Sitzen habe eine ähnlich verheerende Wirkung wie Tabak inhalieren, sagen amerikanische Forscher und beziehen sich auf Studien, die Menschen, die länger als sechs Stunden täglich sitzen, eine um 20 Prozent reduzierte Lebenserwartung bescheinigen.

Kopfarbeiter kommen schnell auf sechs Stunden und mehr: Beim Frühstück sitzen wir erstmals am Tag, weiter geht’s zur Arbeit in Auto, Bus oder Bahn. Im Büro verbringen wir acht Stunden meist sitzenderweise. Und abends das Ganze retour mit verlängertem Sitzen auf dem Sofa vor dem nächsten Bildschirm.

Eine Umfrage des Instituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse ergab: Fast zwei Drittel der Deutschen bewegen sich weniger als eine Stunde am Tag. Mediziner warnen: Wir sitzen uns krank. Das Verharren auf Stuhl, Sessel, Sofa sei wider die menschliche Natur. Unsere Vorfahren zogen kilometerlang durch die Steppe auf steter Suche nach Nahrung – der menschliche Organismus ist auch heute noch so programmiert, dass erst durch regelmäßige Bewegung physiologische Abläufe optimal laufen.

Nicht eindeutig indes ist die aktuelle Studienlage in der Frage, durch welches Maß an Bewegung sich die schädliche Sitzdauer kompensieren lasse. Forscher der Norwegian School of Sport Sciences, die Daten von mehr als einer Million Menschen weltweit untersucht hatten, behaupten, eine Stunde Bewegung (Radfahren, forsches Gehen) am Tag könne acht Stunden Sitzen aufwiegen. Eine Metastudie der University of Toronto hingegen geht davon aus, dass zu viel Sitzen selbst den Sportlichen schade und man Sitzen im Büro nicht durch den Gang ins Fitnessstudio am Abend ausgleichen könne. Vielsitzer, soviel steht fest, riskieren, an Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken. Von Rückenbeschwerden ganz zu schweigen.

Alle 20 Minuten das Sitzen unterbrechen

Jeder Schritt zählt also. "Gehen verbraucht zwei bis drei Mal mehr Energie als Sitzen, Treppensteigen noch mehr", erklärt Professor Gerhard Huber, u. a. Vorstandsmitglied im Verband Gesundheitssport und Sporttherapie, der dafür votiert, am besten keinen Fahrstuhl zu benutzen. Auch während der Arbeit lassen sich starre Sitz-Zeiten smart mindern: Ein Stehpult für Arbeiten, die sich in der Vertikalen erledigen lassen, hilft. Dabei kann man ganz spielerisch ein paar wertvolle Ausgleichsübungen einbauen wie die Beine ausschütteln, in Zehenstand gehen und wippen oder die Fußgelenke kreisen lassen. Wichtig sind solche Sitzunterbrechungen. "Sechs Stunden sitzen und dabei alle 20 Minuten Aufstehen ist viel besser als vier Stunden am Stück auf dem Stuhl kleben zu bleiben", erklärt Experte Huber. Kreatives Anti-Sitz-Verhalten ist also im Job besonders gefragt: Warum beim Telefonieren nicht stehen? Oder ein Meeting ganz ohne Stühle abhalten? Brainstormen fürs neue Projekt könnte man auch bei einem Spaziergang um den Block.


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