Ace Tee, A$AP Rocky, Rihanna: Viele Stars machen heute Mode. Leider ist die oft langweilig.

An einem Morgen im vergangenen Sommer sammelten sich Menschen vor einem Modeladen in München. Sie warteten, die Foto-App schon geöffnet, auf Robbie Williams, der hier seine neue Fashion-Kollektion vorstellen wollte: Sweatshirts mit Schriftzügen wie "Love my Life", ab 100 Euro. Die Shirts hätten seine Frau und er sich auf dem Sofa ausgedacht, las man in Zeitungen. So sahen sie auch aus.

Zusammenarbeiten (oder "Collabs") zwischen Popstars und Modelabels sind aktuell der Hit, ob bei Rappern wie A$AP Rocky (mit Guess) und Ace Tee (mit H&M) oder DJs wie Robin Schulz (mit s.Oliver). Rihanna macht Mode mit Puma, Anastacia mit Aldi Süd. Dabei zählt oft weniger die Kreativität der Sänger als ihr Name. Marke Musiker.

Dass Musiker Mode machen, ist keine neue Entwicklung. Der Trend ist fast so alt wie die Popmusik selbst und feiert in diesem Jahr 50. Jubiläum. Im Dezember 1967 eröffnete in London die Apple Boutique, bestückt mit Hippie-Kleidung. Die Besitzer waren die Beatles, der Andrang war dementsprechend groß. Leider wurde mehr geklaut als gekauft, der Laden schloss nach knapp einem Jahr.

In den 1970er Jahren führte die Designerin Vivienne Westwood eine Boutique zusammen mit Malcolm McLaren, dem Manager der Sex Pistols. Gemeinsam prägten die beiden den Look und den Sound des Punk.

Zugleich wuchs das Geschäft mit Bandshirts, das klassische Merchandising.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT-Campus-Magazin 1/18.

Ende der 1990er Jahre brachen die Umsätze mit dem Verkauf von Tonträgern ein. Schuld waren illegale Downloads und später auch Streamingdienste. Das beschleunigte eine Entwicklung, die in den 1990er Jahren begonnen hatte: Rund 30 Jahre nach dem Beatles-Flop stiegen Musiker wieder ins Modegeschäft ein. Das Hip-Hop-Kollektiv Wu-Tang Clan gründete Wu Wear, zahlreiche Kollegen taten es dem Clan gleich: etwa Jay Z (mit seinem Label Rocawear), P. Diddy (Sean Jean), Nelly (Vokal), Haftbefehl (Chabos) oder Kollegah (Deus Maximus). Für viele Popstars wurde das Geschäft mit der Mode zum zweiten Standbein, zu einer sicheren Einnahmequelle.

Die Jeansmarke G-Star hat den Produzenten Pharrell Williams im Jahr 2016 sogar als Teilhaber gewonnen. Er gehört zu den wenigen Musikern im Mode-Business, die ernst genommen werden: Er ist auch für Adidas kreativ tätig, hat eigene Modelinien und ist Anteilseigner einer Garnfirma.

Kommerziell erfolgreicher ist Kanye West. Seine Fashion-Kollektion für Adidas wurde weltweit kopiert, und seine Yeezy-Sneaker werden für vierstellige Summen bei eBay gehandelt. Er gab sogar Vorlesungen über Mode an der Harvard Graduate School of Design und bekam einen Ehrendoktor von der School of the Art Institute of Chicago. Und das ohne Uni-Abschluss. Vor Kurzem kündigte er in einem Interview an, die Musik ganz aufzugeben. Mit der Mode verdiene er einfach mehr.

Die Autorin Nina Piatscheck ist unsere Moderedakteurin. 2006 kaufte sie eine Jacke aus der H&M-und-Madonna-Collab. Als Wertanlage ein Flop: Nicht mal auf dem Flohmarkt wurde sie die los.

1967

Die Apple Boutique der Beatles wird eröffnet. Acht Monate später verschenkt die Band die Restbestände.

1970

Bandshirts werden populär, etwa von den Rolling Stones oder den Ramones (gibt’s bis heute im Handel).

1981

Der Musiksender MTV geht auf Sendung, die Outfits und Looks der Musiker sind sichtbarer als je zuvor.

1986

Run DMC veröffentlichen "My Adidas", daraus entsteht die erste große Markenkooperation mit Musikern.

2017

Ob Justin Bieber, Maite Kelly, Lisa & Lena oder M.I.A.: Alle Musiker verkaufen Mode, so scheint es heute.