Hurra, die Einladung zum Vorstellungsgespräch ist da! Zeit, sich einmal auf die Schultern zu klopfen: mit der schriftlichen Bewerbung hat man den Arbeitgeber von sich überzeugt. Nun muss man beim persönlichen Treffen glänzen! Mit den folgenden Tipps hat man beste Chancen auf eine Zusage.

Tipp 1: Der erste Eindruck zählt!

Viele Bewerber unterschätzen, wie wichtig der erste Eindruck ist. Kleidung und Körperhaltung, Auftreten und Stimme tragen bereits in den ersten Sekunden stark zur Personalentscheidung bei.

Bewerber sollten unbedingt pünktlich zum Termin erscheinen. Ist man nicht ortskundig, plant man am Vorabend den Weg zur Firma und rechnet Pufferzeit für defekte S-Bahnen oder Staus ein. Wer zu früh da ist, überbrückt die Zeit in einem Café. Für den Fall, dass man zu spät kommt: Unbedingt vorher die Nummer des Ansprechpartners im Handy einspeichern! Am besten entschuldigt man sein Verspäten und bittet höflich um einen Anschlusstermin.

Feste Regeln für das perfekte Bewerber-Outfit gibt es nicht. Man sollte der Branche angemessen gekleidet sein. Anzug oder Kostüm müssen sein, wenn man sich bei einer Bank vorstellt. Bei einem Start-Up reichen häufig dunkle Jeans mit Jackett oder Blazer. Die Faustregel: Besser over- als underdressed! Mit förmlicher Kleidung zeigt man, dass man die Chance auf eine Stelle in dem Unternehmen wertschätzt. Hauptsache, man fühlt sich nicht verkleidet. Denn das strahlt man auch aus.

Übrigens: Das angebotene Getränk zu Beginn des Gesprächs sollte man annehmen. Mit der Geste wollen Personaler eine angenehme Atmosphäre schaffen. Wieso sollte man die ablehnen? Außerdem kann der Mund beim vielen Reden auch mal trocken werden. Muss man über eine Frage ein wenig nachdenken, kann man sich durch den Griff zum Glas kurz Bedenkzeit verschaffen. Am besten für Wasser ohne Kohlensäure entscheiden, damit man nicht aufstoßen muss.

Tipp 2: Timing beachten

Die meisten Bewerbungsgespräche folgen der gleichen Dramaturgie: Nach einem kurzen Small Talk ("Haben Sie gut hergefunden?") stellt sich der Arbeitgeber kurz vor. Dann folgt die Aufforderung, sich selbst zu präsentieren. In der restlichen Zeit wird der Bewerber befragt, bevor er am Ende selbst Nachfragen stellen darf. Sich über diesen Ablauf im Klaren zu sein, hat zwei Vorteile. Erstes nimmt es Lampenfieber, wenn man weiß, was auf einen zukommt. Zweitens macht es deutlich, warum Interviewer von ausufernden Erzählungen wenig begeistert sind. Denn die Gesprächszeit ist begrenzt. Es ist wichtig, beim Reden schnell auf den Punkt zu kommen und sich nicht in Details zu verlieren. Lieber kurz über eine Frage nachdenken, als sich um Kopf und Kragen zu reden oder bloß mit einem knappen Ja oder Nein zu antworten. Gerät man vor lauter Aufregung doch einmal ins Schwallen, sollte man die Signale des Gegenübers wahrnehmen. Rutscht der Interviewer ungeduldig auf dem Stuhl hin und her oder fängt an, den Blick schweifen zu lassen, sollte man sich bremsen und das auch offen ansprechen. Damit beweist man trotz Abdriften zumindest soziale Kompetenz: dass man auf andere eingehen kann.

Beginn und Ende des Gesprächs sind für das Job-Interview ebenso wichtig wie alles dazwischen. Der Small Talk am Anfang dient in der Regel dazu, die Stimmung etwas aufzulockern oder den Weg durch das Firmengebäude zum Besprechungszimmer zu überbrücken. Viele Career Center an Unis bieten kostenlose Workshops an, hier kann man sich zum Thema "Business Small Talk" ein wenig Nachhilfe holen. Nach dem Vorstellungsgespräch darf man ruhig klären, wann man mit einer Entscheidung rechnen kann. Meldet sich die Personalabteilung später als am vereinbarten Tag ohne darüber zu informieren, wirft es kein gutes Licht auf den Arbeitgeber. In diesem Fall gut überlegen, ob man dort wirklich anfangen möchte.

Tipp 3: Gut vorbereitet ins Gespräch gehen

Im Vorstellungsgespräch will die Firma den Bewerber persönlich kennen lernen. Hat er wichtige Eckdaten des Unternehmens im Kopf, kennt die Wettbewerber und hat seine Bewerbungsunterlagen ausgedruckt dabei? Perfekt! Denn eine gute Vorbereitung steht für eine gründliche Arbeitsweise.

Zur typischen Einstiegsfrage – "Erzählen Sie etwas über sich" – sollte man sich Gedanken gemacht haben. Seinen Lebenslauf braucht man nicht herunterzubeten, den kennt die Firma schon aus den Unterlagen. Vielmehr hat man sich am besten gute Argumente zurechtgelegt, inwiefern man der optimale Kandidat für die offene Stelle ist. Geschickt ist, einzelne Aspekte aus der eigenen Vita herauszugreifen und sich bei den gemachten Erfahrungen immer wieder auf die Anforderungen aus der Stellenanzeige zu beziehen. Damit zeigt man, dass man sich gut vorbereitet hat und den Job auch wirklich will.

Wo liegen Ihre Stärken? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Und warum passen Sie zu uns? Viele Personaler greifen erstaunlich oft auf Standardfragen wie diese zurück – auf die man sich gut vorbereiten kann. Damit sollen Motivation, Leistungsfähigkeit und Persönlichkeit des Bewerbers geprüft werden. Typische Fragen lassen sich leicht im Internet finden. Die eigenen Antworten kann man vor dem Termin ein wenig üben, zum Beispiel mit einem Freund, der in die Rolle des Interviewers schlüpft. Das laute Aussprechen und Argumentieren hilft beim Formulieren, sodass man später weniger ins Stocken kommt. Angenehmer Nebeneffekt: Man wird sich dabei automatisch darüber bewusst, worauf es einem im Job wirklich ankommt und wo man hinwill. Kann man sich gut einschätzen, seine Vorstellungen benennen und klar Stellung beziehen, punktet man im Vorstellungsgespräch. Aber: Auf keinen Fall Sätze auswendig lernen! Das wirkt gestelzt und kommt gar nicht gut an.

Mit den eigenen Fragen an den Interviewer kann man glänzen – oder sich blamieren. Etwa, wenn man nach der Mitarbeiterzahl fragt, die sich mit einem Klick auf die Webseite der Firma herausfinden lässt. Wer gute Fragen stellt, zeigt hingegen echtes Interesse. Außerdem bekommt man die Gelegenheit, wichtige Dinge zu erfahren: Was versteht das Unternehmen unter Teamarbeit? Wer muss an wen berichten? Darf man den Arbeitsplatz sehen und kurz mit einem Kollegen sprechen? Am besten hat man vor dem Termin Fragen vorbereitet und sich während des Gesprächs Notizen gemacht, an welchen Stellen man noch mehr wissen möchte.

Tipp 4: Sei du selbst!

Kaum eine Situation ist so künstlich wie ein Job-Interview und doch soll man sich dabei ganz natürlich verhalten. Was wie ein Widerspruch klingt, erhöht die Chancen auf eine Zusage: man sollte möglichst ehrlich und selbstbewusst auftreten.

Auf keinen Fall eine einstudierte Rolle spielen! Im Vorstellungsgespräch will man herausfinden, ob Firma und Bewerber zusammenpassen. Wer lügt, tut sich keinen Gefallen. Der Bluff fällt spätestens nach wenigen Wochen im Job auf, denn dauerhaft kann man sich nicht verstellen. Das beste Rezept: mit ehrlichen Antworten überzeugen. Wer sich so gibt, wie er wirklich ist, wirkt authentisch und damit auch sympathisch. Außerdem können Bewerber und zukünftiger Chef die gegenseitigen Erwartungen klären und so Missverständnisse und Frust vermeiden.

Neben dem Inhalt des Gesagten ist es ratsam, auf seine Ausdrucksweise zu achten. Im Idealfall bringt man seine Botschaft durch eine angemessene Lautstärke und passende Betonungen auf den Punkt. An Satzenden sollte man darauf achten, nicht mit der Stimme nach oben zu gehen. Das klingt, als stellte man seine eigene Aussage infrage und lässt einen schnell unsicher und inkompetent wirken. Wer sehr aufgeregt ist, sollte bewusst atmen, um sich selbst ein wenig zu beruhigen. Dazu eine aufrechte Körperhaltung einnehmen, Blickkontakt halten ohne seinen Gesprächspartner anzustarren – und das Lächeln nicht vergessen. An den Haaren oder mit den Fingern spielen sollte man nicht, das wirkt unsicher. Vielen hilft es zum Beispiel, stattdessen einen Stift in der Hand zu halten. Den kann man auch gleich für Notizen nutzen.

Tipp 5: Ungerader Lebenslauf? Ein Vorteil!

Studium geschmissen, eine längere Auszeit genommen oder monatelang nach der ersten Stelle gesucht? Wer nicht die vermeintlich perfekte Vita hat, braucht sich nicht zu schämen. Nicht vergessen: Für das Unternehmen ist man ein interessanter Bewerber, schließlich wurde man zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Die einst gefürchtete "Lücke im Lebenslauf" gilt heute gar nicht mehr als so schlimm. Man sollte selbstbewusst dazu stehen und nichts erfinden. Aus schwierigen Zeiten kann man viel Kraft schöpfen, seinen Werdegang überdenken, sich neu ausrichten und bewusster seine Ziele verfolgen. Insofern lässt sich ein sogenannter ungerader Lebenslauf durchaus als Chance verstehen, das wissen auch Personaler. Es kommt eben darauf an, wie man diese Lebensphasen rückblickend betrachtet. Wer positive Schlüsse daraus gezogen und eine Veränderung bewirkt hat, beweist pragmatisches Handeln und den Blick nach vorn. Hat man in dieser Zeit zum Beispiel die Welt bereist und ist dabei über sich hinausgewachsen, beim Bergsteigen oder Fallschirmspringen? Oder hat man die Zeit genutzt, um herauszufinden, was man mit seinem Leben anfangen will und sich derweil ausgiebig über eine Branche informiert? Wer ehrlich zu diesen Phasen stehen kann, wirkt authentisch – und damit wie ein vertrauenswürdiger Mitarbeiter.

Baut der Personaler Druck auf, indem er etwa bei einem abgebrochenen Studium oder einem Studienwechsel nachbohrt, bloß nicht einschüchtern lassen. Auf den Moment des Scheiterns sollte man weniger eingehen, sondern lieber erzählen, was man danach gemacht hat und inwiefern einen dieser Schritt dahin geführt hat, wo man heute steht: bei der Chance auf eine Stelle in diesem Unternehmen.