Das Studium ist beendet, nun könnte es losgehen. Doch Jungakademiker zeigen sich oft verunsichert, das Berufsleben – noch ein Buch mit sieben Siegeln.

Sebastian Henze, Vorstand Human Resources, Consulting Network e.V., bei der Veranstaltung »Die ersten 100 Tage im Job« in Gießen.

In einigen Branchen (Ingenieurwesen, IT oder Handwerk) werden Fachkräfte händeringend gesucht. Andere Bereiche erwarten deutlich mehr Eigeninitiative. Und überhaupt, wo gehöre ich hin? Für Orientierung in der komplexen Phase des Berufseinstiegs sorgt die bundesweite Veranstaltungsreihe "Die ersten 100 Tage im Job". ZEIT CAMPUS und die Techniker Krankenkasse laden zu Diskussionsrunden in diverse Universitäten ein. Vertreter renommierter Unternehmen schärfen im Podiumsgespräch das Bild vom realen Arbeitsmarkt. Zur Selbsterkenntnis tragen zwei Workshops bei.

Der eine trägt den Titel: "Was kann ich wirklich? Die eigenen Fähigkeiten einschätzen". Für die beiden Coaches Cordula Büchse und Katrin Baum ist "Selbstermutigung" das vorrangige Ziel. In kleinen Gruppen unterhalten sich die Teilnehmer kurz, es geht darum, sich schnell ein eigenes Bild vom anderen zu verschaffen und mit dem Fremdbild abzugleichen. Durch die Rückmeldung könnten auch "blinde Flecken", einem selbst nicht bewusste Marotten (in die Haare fassen, Floskeln, Ähm-Pausen), beleuchtet werden. Rollenspiel und Feedback seien das A und O einer guten Selbstanalyse, wissen die Trainerinnen.

Körpersprache wirkt nach außen und innen

Außerdem könne man schon mal seinen Körper nutzen lernen. Wie sitze ich? Bin ich zugewandt? Wo habe ich meine Hände? Halte ich Blickkontakt? Der Vorteil ist beidseitig, Körpersprache wirkt nach außen und innen: "Je nachdem, wie ich mich halte, verhalte ich mich auch." Personaler, so die Erfahrung der Beraterinnen, achten heute weniger auf perfekte Zeugnisse. "Geschaut wird, ob eine Persönlichkeit in ein Team passt." Vor allem authentisch bleiben, lautet ihr Rat. Auch für Karolin Sommer-Baum läuft die Berufswahl darauf hinaus, dass man sich ohne Vorbehalte die richtigen Fragen stellt: "Was triggert mich? Was sind meine Bedürfnisse?" Ihr Workshop- Thema "Wie man den Job findet, der zu einem passt" beschäftigt sich zu zwei Dritteln mit der Innensicht und nur zu einem Drittel mit der Frage: Welches Umfeld passt zu mir? Man müsse sich aktiv selbst verorten, sonst hätte man es mit zwei Ungekannten zu tun – dem Arbeitsmarkt und sich selbst. Sommer-Baum rät Berufseinsteigern, Erwartungen nicht zu hoch zu hängen. Es gehe gar nicht so sehr darum, eine Berufung zu finden.

"OFFENHEIT, KREATIVITÄT UND MUT SIND NÖTIG, UM DEN PASSENDEN JOB ZU FINDEN."

Der Vorteil interaktiver Workshops – schnell gerate man in einen Austausch. Das sei in einer Gruppe mit lauter Unbekannten oft sehr wirkungsvoll. Ohne vorgefertigte Meinungen falle es vielen leichter, sich kreativ zu hinterfragen und dann zu brainstormen: Wo könnte ich andocken? "Da haben viele richtige Aha-Erlebnisse", berichtet Karolin Sommer-Baum. Wie wichtig ist Geld? Will ich viel reisen? Verantwortung tragen? Mag ich in eine große Firma? In ein Start-up? Großraum ja oder nein? Wer sich darüber im Klaren geworden ist, solle dann sein Herz nach außen tragen: "Der Welt erzählen, was mich interessiert." Denn: "Offenheit, Kreativität und Mut sind nötig, um den passenden Job zu finden."


Zurück zur Übersicht.