Wie man prüft, ob die Qualität eines Studiengangs stimmt.

1. Wie ist mein erster Eindruck?

Oft reichen schon ein paar Klicks, um die Qualität eines Masterstudiengangs zu erkennen. Im Idealfall findet man dazu auf der Website der Uni alle wichtigen Infos: Welche Module und Wahlmöglichkeiten gibt es? Wie ausführlich werden Dozenten und Fachgebiete dargestellt? Faustregeln für einen schnellen Qualitätscheck: Ein internationaler Master sollte auf Englisch gelehrt werden und einen Auslandsaufenthalt vorsehen. Ähnliches gilt für praxisorientierte Master: Feste Zeiten für Praktika oder Praxissemester sind ein Muss. Neben den Studieninhalten sollte auch das Rahmenprogramm der Hochschule stimmen: Gibt es fächerübergreifende Angebote? Werden Karrieretage organisiert, bei denen man mit Arbeitgebern ins Gespräch kommt? Bleiben dabei Fragen offen, stellt man die am besten beim jeweiligen Studienberater .

2. Ist der Studiengang akkreditiert?

Für Studiengänge gibt es ein Gütesiegel: die Akkreditierung. Das ist ein Zertifikat, das sieben Jahre lang gilt. Verschiedene Agenturen dürfen es vergeben. Sie untersuchen unter anderem, welche Lehrformen angeboten werden und wie gut die Uni mit Lehrmaterial ausgestattet ist. Die Agenturen werden vom Akkreditierungsrat kontrolliert, einem Gremium, das die Hochschulrektorenkonferenz und die Kultusministerkonferenz bestellen. Klingt alles kompliziert, aber wichtig ist: In Deutschland dürfen nur akkreditierte Studiengänge angeboten werden. Wenn sich bei der Prüfung herausstellt, dass ein Master die Kriterien nicht erfüllt, muss er eingestellt werden. Viele Studiengänge wurden noch nicht geprüft, weil das Verfahren sehr lange dauert. Das kann für die Absolventen später zu Problemen auf dem Arbeitsmarkt führen. Will man etwa Beamter werden, sollte man bei Fachhochschulen aufpassen: Ist der Master nicht akkreditiert, darf man in den gehobenen Dienst eintreten, aber nicht in den höheren Dienst. Kürzlich wurde auch ein BWL-Absolvent der Uni Hamburg von der staatlichen Bankenaufsicht nicht eingestellt. Begründung: Sein Studiengang war noch nicht akkreditiert.

3. Wie schneidet der Master im Ranking ab?

Studienrankings sind hilfreich, aber auch umstritten. In aufwendigen Analysen werden Studiengänge nach Kriterien wie Betreuung, Forschungsstärke und Ausstattung bewertet und die Ergebnisse in Ranglisten dargestellt. Das bekannteste Studienranking kommt vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Alternativ kann man sich nach Rankings mit bestimmten Schwerpunkten umsehen. Das Handelsblatt etwa zählt regelmäßig wirtschaftswissenschaftliche Veröffentlichungen von Hochschulen. Die Annahme dabei: Wo viel veröffentlicht wird, wird auch viel geforscht. Für Studenten, die später wissenschaftlich arbeiten wollen, kann das interessant sein. Wer etwas über den Ruf des Studiengangs bei Unternehmen wissen will, für den gibt es Ranglisten in der Wirtschaftswoche (wie das Handelsblatt gehört sie zur selben Verlagsgruppe wie die ZEIT) . Dort werden die Einschätzungen von Personalern verglichen. Es gibt Kritiker, die Rankings ablehnen. Zum Beispiel weil die zugrunde liegenden Rohdaten meist nicht veröffentlicht werden oder weil die Ergebnisse nicht verallgemeinerbar seien. Soziologie-Studiengänge sind kaum noch in Ranglisten vertreten – sie boykottieren die Befragungen. Trotzdem können Rankings helfen, sich im großen Angebot an Studiengängen zu orientieren. Blind darauf vertrauen sollte man nicht, aber das gilt ja genauso für die Websites der Unis, die Empfehlungen älterer Studenten oder das eigene Bauchgefühl. Eine gute Entscheidung zu treffen bedeutet, diese verschiedenen Faktoren abzuwägen. Noch ein Tipp für den Umgang mit Rankings: Wenn man sich die Ergebnisse der vergangenen Jahre anschaut, kann man sehen, ob ein Masterstudiengang dauerhaft gut bewertet wird, in den letzten Jahren zugelegt hat oder auf dem absteigenden Ast ist.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2017.

4. Wie ist die Betreuung an der Uni?

Ob Seminare, Auslandssemester oder Masterarbeit: Im Studienalltag tauchen oft Fragen auf. Fachlicher Rat kann in vielen Situationen weiterhelfen, vor allem wenn der persönliche Betreuer schnell erreichbar ist. Die meisten Unis bieten eine Zentrale Studienberatung an, die generelle Fragen zum Studium klärt oder psychologische Beratung anbietet. Mit speziellen Fragen zum Fach kann man sich an den Koordinator für den Studiengang wenden. Dort kann man fragen, ob es genügend Plätze für Seminare und Tutorien gibt, damit sich das Studium nicht unnötig verlängert. Wer sich vor der Entscheidung für einen Master schon an die Studienberatung der Wunsch-Uni wendet, kann sich auch gleich einen persönlichen Eindruck machen, wie gut die Betreuung ist: Ist der Studienberater telefonisch erreichbar? Wie schnell reagiert er auf E-Mails? Eine andere Anlaufstelle für Fragen sind Fachschaften. Dort merkt man auch, mit wie viel Unterstützung man von der studentischen Fachvertretung rechnen kann. Übrigens: Dass kleinere Hochschulen oder Studiengänge ihren Studenten eine intensivere Betreuung bieten, ist manchmal ein Trugschluss.

5. Ist die Uni gut in der Forschung?

Wer nach dem Abschluss wissenschaftlich arbeiten will, sollte bei der Wahl des Masters darauf achten, wie viel und wie gut an der Hochschule geforscht wird. Dabei können Rankings weiterhelfen. Neben dem genannten Handelsblatt -Ranking zählt die Nachrichtenagentur Reuters die Veröffentlichungen und Patentanmeldungen von Unis weltweit und zeichnet die innovativsten Hochschulen aus. Ein weiterer Indikator für starke Forschung: In diesem Jahr stellen Bund und Länder rund 80 Millionen Euro für Spitzenforschung bereit. Besonders viel Geld erhalten Universitäten, die der Exzellenzinitiative angehören. Eine Übersicht, welche Hochschule wie viel Geld bekommt, zeigt der Förderatlas der Deutschen Forschungsgesellschaft. Und ein dritter Tipp: Es lohnt sich, zu prüfen, ob die Wunsch-Uni Kooperationen pflegt mit Forschungsinstituten wie der Helmholtz-Gemeinschaft, der Max-Planck- oder der Fraunhofer-Gesellschaft. Denn dann kann man bei Praktika und Hausarbeiten vielleicht schon im Studium Kontakte zu diesen Institutionen knüpfen.

6. Hat die Uni Kontakte in die Wirtschaft?

Was es sich zu prüfen lohnt: Gibt es an der Universität Karrieremessen, bei denen Studenten mit möglichen Arbeitgebern ins Gespräch kommen können? Lehren Dozenten aus der Praxis in eigenen Seminaren? Gibt es ein Alumni-Netzwerk, in dem sich aktuelle und ehemalige Studenten kennenlernen können, vielleicht mit eigenem Mentorenprogramm? Und: Hat die Universität Stiftungslehrstühle? Dahinter stehen Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen, die an Forschungsergebnissen und an wissenschaftlichem Nachwuchs interessiert sind. Je mehr dieser Fragen bejaht werden, desto leichter wird es voraussichtlich, schon während des Studiums mit Unternehmen in Kontakt zu kommen, dort vielleicht auch eine Masterarbeit zu schreiben und so den späteren Berufseinstieg vorzubereiten.