die Förderungen beginnen häufig erst zum nächsten oder übernächsten Semester. Hilfreich ist, sich früh zu informieren und dann gezielt an den Bewerbungen für ausgewählte Programme zu arbeiten.

Was muss man im Gegenzug leisten?

Dort, wo eine Unterstützung eng an die Studienleistungen geknüpft ist, müssen regelmäßig Notenübersichten vorgelegt und auch gute Begründungen gegeben werden, falls man dauerhaft schlechte Nachweise erbringt. Viele Stiftungen haben zudem Bildungsangebote, die für ihre Stipendiaten mal verpflichtend und kostenlos, mal freiwillig und günstig sind. Die Palette der Zusatzseminare kann von Tagesveranstaltungen zu Rhetorik über Wochenendseminare über Demokratie bis hin zu Sprachkursen in der Bretagne reichen. Wichtig: Vor der Bewerbung schauen, was alles verlangt wird und worauf man auch tatsächlich Lust hat.