Seit 2010 hat sich die Zahl der Menschen, die ohne Abitur studieren, mehr als verdoppelt. 2,6 Prozent der Studienanfänger qualifizierten sich 2016 über Berufserfahrung.

In Deutschland studieren so viele Menschen ohne Abitur wie noch nie. Nach einer Erhebung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hatten im Jahr 2016 rund 56.900 Studierende keine allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife – zwei Prozent aller Studierenden. Damit habe sich die Zahl der Studentinnen und Studenten ohne Abitur innerhalb der vergangenen acht Jahre mehr als verdoppelt.

Seit knapp zehn Jahren besteht in Deutschland die Möglichkeit, sich über den sogenannten dritten Bildungsweg, also über praktische Berufserfahrung, für ein Studium zu qualifizieren: Zum Beispiel kann die Abschlussnote einer Meister- oder Fachwirtprüfung bei der Bewerbung um einen Studienplatz als Äquivalent zur Abiturnote akzeptiert werden.

Etwa zwei Drittel der Studienanfänger ohne Abitur begannen laut der Erhebung des CHE ihr Studium an einer Fachhochschule oder einer Hochschule für angewandte Wissenschaften. Mehr als die Hälfte der Studienanfänger ohne Abitur entscheide sich für ein Fach aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Rund 20 Prozent schrieben sich für Ingenieurswissenschaften ein. Von 107.000 Medizinstudenten und -studentinnen hätten 700 kein Abitur.

Unter den Studienanfängern habe der Anteil der Personen ohne Abitur 2016 sogar 2,6 Prozent betragen. Auch die Zahl derjenigen, die ein Studium ohne Abitur erfolgreich abschließen, sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: 2016 waren es 7.200 – ein Rekordwert. 

Knapp die Hälfte der Studierenden ohne Abitur sind nach den Zahlen des CHE älter als 30 Jahre. Insgesamt seien Männer mit 55 Prozent etwas häufiger vertreten.

Ein Studium ohne Abitur sei heutzutage keine Seltenheit mehr, sagte Frank Ziegele, der Geschäftsführer des CHE: "Die Kombination von Berufs- und Hochschulbildung wird immer mehr zum Normalfall. Gelernte Krankenpfleger oder Handwerksmeisterinnen sind heute keine Exoten mehr auf dem Campus, sondern gehören zur selbstverständlichen Vielfalt der Studierenden an deutschen Hochschulen."

Die meisten Studierenden ohne Abitur gibt es in Hamburg (4,6 Prozent), die wenigsten im Saarland (0,8 Prozent).

Transparenzhinweis: ZEIT ONLINE kooperiert mit dem CHE im Rahmen des CHE Hochschulrankings.