Das kommt auf dich zu, und so blickst du durch.

1. Die Begrüßung

Was passiert da?

Los geht es im Plauderton. Beliebte Themen sind deine Anreise, das Wetter und die Frage, ob du etwas trinken möchtest. Außerdem sagen die Personaler dir, wie das Gespräch abläuft und welche Kollegen noch dabei sein werden. Manche Leute behaupten, Unternehmen stellten bei dieser Gelegenheit Bewerber heimlich auf die Probe, studierten ihre Körpersprache und analysierten jede Antwort auf noch so banale Fragen. Aber keine Angst – mit dem Small Talk wollen die meisten Personaler einfach die Situation auflockern.

Du musst also weder brillante Antworten auf die Frage nach Wasser oder Kaffee geben, noch entscheidet die Stärke deines Händedrucks oder deine Beinhaltung über deine weitere Karriere. Es reicht, wenn du sympathisch wirkst: Steig auf den Small Talk ein, blick den Leuten ins Gesicht, und lächle ab und zu. Verhalt dich einfach interessiert und zugewandt, und strahl Optimismus aus: Deinen Ärger über den verspäteten Zug oder die detailreiche Schilderung deiner Odyssee durchs Industriegebiet Nord auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch hebst du dir besser für deine Freunde auf.

Was mache ich, wenn ich zu spät komme?

Du kannst vorbeugen, indem du einen zeitlichen Puffer einplanst. Hast du einen weiten Weg, reise am besten am Vortag an. Vielleicht kannst du bei Freunden oder Verwandten übernachten oder in einer Jugendherberge. Fährst du am selben Tag mit der Bahn zum Gespräch, plan so, dass du auch mit dem Folgezug noch pünktlich wärst. Generell gilt: lieber eine Stunde totschlagen als eine Minute zu spät kommen. Such dir online ein Café in der Nähe der Firma, in dem du in Ruhe warten kannst, wenn du zu früh bist. Merkst du, dass es knapp wird, zögere nicht zu lange. Ruf an (Nummer des Ansprechpartners im Handy speichern), entschuldige dich, und begründe kurz deine Verspätung. Geht es um ein paar Minuten, wird der Termin nicht platzen. Bei größeren Verspätungen fragst du, wie ihr weiter vorgehen sollt.

2. Die Selbstpräsentation

Was passiert da?

Da ist sie: deine große Chance. Du darfst für dich werben, und alle hören zu. Bete jetzt nicht deinen Lebenslauf herunter, den kennen die Personaler sowieso schon. Lenk stattdessen die Aufmerksamkeit auf jene Stationen deines Werdeganges, die deine Eignung für den Job am besten belegen. Es kann zum Beispiel sinnvoll sein, auf die Erfahrung aus einem Praktikum detailliert einzugehen, ein anderes aber komplett unerwähnt zu lassen. Passt das Thema deiner Abschlussarbeit zur Stelle, berichtest du darüber. Passt es nicht, lässt du es bleiben. Für die Zuhörer soll es mit jedem deiner Sätze zwingender erscheinen, dir den Job zu geben. Also: Egal, ob es um dein Studium, deine Praktika, deine persönliche Entwicklung oder auch um Privates wie Reisen oder Hobbys geht – wähl das, was du berichtest, mit Bedacht und stets mit Blick auf die angestrebte Stelle aus. Verhalte dich nicht wie ein Chronist. Verhalte dich wie ein Regisseur, der aus dem Material, das dein Werdegang bietet, eine gute, genau auf das Publikum zugeschnittene Geschichte entwickelt (wahr muss sie natürlich sein). Weil die meisten Bewerber das nicht tun, bist du auf diese Weise klar im Vorteil.

Was mache ich, wenn mir irgendwie alles wichtig erscheint?

Wenn dir der Abstand fehlt, um zu sehen, was wirklich relevant ist, such dir Hilfe. Im Career-Center deiner Hochschule findest du vielleicht ein günstiges Bewerbungstraining. Oder du fragst deine Freunde. Gib zum Beispiel einem Freund den Text der Stellenanzeige, und geht zusammen deinen Werdegang durch. Dabei begründest du, warum ein Aspekt in die Präsentation aufgenommen werden sollte, dein Gegenüber zieht das in Zweifel. Oder du schlüpfst gedanklich in die Rolle eines Personalers, der deinen Vortrag gehört hat und nun seinem Chef erklärt, warum der dich einstellen sollte. Hast du ihm wirklich die entscheidenden Argumente an die Hand gegeben? Oder ihn mit – aus seiner Sicht – Nebensächlichkeiten bombardiert?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 1/2018.
Karrieretipp
Glaubwürdig sein
Sie neigen dazu, sich bis ins Detail vorzubereiten? Perfekt zu sein, überzeugt Ihr Gegenüber manchmal weniger, als Persönlichkeit zu zeigen, rät Business-Coach Simone von Stosch.

3. Die Unternehmenspräsentation

Was passiert da?

Nicht nur du willst bei dem Unternehmen einen guten Eindruck machen. Auch das Unternehmen will dich und die anderen Bewerber von sich überzeugen. Wie bei einem Date geht es letztlich darum, dass beide Seiten herausfinden, ob sie zusammenpassen. Ein Vorstellungsgespräch ist keine Prüfung, sondern ein gegenseitiges Kennenlernen auf Augenhöhe. Deswegen stellt sich in aller Regel auch das Unternehmen bei seinen Bewerbern vor. Bei der Unternehmenspräsentation erfährst du meist etwas über die Firma allgemein, aber auch über die Abteilung und die Stelle, um die es geht, sowie über die Aufgaben, die du dort erfüllen musst. Achte darauf, worauf dein Gesprächspartner stolz ist. Betont er, dass das Unternehmen inhabergeführt ist? Oder dass es die Marktführerschaft in einem Spezialsegment hat? Mach dir am besten Notizen, denn irgendwann wird die Frage nach deinen Fragen kommen. Dann wäre es peinlich, etwas wissen zu wollen, was schon längst beantwortet wurde. Umgekehrt wirkt es professionell und interessiert, wenn du mit deinen Fragen an die Präsentation anknüpfen kannst.

Was mache ich, wenn ich zugetextet werde?

Richtig gut läuft es, wenn aus der Unternehmenspräsentation ein Gespräch entsteht, in dem es auch um deine Einschätzungen in fachlichen Dingen oder zur Marktsituation geht. Umso ärgerlicher ist es, wenn du zwar locker in der Lage wärst, eine interessante Diskussion zu führen, dein Gesprächspartner dir aber nur die Fakten um die Ohren haut, die du ohnehin schon von der Website kennst. Jetzt brauchst du Fingerspitzengefühl. Knüpf – ohne grob zu unterbrechen – an etwas Gesagtes an, und signalisiere, dass du mitreden kannst. Das geht zum Beispiel so: "Sie erwähnten gerade Ihre Niederlassungen. Wenn ich richtig informiert bin, liegt bei der Niederlassung in den Niederlanden der Schwerpunkt auf der Logistik-Optimierung. Das finde ich extrem spannend. Was meinen Sie, wäre es im Rahmen der Stelle denn möglich, auch dort etwas Zeit zu verbringen?"

4. Die Fragerunde

Was passiert da?

Jetzt wird es ungemütlich, denn jetzt wird nachgehakt. Früher haben Personalverantwortliche gerne nach drei Stärken und drei Schwächen gefragt. Seit das in allen Bewerbungsratgebern steht, tut das kaum noch jemand. Nach wie vor geht es aber darum, etwas über deine Persönlichkeit herauszufinden und zu erfahren, wie du in bestimmten Situationen reagieren würdest. Personaler erkundigen sich zum Beispiel gerne nach Erfolgen und Niederlagen und danach, wie du Probleme löst. Oft möchten sie auch wissen, warum du dich auf die Stelle beworben hast. Schließlich wollen sie vermeiden, dass Bewerber mit falschen Erwartungen zu ihnen kommen und nach ein paar Monaten wieder abspringen, weil sie enttäuscht sind.

Sei also auf kritische Fragen zu deinem Lebenslauf und deiner Selbstpräsentation gefasst. Häufig wird auch nach den Zielen gefragt ("Wo möchten Sie in zwei, drei, fünf Jahren stehen?"). Diese Frage hat eine doppelte Funktion: Erstens geht es auch hier darum, Erwartungen abzugleichen. Zweitens deuten Personaler in deine Antwort hinein, wie ehrgeizig und planvoll du bist.

Fangfragen im Bewerbungsgespräch
"Wie lässt sich der Kugelschreiber noch benutzen?"

Was mache ich, wenn man mich mit einem "Brainteaser" konfrontiert?

Wie schwer ist Manhattan? Wie viel Zeit hat der Weihnachtsmann am Heiligabend pro Kind? Wie viele Smarties passen in einen Smart? Solche kleinen, gemeinen Aufgaben bauen Unternehmen gerne in Vorstellungsgespräche ein. Manche Brainteaser sollen das mathematische Verständnis prüfen, andere logisches Denken, wieder andere die Kreativität. Wie man sie löst, steht in Übungsbüchern oder im Internet. Mach dich vorab mit Brainteasern vertraut, dann verlieren sie ihren Schrecken. Und: Bleib möglichst ruhig, selbst wenn du nicht auf die Lösung kommst. Personaler testen mithilfe der kleinen Fieslinge nämlich auch, wie du auf Stress reagierst.

5. Der Schluss

Was passiert da?

In der Schlussphase bekommst du noch mal die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Achte darauf, dich nicht nach Dingen zu erkundigen, die schon erläutert wurden. Das erweckt den Eindruck, dass du nicht genau zugehört hast. Auf der anderen Seite kannst du mit klugen Fragen glänzen. Ein paar davon kannst du schon zu Hause vorbereiten.

Übertreib es aber nicht mit der Selbstdarstellung. Schließlich sind Fragen dazu da, Interessantes herauszufinden. Wo und mit wem du arbeiten würdest, was erste Projekte wären, all dies kannst du im Vorstellungsgespräch in Erfahrung bringen. Es wäre schade, darauf zu verzichten. Folg deiner Neugierde.

Was mache ich, wenn ich nichts mehr vom Unternehmen höre?

Meistens sagt man dir, wann sich die Firma melden wird (oft nach etwa zwei Wochen). Ist diese Zeit verstrichen, kannst du in der Personalabteilung anrufen und dich nach dem Stand der Dinge erkundigen.