Wer sich bei einem großen Unternehmen oder Konzern bewirbt, der muss mit einem Assessment-Center rechnen. Keine Panik! Mit den folgenden fünf Tipps meisterst du den Stress-Test.

Tipp 1: Es geht nicht darum, der Beste zu sein

Bewerber für ein Trainee-Programm sollten auf ein Assessment-Center (AC) ebenso gefasst sein wie Berufseinsteiger bei Schnittstellenpositionen, etwa in der IT. Banken, Versicherungen und Unternehmensberatungen setzen das Testverfahren häufig ein. Generell gilt: Je größer das Unternehmen, desto wahrscheinlicher ist es, dass man ein AC durchlaufen muss. Gemeinsam mit anderen Bewerbern soll man in der Regel ein oder zwei Tage lang Aufgaben lösen und wird dabei von geschulten Arbeitspsychologen beobachtet und bewertet. Neben Fachwissen wollen Firmen damit etwas Wichtiges abfragen: Soft Skills. Wie verhält sich ein Bewerber unter Stress, und was verrät das über seinen Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten? Geht er analytisch an eine schwierige Aufgabe heran, auf welche Methoden greift er zurück? Und was passiert, wenn andere seine Idee nicht gut finden? Während man im Vorstellungsgespräch seine Fähigkeiten beschreibt, muss man sie im AC unter Beweis stellen. Firmen wollen damit Blender aussortieren und Kandidaten finden, die fachlich und persönlich ins Unternehmen und zur freien Stelle passen. AC-Teilnehmer sollen Aufgaben bewältigen, die den späteren Herausforderungen im Job entsprechen. Allgemeinbildung und Fachwissen können abgefragt werden, zusätzlich auch logisches Denken und Konzentrationsfähigkeit oder Fremdsprachen. Viele Berufseinsteiger haben eine falsche Vorstellung. Sie denken, beim AC als der oder die Beste glänzen zu müssen – das ist zu kurz gedacht. Personaler sind am Gesamtpaket interessiert, das ein Bewerber mitbringt. Es kann auch sein, dass man eine Übung vergeigt, es in der Gesamtwertung aber trotzdem für eine Zusage reicht. Häufig dient das AC dazu, mehrere Positionen zu besetzen, wie bei einigen Trainee-Programmen. Es hilft, im Hinterkopf zu behalten: Die anderen Teilnehmer sind nicht nur Konkurrenten, sondern möglicherweise auch bald die neuen Kollegen.

Tipp 2: Gut vorbereiten

Meistens laufen ACs ähnlich ab. Nach einer Vorstellungsrunde beschreiben die Personaler den Zweck der Veranstaltung und die Übungen. Am Schluss gibt es oft ein persönliches Gespräch, das AC-Interview. Das kann man sich wie ein Vorstellungsgespräch vorstellen, in dem man Feedback und manchmal auch direkt eine Zusage bekommt. Auf die Standardaufgaben im AC kann man sich gut vorbereiten – und sollte das auch tun. Typische Aufgaben sind Präsentationen, Interviews und Gruppendiskussionen, Fallstudien und Rollenspiele. Bei der Postkorbübung etwa sollen Bewerber unter Zeitdruck eingehende Emails bearbeiten und priorisieren. Gut zu wissen: Man kann die Aufgabe gar nicht in der vorgegebenen Zeit schaffen. Hier soll man zeigen, dass man mit einer stressigen Situation klarkommt und einen kühlen Kopf bewahrt. Bewirbt man sich zum Beispiel auf eine Stelle im Projektmanagement, bei der man an einer Schnittstelle arbeiten soll, muss man oft in einem Rollenspiel überzeugen: Ein Mitarbeiter der Firma spielt einen wütenden Kunden, und der Bewerber soll zeigen, wie er die Situation meistert. Zur Vorbereitung auf Übungen wie diese lohnt es sich, die Angebote der eigenen Hochschule zu nutzen. Viele Career Center bieten AC-Trainings, Rhetorikkurse oder Smalltalk-Workshops an. Es gibt auch private Anbieter, das ist in der Regel aber nicht so günstig. Aus Ratgebern erfährt man, wie Aufgaben gestellt werden, die Lösungswege sollte man aber nicht als Patentrezepte verstehen. Im AC kommt es eben gerade darauf an, eigenständig zu denken und auf unerwartete Situationen zu reagieren. Auch mit Apps wie der "IQ App" von der Uni Ulm kann man sich gut auf das AC vorbereiten. Am besten nimmt man mehrere Einladungen wahr, um Routine zu entwickeln. Man sollte nicht vergessen, sich auch persönlich gut vorzubereiten. Den eigenen Lebenslauf und Eckdaten des Unternehmens im Kopf zu haben gehört ebenso dazu wie sich über die eigene Motivation, seine Stärken und Ziele im Klaren zu sein. Bei wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Themen, die für den künftigen Arbeitgeber wichtig sind, sollte man auf dem Laufenden sein und eine klare Meinung dazu vertreten können. Neben dem gründlichen Vorbereiten nicht vergessen: Ausgeschlafen und pünktlich zum AC erscheinen!

Tipp 3: Sich nicht kleiner oder größer machen als man ist

Klar, im AC geht es um Selbstdarstellung, um Meinungsstärke, Kreativität und Schlagfertigkeit. Darum, sich möglichst von seinen besten Seiten zu zeigen. Schauspielern sollte man aber nicht. Wichtig ist, bei der Veranstaltung ein gesundes Selbstvertrauen zu zeigen. Es ist eine Gratwanderung, die man meistern muss: Einerseits selbstbewusst auftreten und seine Meinung vertreten, andererseits, wenn es notwendig wird, auf andere zugehen und Kompromisse eingehen. An vielen Stellen kommt man nur weiter, wenn man sich mit anderen zusammentut. Besonders in Gruppenaufgaben gilt es, die Balance zu finden, sich konfliktfähig zu zeigen und auch mit anderen zu kooperieren. Die Personaler achten etwa darauf, wer Kritik positiv formuliert oder wem es gelingt, seine Gesprächspartner zu überzeugen. Als Faustregel gilt: Man sollte sich den Mitbewerbern gegenüber kollegial verhalten, sich aber auch nicht verstecken und zu lange abwarten. Nur das Verhalten, das man aktiv von sich zeigt, kann auch in die Bewertung einfließen. Wichtig: Dringend den Zeitplan einhalten! Bei einer Präsentation zum Beispiel nicht den zeitlichen Rahmen sprengen, sonst schießt man sich selbst ins Aus. Es kann helfen, eine Armbanduhr zu tragen und mit Blick auf die Zeit zur Not spontan inhaltliche Punkte wegzulassen.

Tipp 4: Auch der zweite Eindruck zählt

Der erste Eindruck gibt Personalentwicklern schnell ein Gefühl, ob ein Bewerber ins Unternehmen passt oder nicht. Ob er sich bestätigt, zeigt sich im Laufe der Übungen und Gespräche. Zwar betonen die Mitarbeiter meistens, dass Bewerber in den Pausen dazwischen nicht bewertet werden – trotzdem werden sie natürlich auch dann beobachtet! Wer zwar in den Aufgaben glänzt, sich dazwischen aber unangemessen verhält, fällt negativ auf. Die Krawatte lockern, das Essen mit dem Löffel und aufgestützten Ellenbogen in sich hineinschaufeln oder sich gar abfällig über die Firma, das AC oder Mitbewerber äußern: all das wird sicher nicht zu einer Jobzusage führen. Vielmehr kann man die kurzen Auszeiten nutzen, um sich mit Firmenvertretern zu unterhalten oder Infos aus erster Hand zu erfahren. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Veranstaltung für alle Seiten anstrengend ist, auch für Personaler. Wer hier kein Fingerspitzengefühl beweist und Mitarbeiter ohne Punkt und Komma vollquatscht, sammelt sicher keine Sympathiepunkte. In der Situation sollte man mit gesundem Menschenverstand entscheiden, welches Verhalten angemessen ist. Es geht auch in Ordnung, die Pausen an dem stressigen Tag zur eigenen Erholung zu nutzen, Kraft zu tanken für weitere anstrengende Stunden. Wer das bevorzugt, sollte ebenfalls Taktgefühl zeigen. Sich in der Kantine alleine hinzusetzen, ist sicher keine gute Idee. So wirkt man wie ein Eigenbrötler, dem Smalltalk nicht liegt. Besser das gemeinsame Essen früher beenden, und höflich darauf verweisen, noch eine kurze Runde um den Block zu drehen.

Tipp 5: Genau hinschauen

Idealerweise ist das AC auf die künftigen Aufgaben der Jobposition zugeschnitten. Die Firma will testen, wie sich ein Bewerber in arbeitsnahen Situationen verhält. Typische Aufgaben aus dem Arbeitsalltag werden in den Übungen simuliert. Darauf kann man sich zwar nicht so gut vorbereiten wie auf die bekannten Standardübungen, aber man bekommt, und das ist viel wichtiger, einen guten Eindruck, was der Job tatsächlich erfordert, und ob er zu einem passt. Psychologen haben festgelegt, welche Kriterien ein gutes AC ausmachen. In der Berufspraxis halten sich viele Unternehmen aber nicht daran und lassen das Verfahren zum Beispiel von unerfahren Mitarbeitern anleiten und bewerten, statt Experten zu engagieren. Beim Beobachten kann es dann zu Fehldeutungen kommen, zum Beispiel, wenn einem Teilnehmer Kompetenz zugesprochen wird, weil er laut und lange redet. Ob ein AC fair und professionell durchgeführt wird, merkt man meist schnell. Etwa daran, wie transparent das Unternehmen die Anforderungen macht. Schlechte ACs bestehen häufig nur aus Standardaufgaben, die wenig mit der Position zu tun haben. Es lohnt sich für Bewerber, genau hinzugucken: Läuft der Tag reibungslos? Gehen die Mitarbeiter wertschätzend miteinander um und sind den Bewerbern zugewandt? Wie schmeckt das Essen in der Kantine? Kurzum: Kann man sich vorstellen, in diesem Umfeld jeden Tag zu arbeiten? Bewerber sollten das AC auch dazu nutzen, sich ein eigenes Bild von dem Arbeitgeber zu machen. Welche Stimmung man wahrnimmt, ob der Rahmen stimmt und was das Bauchgefühl sonst so sagt: unabhängig von einer Zusage sollte man auch für sich selbst eine ehrliche Entscheidung treffen.